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Hamburg, 30.06.2017

Die Revolution kommt tatsächlich

Für Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler, ist klar: Künstliche Intelligenz (KI) verändert Mobilität im Kern. Er plädiert für eine Politik aus einem Guss – und die Kontrolle des Menschen über seine KI-Entwicklungen.


Dieter Zetsche ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender von Daimler (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Haben die Experten recht, die sagen, KI löse die nächste technische Revolution aus?
Dieter Zetsche:
Man braucht wenig Fantasie, um zu erkennen: KI durchdringt die gesamte Wertschöpfungskette. Von „Machine Learning“ in einer sich selbst regulierenden Produktion über maßgeschneiderte Werbung bis zu wirklich intelligenten Sprachassistenten im Auto. Die Verwendung des Begriffes „revolutionär“ ist oft inflationär. Hier steht die Revolution ausnahmsweise tatsächlich an.

US-Forscher prognostizieren, dass Computer bald 50 Prozent der Jobs in den USA übernehmen können. Wie flexibel und anpassungsfähig ist der deutsche Arbeitsmarkt?
Zetsche:
Es stimmt: Manche Jobs wird es auf lange Sicht nicht mehr geben. Es stimmt aber auch, dass tiefgreifende technologische Umbrüche in der Vergangenheit den Wohlstand langfristig immer gesteigert haben. Auch diesmal werden neue Berufe entstehen, die neue Chancen mit sich bringen. Außerdem vollzieht sich auch diese Transformation nicht von heute auf morgen. Es gilt, diese Zeit zu nutzen und den Wandel mit Entschlossenheit voranzutreiben. Diese Entschlossenheit sehe ich in Deutschland derzeit in vielen Bereichen. Bei Daimler ist unsere Haltung klar: Es geht um den Schutz der Beschäftigten, nicht ihrer Jobprofile.

Benötigen wir Chief Digital Officers aus der Wirtschaft in den Regierungen, um den Wandel und seine Auswirkungen besser zu steuern?
Zetsche: Auch beim Thema Digitalisierung sind Sachverstand und Sensibilität durchaus vorhanden – nur leider oft auf zu viele verschiedene Stellen verteilt. Im Ergebnis sind sich zwar alle einig, dass ein digitales Deutschland keine Zeit zu verlieren hat. Und trotzdem surft man in Ländern wie Südkorea schon heute doppelt so schnell wie bei uns. Um das zu ändern, brauchen wir weniger Doppelstrukturen und mehr Politik aus einem Guss. Es muss klar sein, wer bei der Digitalisierung den Hut aufhat. Ob diese Person dann „Chief Digital Officer“ heißt, ist für mich zweitrangig.

Teil 1: Die Revolution kommt tatsächlich

Teil 2: Die Chancen-Diskussion darf nicht zu kurz kommen

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