Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Teil 3: „Ich halte überhaupt nichts von einem bedingungslosen Grundeinkommen" 

Sahra Wagenknecht: Die Spitzenkandidatin der LINKEN hat einen Personalnotstand in Pflege und Bildung ausgemacht und fordert ordentliche Gehälter für einen attraktiven Arbeitsmarkt in diesem Bereich ein. (Foto:picture alliance/ Peter Endig/ dpa-Zentralbild/ZB)

Vor gut zwei Jahren gaben führende Wirtschaftsvertreter vollmundige Versprechen ab, die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt zu befördern. Stand heute sind die Ergebnisse der Bemühungen mehr als überschaubar. Wie fällt ihr Fazit aus?
Wagenknecht: Ich würde nicht primär der Wirtschaft oder alleine den Unternehmen den schwarzen Peter zuschieben. Viele Geflüchtete haben nach ihrer Ankunft nicht einmal Deutschkurse machen können. Migranten hängen in der Verwaltung fest, Asylverfahren stocken. Die Rahmenbedingungen, um Betroffene in den Arbeitsmarkt integrieren zu können, sind nicht gegeben. Das kann natürlich nicht so bleiben – das wäre das programmierte Scheitern von Integration. Wenn die Menschen keinen Ausbildungsplatz, keinen Arbeitsplatz finden, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass auch keine Integration stattfindet. Hier hat die Regierung nicht die richtigen Weichen gestellt. Wir haben eine große Zahl von Menschen aufgenommen, aber wir waren weder darauf vorbereitet, noch wurden bis heute ausreichende Mittel bereitgestellt, das wirklich zu ermöglichen.

Droht uns vor dem Hintergrund der digitalen Transformation und dem Ersatz einfacher Tätigkeiten durch Maschinen kurzfristig ein Heer von Arbeitslosen? Welche Lösungsansätze sehen Sie und was halten Sie von der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens?Wagenknecht: Zunächst einmal ist das ja gar keine negative Entwicklung. Wenn stupide Arbeiten überflüssig werden, wenn Maschinen, Roboter oder Algorithmen diese übernehmen, ist das ein enormer Zugewinn an Produktivität. Sprich: mit weniger Arbeit kann der gleiche Wohlstand erzeugt werden. Das Problem ist: Im gleichen Atemzug wird dieser Wohlstand so verteilt, dass ein Teil reich wird und die anderen außen vor bleiben. Natürlich stellen sich hier auch Fragen nach Arbeitszeitverkürzung und nach Weiterqualifizierung. Ich halte aber überhaupt nichts von einem bedingungslosen Grundeinkommen – ich finde, dass die Gesellschaft die Pflicht hat, jedem die Chance zu geben, sich mit eigener Arbeit auch ein eigenes Einkommen zu sichern zu können und nicht von Almosen zu leben. Und das halte ich auch für völlig realistisch. Es wird eine Menge Arbeit wegfallen. Aber es gibt auch viele andere Bereiche, in denen keine Maschine und kein Roboter den Menschen ersetzen kann – gerade im Pflegebereich haben wir einen völligen Personalnotstand. Die Leute werden dort nur viel zu schlecht bezahlt – aus diesem Grund ist es nicht attraktiv. Es wäre dringend erforderlich, dort mit ordentlichen Gehältern einen attraktiven Arbeitsmarkt zu schaffen, auf den sich Menschen dann auch umschulen lassen wollen. Wir werden alle immer älter, brauchen mehr Pflege. Auch im Bereich der Bildung haben wir Personalnotstand. Wir müssen eigentlich in absehbarer Zeit doppelt so viele Lehrer und Förderlehrer zur Verfügung stellen als aktuell – wenn wir denn wirklich für gute Bildung sorgen wollen. Grundsätzlich gilt: Es gibt viele Bereiche, in denen wir deutlich mehr Arbeit einführen müssten, in denen das aber aktuell nicht stattfindet. Dort müssen wir Menschen entsprechend qualifizieren. Natürlich kann nicht derjenige, der gestern noch an der Kasse im Supermarkt saß, morgen am Gymnasium Lehrer werden. Aber durch gezielte Weiterqualifizierung kann vieles erreicht werden.

Gerade im Pflegebereich wird aber aktuell schon viel von Hilfe durch Robotik gesprochen...
Wagenknecht: ....ist das wirklich wünschenswert? In Japan gibt es Pflegeheime, in denen die Roboter den alten Menschen das Essen bringen und sie teilweise sogar waschen. Ich persönlich finde das zutiefst unmenschlich. Es ist der falsche Ansatz zu sagen, jede Arbeit, die ein Roboter theoretisch verrichten könnte, übertrage ich ihm auch praktisch. Ein anderes Beispiel: Natürlich könnte man den Menschen nahelegen, sie sollten jetzt alle Onlinekurse zur Weiterbildung machen. Dann bräuchten wir weniger Lehrer und die Kinder sitzen schon einmal am Computer – alleine so funktioniert es aber nicht. Wenn wir nahezu alles auf digitale Angebote umstellen, hängt es wieder nur an den Eltern, ob sie den Kindern den Zugang ermöglichen oder nicht. 

Streng nach Effizienzgesichtspunkten wird es wohl in beiden Fällen aber dazu kommen, dass zumindest zum Teil Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt.
Wagenknecht: Die Frage ist: Was ist der Zweck unseres Wirtschaftens? Ist der Zweck, dass wir effizient sind, oder ist der Zweck, dass es Menschen gutgeht, dass sie Perspektiven haben und nicht im Alter von einem Roboter gepflegt werden wollen?

Teil 1: Von den USA lernen

Teil 2: „Natürliche Monopole gehören nicht in private Hand“

Teil 3: „Ich halte überhaupt nichts von einem bedingungslosen Grundeinkommen“

Teil 4: „Die EU ist durchaus mittelstandsfeindlich“

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH
    Der Faktor Mensch

    Bei der Unternehmensnachfolge spielen nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern auch der Faktor Mensch. Drei Beispiele zeigen, worauf es ankommt.

  • Finanzierung ohne Bank
    Roadshow im Rückspiegel

    Die Roadshow „Innovative Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen“ war ein voller Erfolg. Ein Rückblick.

  • Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen
    Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen

    Im Flugsimulator einer Boeing 737 erfahren Führungskräfte, warum Selbstwahrnehmung ebenso wichtig ist, wie klare Aussagen zu treffen und Fehler zugeben zu können.

  • Den Unternehmensverkauf gut planen
    Den Unternehmensverkauf gut planen und richtig umsetzen

    Es ist unter Unternehmern allgemein bekannt, dass zwischen 2014 und 2018 in Deutschland ca. 80.000 – 120.000 Unternehmen zum Verkauf stehen, meist aufgrund einer nicht vorhandenen Unternehmensnachfolge.

  • Den Erfolg atmen -  Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik
    Den Erfolg atmen - Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Meditation entspannt und stärkt das Selbsbewusstsein. Wer sie konsequent praktiziert, kann Berge versetzen – sagt Meditationslehrer Sri Sri Ravi Shankar. Seine Erfolge sprechen für sich.

  • Pickawood Crowdinvesting
    Was wurde eigentlich aus ...

    ... Pickawood? Vor einem Jahr sammelte der Online-Möbelshop 250.000 Euro über die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ein. Heute zählt es zu den wachstumsstärksten Startups Europas.

  • Endlich Spaß - So hilft Outfittery Männern beim Shoppen
    Hier shoppt Mann gern

    Klamotten zu kaufen macht Männern so viel Spaß wie die Toilette zu putzen. Im Schnitt tun sie es nur zwei Mal pro Jahr. Doch es gibt Abhilfe: Curated Shopping.

  • Neue Quellen erschließen
    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement
    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“
    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe
    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster
    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt
    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Raus aus der Komfortzone
    Raus aus der Komfortzone

    Vertriebsexperte Dirk Kreuter sagt, wie Verkäufer in der digitalen Welt überleben.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau
    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten
    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.
    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Niederlagen nutzen
    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten
    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas
    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten
    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)
    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler
    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

  • Last minute für Feinschmecker
    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • asant verändert die digitale Transformation Wirtschaft und Gesellschaft. Die CeBIT 2016 zeigt, was die Zukunft bringt.
    Humanismus auf der CeBIT

    Auf der CeBIT 2016 stehen der Mensch und sein Einfluss auf eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Ein Blick auf die wichtigsten Trends.

  • Fördern und vorleben
    Der Transformation vorangehen

    Beim DUB-Talk beschrieben drei Entscheider, wie sie die Digitalisierung in ihrer Firma umsetzen. Dabei entdeckten sie an ihren Firmen ganz neue Seiten.

  • Sei dein eigener Regisseur

    Keine Lust mehr auf die alte Firma? Worauf Führungskräfte bei beruflichen Veränderungen achten müssen, sagt Coach Claudia Michalski.

  • Rotes Tuch Digitalisierung
    Rotes Tuch Digitalisierung

    Zu teuer, zu komplex, zu wenig Personal: Das Thema Industrie 4.0 wird von der Mehrheit der Mittelständler kritisch gesehen.

  • Friedman schlägt Schumpeter
    Kampf der Top-Ökonomen

    Werden in Krisen innovative Unternehmen geboren? Die Theorie von Schumpeter sagt ja, die von Friedman nein. Wer hat Recht?

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick