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Revolution auf dem Lebensmittelmarkt

Immer mehr Supermärkte und Start-ups bringen online bestellte Ware nach Hause - trotz des hohen Aufwands.

Sieben Tage pro Jahr verbringen die Deutschen statistisch betrachtet im Supermarkt. Bequemer ist es da, seinen Einkauf online zu bestellen und sich die Tüten an die Haustür bringen zu lassen. Immer mehr Verbraucher nutzen diese Möglichkeit - mit Folgen: Die Lebensmittelbranche ist im Umbruch.

Wolf Wagner, Partner der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, spricht gar von einer "Revolution im Lebensmittelmarkt". Die Antreiber der Entwicklung?  "Die Verbraucher." Familien mit Kindern, Doppelverdiener mit wenig Zeit und ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, schätzen den Online-Lebensmittelhandel.

Noch ist der Markt eine Nische, aber er wächst rasant: Der Anteil der Onlineumsätze am stationären Markt liegt derzeit gerade einmal zwischen 0,8 und einem Prozent, schätzt EY. 2014 lag diese Zahl noch bei 0,3 Prozent. Eine Verdreifachung - innerhalb von nur einem Jahr. 2020 könnte der Marktanteil sogar auf zehn Prozent ansteigen.

Viele Unternehmen investieren. Rewe weitet seinen Lieferdienst auf immer mehr Regionen aus. Auch andere Supermarktketten wie Edeka sind in das Onlinegeschäft eingestiegen. Kaiser's Tengelmann liefert seine Produkte über Bringmeister aus, der Handelskonzern Metro (Real) hat sich zu Übungszwecken an dem Start-up Emmas Enkel beteiligt. Kaufland und Lidl haben einen ersten Schritt gemacht und vertreiben im Netz immerhin haltbare Lebensmittel, etwa Nudeln. Dazu kommen Start-ups wie Allyouneed.

Einzig Aldi hält sich in Deutschland aus dem Geschäft heraus. Marktkenner gehen jedoch davon aus, dass der Discounter bereits entsprechende Konzepte in der Schublade liegen hat. In Großbritannien plant Aldi Süd angeblich einen Test mit einem Onlineshop.

Das Manko: Kaum ein Essenslieferdienst ist profitabel. Selbst für Rewe, die Nummer zwei im deutschen Lebensmittelhandel, ist der Onlinedienst ein Zuschussgeschäft. Dabei zählen die Kölner zu den umtriebigsten im Markt. In 63 Städten können Kunden aus dem kompletten Supermarktsortiment wählen. Der Service kostet bis zu fünf Euro, ab einem Warenkorb von 100 Euro ist er kostenfrei. "Die Akzeptanz bei den Kunden wächst", heißt es in der Rewe-Zentrale. Der Umsatz mit dem Lieferdienst habe sich seit Beginn im Herbst 2011 vervierfacht.

Der Versand von Lebensmitteln ist für die Unternehmen ein großer Aufwand. Das Verpacken und Zustellen ist teuer, die Margen ohnehin niedrig. Hinzu kommt: Die Kunden erwarten eine pünktliche Lieferung, und nur wenige sind bereit, für den Service zu zahlen.

Von sich aus bieten Lidl und Aldi zwar keine frischen Lebensmittel per Lieferservice an, über das Start-up Shopwings aber können sich Kunden die Produkte vom Discounter nach Hause kommen lassen. Das im September 2014 gegründete Unternehmen nimmt online Bestellungen entgegen, sogenannte "Shopper" kaufen die Lebensmittel in lokalen Märkten ein und bringen sie - so das Versprechen - innerhalb von zwei Stunden. Die Kosten für den Service: knapp fünf Euro.

Auch Amazon will von dem Geschäft profitieren. Der US-Konzern dürfte noch in diesem Jahr seinen Frische-Lieferdienst Amazon Fresh in Deutschland starten, vermuten Branchenbeobachter. Das bestätigt auch Rewe-Chef Alain Caparros.  "Amazon Fresh kommt. Wir wissen, dass sie bereits Logistikstandorte haben", sagte er jüngst. Amazon äußert sich nicht dazu, vertreibt aber seit 2010 bundesweit Produkte aus dem Trockensortiment. Damals waren 35 000 Artikel im Angebot, heute sind es 471 000.

Der Start von Amazon Fresh dürfte dem Markt den entscheidenden Impuls geben, sind sich Experten einig. Bis es so weit ist, bleibt der Onlinehandel mit Lebensmitteln noch ein Nischengeschäft.

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