Ran an die Frauen 

Spielwaren, Mode, Schuhe: Wie der Internethändler Mytoys.de seine Onlineshops verzahnt, um gegen Amazon & Co zu bestehen

Schon in den neunziger Jahren waren die "Furbys" ein Verkaufsschlager. Nun erleben die High-Tech-Plüschtiere - eine Mischung aus Eule und Fledermaus mit klimpernden Augen, wackelnden Ohren und Sprachchip - ein Comeback. Seit Ostern wurden Tausende "Furbys" bei Mytoys bestellt. Die Plüschtiere sind aber nicht der einzige Verkaufshit bei dem Onlineshop für Spielwaren und Produkte rund ums Kind. 280 Millionen Euro Umsatz hat das Berliner Unternehmen inklusive seiner Tochtergesellschaften im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielt. Im ersten Halbjahr 2013 14 legte allein Mytoys um knapp 20 Prozent zu - sehr zur Freude des Mehrheitseigners, der Otto-Gruppe. Sie hält 74,8 Prozent der Anteile.

Oliver Lederle, Gründer und Chef von Mytoys.de, schweben aber ganz andere Wachstumsdimensionen vor: In zwei bis drei Jahren will er beim Umsatz die Marke von 500 Millionen Euro knacken. Seine Strategie lautet kurz gefasst: Ran an die Frauen! Das ist die Zielgruppe von Mytoys - und die soll künftig noch mehr zum Shoppen im Netz animiert werden. Denn zu Mytoys.de gehört nicht nur der Spielzeug-Onlineshop. Das Unternehmen betreibt auch Internetläden, die Mode (Ambellis) und Schuhe (Mirapodo) verkaufen.

Sie sollen stärker aufeinander abgestimmt werden. Lederle will dies mit einem neuen Multi-Shop-Konzept erreichen. Die Idee: Kunden von Mytoys, Ambellis und Mirapodo können in allen Onlineshops gleichzeitig einkaufen: mit einem Login, einem Warenkorb, einem Bezahlvorgang. Wenn frau also neues Sandkasten-Spielzeug für ihr Kind bestellt, soll sie gleich noch ein Paar neue Schuhe für sich in den Warenkorb packen. Fachleute nennen das Convenience Shopping. Es ist ein Weg, mit dem sich Händler im Internet in Konkurrenz vor allem zu Amazon besser positionieren wollen. Amazon ist nicht nur bekannt für die Breite an Produkten, sondern für den simplen Einkauf mit nur ein paar Klicks. "Bequemlichkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im Onlinehandel", erläutert Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln. "Sie ist ein wesentlicher Grund, warum die Menschen bei Amazon bestellen - gerade zu Weihnachten." Viele seien es etwa leid, sich bei jedem Onlineshop immer neu anmelden zu müssen. Die Frage der Konkurrenz zu Amazon stellt sich für Lederle allerdings nicht. "Amazon ist ein Universalist, bietet alles aus einer Hand. Mytoys, Ambellis und Mirapodo sind Spezialisten für ihr jeweiliges Sortiment. Das kann man nicht so einfach vergleichen." Er will mit Kompetenz punkten. Dafür braucht es seiner Ansicht nach einzelne, für sich stehende Onlineshops.

Die Verzahnung der Läden im Internet erfasst auch die Logistik: Bei den Kunden soll nach Möglichkeit nur ein Paket zu Hause ankommen; es sollen nicht mehrere zu unterschiedlichen Terminen geliefert werden. Das dies nicht immer geht, weiß Lederle: Zu einer bestellten Wickelkommode werde man auch künftig sicher nicht die bestellten Pumps packen können. Für das Multi-Shop-Konzept musste Mytoys.de die gesamte Unternehmens-IT komplett umbauen. Noch anspruchsvoller ist die Logistik. "Ein so großes und heterogenes Sortiment muss man erst einmal abwickeln können. Das erfordert viel Erfahrung und hohe Investitionen in modernste Technik", sagt Lederle. 2005 schaffte das Unternehmen seinen Angaben zufolge den Break-Even. Lederle mag jedoch nicht verhehlen, dass es aufgrund von Investitionen in dem ein oder anderen Jahr wieder einen Verlust gab.

Um den Bestellprozess der Onlineshops besser koordinieren zu können, wird die Logistik im Zentrallager in Gernsheim südlich von Frankfurt gebündelt. Der Standort wurde in den vergangenen Jahren von 26 500 auf 78 000 Quadratmeter ausgebaut - eine Fläche, die größer als sieben Fußballfelder ist. Auch die Mytoys.de-Tochter Limango, ein Shopping-Club im Internet, soll in das Multi-Shop-Konzept integriert werden. Zudem will Lederle zukünftig weitere Onlineshops gründen. Auch die Einbindung von externen Onlineshops - also solchen, die nicht zur Otto-Gruppe gehören - sei denkbar.


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