Böses Erwachen in der Provinz

Kommunen werben um Fashion Outlets. Doch Experten warnen.

Es ist ein erbitterter Kampf, der derzeit im sonst idyllischen Bergischen Land ausgefochten wird. Die Namen der Konkurrenten: Wuppertal und Remscheid.

In der hochverschuldeten Schwebebahnstadt Wuppertal in Nordrhein-Westfalen plant die Unternehmensgruppe Clees ein Factory-Outlet-Center direkt neben dem Hauptbahnhof, der derzeit eine riesige Baustelle ist. Die Investitionssumme liegt bei rund 120 Millionen Euro. Schon 2017 soll Eröffnung sein. Investor Alexander Clees jubelt: "Das hat positive Effekte für den Wuppertaler Einzelhandel." Die Stadt hofft auf dringend benötigte Gewerbesteuereinnahmen.  Zweifel an den Outlet-Plänen will im Rathaus niemand hören.

Nur eine 40-minütige Autofahrt entfernt, in Remscheid-Lennep, der gleiche Optimismus. Dort plant der Investor McArthur Glen ein Designer-Outlet-Center.  Auf gut 70 000 Quadratmetern vor den Toren der Altstadt sollen 125 Shops mit einer Verkaufsfläche von 20 000 Quadratmetern entstehen. Auch hier ist 2017 als Eröffnungsdatum anvisiert.

Die beiden Städte könnten ein böses Erwachen erleben. Denn das Potenzial für weitere Fashion Outlets in Deutschland ist begrenzt - und der Weg bis zu einer erfolgreichen Eröffnung lang und steinig. "In Deutschland wird es niemals eine Schwemme von Outlet-Centern geben. In den nächsten zehn Jahren werden wir höchstens fünf bis acht neue Center sehen", sagt Thomas Schrickel, Deutschlandchef des Betreibers Stable International. "Wer ein neues Center entwickeln will, braucht einen sehr langen Atem."

Schrickel weiß, wovon er redet. Am heutigen Freitag eröffnet Stable das Fashion Outlet in Montabaur. Acht Jahre lang hat er gekämpft, gegen immer neue Klagen von Nachbarkommunen wie Limburg. Und gegen Konkurrenzausschlussklauseln in den Mietverträgen anderer Outlet-Center. Erst im Frühjahr hat das Kartellamt auf Betreiben von Stable dem Wettbewerber Wertheim Village untersagt, mit der sogenannten Radiusklausel im Mietvertrag Markenherstellern zu verbieten, im Umkreis von 150 Kilometern weitere Outlets zu betreiben.

Mit dem neuen Fashion Outlet in Montabaur gibt es in Deutschland 14 Center.  Und Stable plant schon die Eröffnung eines weiteren in Leipzig. Manche davon, wie das Myland in Wadgassen im Saarland und die Style Outlets in Zweibrücken, liegen keine Autostunde voneinander entfernt. Dazu kommen grenznahe Center in den Niederlanden wie in Roermond und Maasmechelen in Belgien.

Die Konkurrenz ist hart - und der Kreis der Hersteller, die bereit sind, noch neue Outlets zu eröffnen ist nicht groß. "Von den rund 5 000 Marken, die theoretisch zur Verfügung ständen, sind in Deutschland nur etwa 300 Marken in Outlet-Centern zu finden", sagt Schrickel. "Und nicht jede Marke funktioniert an jedem Standort."

Immer mehr Marken gehen auf Distanz. "Factory Outlets sind für uns kein Teil der Absatzstrategie, sondern nur die letzte Möglichkeit, Restposten zu verkaufen", sagt Bastian Ammelounx, Deutschlandchef der Polosportmarke La Martina. Er will wieder Vertrauen im Einzelhandel aufbauen. Die Marke war vor einigen Jahren abgestürzt, auch weil das Vertriebsnetz überdehnt worden war.  Sehr vorsichtig gehen auch andere Marken mit dem Thema Outlet um. "Wir machen weniger als zehn Prozent unseres Umsatzes mit Outlets", erklärt Alexander Gedat, CEO von Marc O'Polo.

Gestartet als Fabrikverkauf, in dem B-Ware und Teile aus der Vorjahreskollektion verramscht wurden, hat sich der Vertrieb über Outlets bei vielen Firmen zum dritten Absatzkanal neben dem normalen und dem Onlinegeschäft gemausert. Adidas etwa betrieb Ende vergangenen Jahres 851 sogenannte Factory Outlets - überall, nur nicht in den tatsächlichen Fabriken in Fernost. Der Sportartikler erzielte damit 2014 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro, gut zehn Prozent von den gesamten Erlösen des Konzerns.

Doch das hat Folgen für die Gewinnmarge und für das Markenimage - nicht nur bei Adidas. Deswegen gibt es eine ganze Reihe von Sportmarken, die auf den Fabrikverkauf komplett verzichtet - auch aus Rücksicht gegenüber den Fachhändlern. Der bayerische Wanderschuh-Hersteller Meindl gehört genauso dazu wie die Outdoor-Marken Schöffel und Mammut. Oder der schwäbische Rucksack-Hersteller Deuter, der Marktführer hierzulande. "Wir haben kein Factory-Outlet", betont Sebastian Schwanhäußer, der Chef des Deuter-Eigentümers Schwan-Stabilo. Das zahle sich aus: "Wir verzeichnen überproportionales Wachstum."

Die Planer des Outlet-Centers Montabaur haben 75 Millionen in ihr neues Schnäppchenparadies investiert. Sie rechnen damit, dass Kunden zum direkt an der A3 und am ICE-Bahnhof gelegenen Center aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern anreisen, also auch aus Köln oder Frankfurt. Auf bis zu zwei Millionen Kunden hoffen die Markenshops - und der Investor, der United-Internet-Chef Ralph Dommermuth.

"Für viele Menschen ist das eine Freizeitbeschäftigung", sagt Stephan Schusser von der Unternehmensberatung Keylens. Das weiß auch Schrickel von Stable: "Wer nur nach dem Preis geht, kann auch im Internet kaufen."

Ein Rettungsanker für notleidende Städte wie Wuppertal und Remscheid sieht anders aus. "Da werden nur Kundenströme umgeleitet", warnt Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. "Das ist alles andere als nachhaltig."

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • GmbH-Insolvenz: Den Verkauf als Weg aus der Krise nutzen
    GmbH-Insolvenz, und nun?

    Statt eines langwierigen Sanierungsverfahrens bietet sich bei Insolvenz häufig der Verkauf des Unternehmens an. Was dabei zu beachten ist.

  • Franchise Awards 2019 verliehen
    Franchise Awards 2019: Die Gewinner

    Am 28. Mai 2019 wurden in Berlin im Rahmen des Franchise Forums die begehrten Auszeichnungen verliehen. Wer die Gewinner sind erfahren Sie hier.

  • Bester Franchisenehmer der Welt - jetzt Nominierung abgeben

    Nominieren Sie Ihre Franchisenehmer zum internationalen Award und präsentieren Sie Ihr Franchise-System und Ihre Marke auf internationaler Bühne.

  • Franchise Konzepte: Positive Stimmung in den Systemen
    Franchise Klima Index 2019

    Der Franchisemarkt boomt, die Stimmung ist gut. Das zeigt die neuste Erhebung des FKI. Zugleich treibt viele Franchise-Systeme um, wie sie schnell neue Mitarbeiter und Franchisepartner finden.

  • Unternehmensnachfolge im Fokus– „Turmgespräch des Mittelstands“
    "Turmgespräch des Mittelstands" in Düsseldorf

    Der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) lud rund 50 wirtschaftliche Entscheider, Politiker und Fachexperten ein um über die Herausforderungen und Lösungen der Nachfolgerproblematik zu diskutieren.

  • Finanzierungs-Alternative zur Hausbank - DUB.de
    Jenseits der Stange

    Joachim Haedke springt mit Finanzierung.com ein, wenn Banken bei der flexiblen Beschaffung von Liquidität für Unternehmen mauern.

  • Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg Teil II
    Teil II: Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg

    Der zweite Teil geht auf weitere für eine Vorbereitung wesentliche Punkte ein und fasst alle aufgezählten Schritte in einer Checkliste zusammen.

  • Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg
    Teil I: Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg

    Zu viele Unternehmerinnen und Unternehmer stellen sich der Herausforderung Unternehmensnachfolge zu spät. Eine gute Vorbereitung ist das A und 0.

  • FRANCHISE AWARDS 2019
    FRANCHISE AWARDS 2019

    In drei Kategorien messen sich insgesamt neun Franchisesysteme. Wer am Ende die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen darf entscheidet eine Fachjury.

  • Franchise Ideen: Was der Markt anbietet und was Sie wissen müssen
    Franchise Ideen: Was der Markt anbietet und was Sie wissen müssen

    Das passende System finden: Franchise Angebote gibt es viele, aber welche Franchise Idee ist die richtige?

  • Mobilitäts-Debatte- E-Scooter auf Gehwegen: Das sagen die Versicherer
    E-Scooter auf Gehwegen: Das sagen die Versicherer

    Die Bundesregierung entscheidet demnächst über die Zukunft der E-Scooter auf den Verkehrswegen. Viele Versicherer lehnen die neuen elektronischen Tretroller aber pauschal ab.

  • So gelingt das Change Management

    Neue Eigentümer bringen oft frische Ideen mit. Doch wer neue Strukturen und Prozesse integrieren will, muss ein paar Dinge beachten.

  • Auf Bewährtes aufbauen

    Franchise lohnt sich – besonders für die Nachfolger. DUB.de erklärt, was das System so attraktiv macht und worin die größte Herausforderung besteht.

  • Franchiseunternehmen verkaufen – So geht der Franchise Resale!
    Franchiseunternehmen verkaufen – So geht der Franchise Resale!

    Häufig werden in Franchise Verträgen auch Vorkaufsrechte festgeschrieben. Was bedeutet das nun im Falle eines gewünschten Weiterverkaufs?

  • con|cess M+A-Partner erhält den „Content Creator Award"
    con|cess M+A-Partner erhält den „Content Creator Award“

    Das Beraternetzwerk hat in der Kategorie: „Company Sales Facilitators of the Year 2019 – Germany“ den Award für seinen umfangreichen Content Marketing Ansatz erhalten.

  • Robert Gladis von der HALLESCHE
    „Benefit für Mitarbeiter“

    Jeder Versicherte sollte selbst auswählen können, welche bKV-Leistungen er in Anspruch nimmt. Dafür plädiert Robert Gladis von der HALLESCHE.

  • Steuerlich nutzbar: Durch eine Gesetzesänderung Ende 2018 werden Verluste bei einer Übertragung bis zu 50 Prozent nicht mehr gekürzt
    Das Minus nutzen

    Die Vorschrift zum anteiligen Verlustuntergang wurde Ende letzten Jahres gestrichen. Für Kapitalgesellschaften entstehen so neue Chancen, um ihre Verluste trotz Übertragung zu verrechnen.

  • Die digitale Transformation gelingt im Unternehmen nur im Miteinander
    „Mehr Empathie denn je“

    Die digitale Transformation gelingt im Unternehmen nur im Miteinander, postuliert Antje Leminsky, CEO beim Finanzierungsspezialisten GRENKE.

  • China hat sich zu einer der führenden wirtschaftlichen und technologischen Weltmacht entwickelt. Ex-Chefredakteur der „Die Zeit“ Theo Sommer erklärt, was der Aufstieg bedeutet.
    Chinas Aufstieg zum technologischen Vorreiter

    China hat sich zu einer der führenden wirtschaftlichen und technologischen Weltmacht entwickelt. Ex-Chefredakteur der „Die Zeit“ Theo Sommer erklärt, was der Aufstieg bedeutet.

  • Marc Simons von SIMONS & KOLLEGEN weiß, wie man sich für die richtige betriebliche Krankenversicherung entscheidet.
    „Passende Lösungen für die ganze Belegschaft“

    Die Entscheidung für die richtige betriebliche Krankenversicherung (bKV) fällt vielen Unternehmen nicht leicht. Marc Simons von SIMONS & KOLLEGEN weiß Rat.

  • Nur ein Bruchteil der deutschen Unternehmen hat einen Krankenzusatzschutz für seine Mitarbeiter abgeschlossen.
    Vorsorge im Doppelpack

    Nur ein Bruchteil der deutschen Unternehmen hat einen Krankenzusatzschutz für seine Mitarbeiter abgeschlossen. Dabei bietet die bKV viele Vorteile – für Betriebe wie Angestellte.

  • T-Systems-CEO Adel Al-Saleh über die Telematik-infrastruktur in der Gesundheitsbranche.
    „Deutschland hinkt noch hinterher“

    Die Telematik-infrastruktur ist das fehlende Bindeglied in der Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken und Krankenkassen, mahnt T-Systems-CEO Adel Al-Saleh.

  • Stephanie Renda kennt die Grenzen, an die Frauen stoßen.
    „Das einzige Mittel der Wahl“

    Courage: Als junge Mutter gründete Stephanie Renda 2008 ihr eigenes Unternehmen. Heute engagiert sie sich für die ganze Start-up-Szene. Sie kennt die Grenzen, an die Frauen stoßen.

  • Maria Moraeus Hanssen fordert Diversität in Unternehmen
    „Sagen Sie Ja zu neuen Chancen“

    Maria Moraeus Hanssen ist Vorstandsvorsitzende der DEA Deutsche Erdoel AG. Die Norwegerin fordert Diversität in Unternehmen – und das weit über die Geschlechterfrage hinaus.

  • Ines von Jagemann über die neuen Chancen für Frauen, in Führungspositionen zu kommen.
    „Lernen Sie, sich selbst zu schätzen“

    Ines von Jagemann, Geschäftsführerin Digital bei Tchibo, über Digital Leadership und die neuen Chancen für Frauen, in Führungspositionen zu kommen.

  • Verena Pausder will, dass unsere Kleinen einmal digital ganz groß werden.
    Die Zukunft beginnt genau jetzt

    Es könnte abgedroschen klingen, wäre es nicht so unwiderlegbar: Gründerin Verena Pausder will, dass unsere Kleinen einmal digital ganz groß werden.

  • Sarna Röster macht sich für den Nachwuchs stark – und glaubt nicht an die Frauenquote.
    „Gründergeist in die Schulen“

    Sarna Röster, die Nachfolgerin des Familienbetriebs Karl Röser & Sohn, macht sich für den Nachwuchs stark. Im Interview erklärt sie warum sie gegen eine Frauenquote ist.

  • Beate Oblau behauptete sich gegen zwei Männer in der Unternehmensspitze
    „Nur Kompetenz zählt“

    Neben zwei Männern behauptet sich Beate Oblau an der Spitze des Schreibgeräteherstellers Lamy. Sie spricht über die Digitalisierung der Marke und warum ihr Geschlecht irrelevant ist.

  • Prof. Sabina Jeschke über den Mobilfunkstandard 5G und ihre Arbeit als Ingenieurin
    „Digital Leader sein heißt Vielfalt fördern“

    Prof. Sabina Jeschke, Vorstand Digitalisierung und Technik der Deutschen Bahn, über den Mobilfunkstandard 5G und ihre Arbeit als Ingenieurin in einem klassischen Männerbereich.

  • Personalvorständin von EWE, Marion Rövekamp, über Diversity und Frauenförderung.
    „Netzwerken ist essenziell“

    Als Personalvorständin von EWE setzt sich Marion Rövekamp unter anderem für die Themen Diversity und Frauenförderung ein – auch, um damit drohendem Fachkräftemangel zu begegnen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser