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Von der Wall Street in die mütterliche Kaschmir-Welt

Eigentlich wollte Valentin von Arnim das Modelabel seiner Mutter Iris nie übernehmen. Dann kam alles anders und er kehrte der Finanzwelt in New York den Rücken. Heute arbeiten Mutter und Sohn gemeinsam sehr erfolgreich im Familienunternehmen.

Eigentlich wollte Valentin von Arnim das Modelabel seiner Mutter Iris nie übernehmen. Dann kam alles anders und er kehrte der Finanzwelt in New York den Rücken, Heute arbeiten Mutter und Sohn gemeinsam sehr erfolgreich im Familienunternehmen. Nach fast sieben Jahren ist Valentin von Arnim vollständig angekommen in der Firma seiner Mutter, Iris von Arnim. Er leitet das operative Geschäft des gleichnamigen Modelabels, die Designerin betreut noch die Kreativabteilung. Allerdings verläuft auch bis heute nicht immer alles reibungslos zwischen Mutter und Sohn. Lange war eine Zusammenarbeit auch gar keine Option, zumindest nicht für den heute 34-jährigen Valentin. „Wenn man als Junge nur zwischen Frauen, Kleidern und Designern aufwächst, will man nach der Schule erst mal weg“, sagt er. Das Abitur in der Tasche, zog es ihn zum Studium nach New York, um anschließend einige Jahre bei Goldman Sachs zu arbeiten. Weit weg von Strick, Kaschmir und der schönen Villa in Hamburg. „Hätte ich von Anfang an den Plan verfolgt, in die Firma meiner Mutter einzusteigen, wäre ich wahrscheinlich nicht an die Wall Street gegangen, sondern hätte für einen Luxuskonzern oder eine große Werbeagentur gearbeitet“, sagt Valentin von Arnim.

Karriere der "Kaschmir-Queen" 

Aufgewachsen bei der alleinerziehenden Mutter, erlebte Valentin deren Karriere in der Modewelt live mit. Die ersten Pullover, die von Arnim nach einem Autounfall im Krankenhaus strickte, fanden begeisterte Käuferinnen, Mitte der 70er-Jahre eröffnete sie dann ihren ersten Laden in München, einige Zeit später zog sie nach Hamburg. Sie war eine der ersten Modedesignerinnen, die Kaschmir nach Deutschland brachten. Für den Sohn der „Kaschmir-Queen“ war es nach einigen Jahren in den USA dann doch Zeit, über einen Einstieg ins mütterliche Unternehmen nachzudenken. „Sie hat mich nie unter Druck gesetzt, aber Ende 2005 rief sie mich in New York an und fragte ganz konkret, ob ich mir eine Mitarbeit vorstellen könnte. Sonst würde sie sich langsam nach Alternativen umschauen“, erzählt der ehemalige Banker. Da habe es „klick“ gemacht. Schließlich bekomme nicht jeder die Möglichkeit, ein eigenes, gesundes und erfolgreiches Unternehmen zu übernehmen und an der Weiterentwicklung mitzuwirken. „Ich habe Anfang 2006 meine Sachen gepackt und bin zurück nach Hamburg. Aber aller Anfang ist schwer“, sagt von Arnim. Beeindruckt war er trotzdem: Seine Mutter hatte das gesamte Unternehmen selbst finanziert, Schulden gab es keine.

Altes bewahren, neues probieren 

Schließlich war es so weit: Valentin hatte seinen ersten Arbeitstag im mütterlichen Unternehmen. Das Geschäft war fest in der Hand von Mutter Iris, die Arbeitsabläufe und Strukturen klar festgelegt – wie so oft in Unternehmen, die mit und dank einer einzelnen Person an der Spitze gewachsen sind. „Ich habe natürlich am Anfang auch Fehler gemacht, musste mich erst in die Materie einarbeiten. Aber mit der Zeit wurde ich im Modebereich sicher“, erzählt der 34-Jährige. Wenn Fehler passieren, zeige sich der Unterschied zwischen Mutter-Sohn- und Vater-Sohn-Beziehungen: „Ein Vater ist vielleicht direkter und härter. Eine Mutter eher emotionaler. Gerade meine Mutter, weil sie alleinerziehend war, fühlt sich direkt verantwortlich, wenn ich Fehler mache.“ Valentin von Arnim will den Erfolg des Unternehmens weiter ausbauen und auch mal neue Wege gehen – nicht immer ganz einfach, wenn zwei Generationen aufeinanderprallen. Ihm ist bewusst, dass er dabei das Herz der Marke bewahren muss, ohne in Stillstand zu verharren. „Wir haben vor einiger Zeit beschlossen, vom House Sale in Richtung Retail zu gehen – wir eröffnen also eigene Läden. Das hat schon eine Weile gedauert, meine Mutter davon zu überzeugen. Es birgt ja auch Risiken“, sagt der Hamburger. Hinzu kam die Idee vom Online-Shop. Obwohl die Designerin keinen Computer hat, ging diese Entscheidung dann doch ganz schnell. Ein weiterer Entwicklungsschritt und gleichzeitig ein Ergebnis des tiefen Vertrauens, das in dem Mutter-Sohn-Gespann besteht. Mit einem Elternteil zusammenzuarbeiten bedeutet auch, von ihm zu lernen. „Das ist bei mir ganz besonders das Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen meiner Mutter. Geht nicht gibt es nicht. Sie bohrt so lange nach, bis sie bekommt, was sie sich in den Kopf gesetzt hat“, berichtet Valentin von Arnim. Das sei wohl auch ein Fundament ihres Erfolgs. „Ich glaube, dass ich sehr viel von ihr lernen kann, sie aber auch von mir“, charakterisiert er das Mutter-Sohn- Verhältnis. Valentin hat sich rückblickend richtig entschieden: „Ich habe nicht bereut, dass ich vor sieben Jahren in das Unternehmen eingestiegen bin.“

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