Vordenker: Versicherung

Digitalisierung von Verträgen

Die R+V wird immer weiter digitalisiert. Komplexe Themen werden dennoch weiterhin von persönlichen Beratern erörtert.

Dr. Norbert Rollinger ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG.
Dr. Norbert Rollinger
ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG (Foto: PR)

Er nimmt sich Zeit, begrüßt Nachfragen, argumentiert mit Leidenschaft: Für Dr. Norbert Rollinger, Chef der R+V ­Versicherung, ist die Kombination aus digitaler und persönlicher Beratung eine Frage der Zukunftsfähigkeit. Wie seine Lösung ausssieht und warum die Lebensversicherung alles andere als abgemeldet ist, verrät er im Gespräch.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie haben jüngst das Digitalangebot für Ihre Kunden ausgebaut. Vor welchem Hintergrund?

Norbert Rollinger: Die Herausforderung ist, unser stark auf der persönlichen Beratung beruhendes Modell in die digitale Zukunft zu führen. Das tun wir als erfolgreichster Bankassurance-Versicherer Deutschlands aus einer Position der Stärke heraus. So haben wir zusammen mit dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken ein Omni-Kanal-Modell entwickelt. Der VR-Versicherungsmanager ist ein ganz wesentlicher Baustein, um den genossenschaftlichen Gedanken mit dem zu verbinden, was die Digitalisierung heute möglich macht. Damit wiederum wird die Beratung des Kunden deutlich besser vorbereitet.

Was konkret wird geboten? Auch die komplett digitale Beratung?

Rollinger: Selbstverständlich umfasst der VR-Versicherungsmanager schon heute auch Elemente einer Online-Beratung. Der Kunde kann im Rahmen dieser Lösung seinen Versicherungsbedarf einfach und dennoch systemisch selbst ermitteln. Er hat alle Verträge im Blick und kann vergleichen. Das trifft den Zeitgeist. Aber sobald es um etwas komplexere Themen geht, sollte auch eine persönliche Beratung stattfinden. Wir haben hier keinen Robo-Advisor geschaffen und sind sicher kein reiner Digitalversicherer, aber für simple Produkte wie vielleicht eine Handyversicherung funktioniert der Versicherungsmanager bereits komplett digital. Die Besonderheit unseres Modells liegt allerdings darin, dass der Kunde – wenn er sich unsicher oder überfordert fühlt – jederzeit die direkte Gesprächsoption hat. Das macht den Charme aus und ist gleichzeitig der Erfolgsmotor. Digitale Tools in Kombination mit qualifizierter perönlicher Beratung vor Ort kommen nach unseren Erkenntnissen dem Kundenwunsch am nächsten. Er entscheidet selbst welchen Zugang er zu uns sucht – nicht wir für ihn.

Reicht das, um im Wettbewerb die Kunden an sich zu binden?

Rollinger: Fakt ist: Wir müssen die Kunden heute mindestens so begeistern, wie es Amazon oder Google mit ihrer Unkompliziertheit und Bedienerfreundlichkeit schaffen. Hier können wir sicherlich noch zulegen. In Sachen Vertrauen und persönliche Beratung hingegen macht der genossenschaftlichen Gruppe niemand etwas vor.

Ihre Lösung ist Teil Ihrer Strategie „Wachstum durch Wandel.“ In welchen Bereichen transformieren Sie sich außerdem?

Rollinger: Diese Strategie hat für uns mehrere Dimensionen. Zum einen wollen wir weiterhin marktüberdurchschnittlich wachsen. Die genossenschaftliche Finanzgruppe hat mit den Volks- und Raiffeisenbanken 18,6 Millionen Mitglieder. Das sind die eigent­lichen Genossen und Inhaber unserer Gruppe. Dort gibt es noch großes Potenzial zu erschließen. Wir sind sicher, hier deutlich Marktanteile hinzugewinnen zu können. Zum anderen werden wir die Digitalisierung vorantreiben. Das heißt: Alles, was digitalisierbar ist, werden wir auch digitalisieren. Die eingangs beschriebene Weiterentwicklung des Vertriebs ist Teil davon.

Teil 1: Digitalisierung von Verträgen

Teil 2: Traditionsgeprägt Versicherer im Wandel

Teil3 : Wachstum in allen Bereichen