SMART COMPANY-Check

Interview: Thomas Wolf, Geschäftsführer, TechnologyMountains e.V.

Zum Unternehmen: Der Verein TechnologyMountains e. V. vernetzt branchenübergreifend Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Medizin-, Mikro- und Kunststofftechnik. Er zählt mehr als 290 Mitglieder.

Thomas Wolf, Geschäftsführer des TechnologyMountains e.V.

Thomas Wolf: Geschäftsführer des TechnologyMountains e.V. (Foto: PR).

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was ist Ihr erster Eindruck? War der Check hilfreich für Sie?

Thomas Wolf: Im Check steckten viele interessante Fragen, weil er nicht nur die momentanen Herausforderungen, sondern auch den aktuellen Stand des Unternehmens abbildet.

Welche Frage war für Sie persönlich am wichtigsten?

Wolf: Die Frage, die hängengeblieben ist, bezog sich darauf, wie wir Mitarbeiter über digitale Kanäle gewinnen, da das Thema Personalmangel und Fachkräftemangel sehr akut ist. Obwohl wir moderne Themen bespielen, sind wir noch zu sehr traditionell auf alten Kanälen unterwegs, im Sinne von Anzeigen schalten und so weiter. Da weiß ich noch nicht, inwieweit digitale Plattformen und Kanäle uns dabei helfen können, die Leute zu finden, die wir brauchen.

Leiten Sie konkrete Schritte aus diesen Erkenntnissen ab? Hatten Sie einen Aha-Effekt?

Wolf: Ein Aha-Erlebnis hatte ich bei der Frage, ob wir digitale Kanäle nutzen, um unsere Zielgruppe zu erreichen. Da kann ich ganz klar sagen: nein. Weil unsere Zielgruppe, der Mittelstand, sich da relativ wenig tummelt. Also es ist nicht so, dass unsere Kunden, Geschäftsführer, Produktionsleiter, FuE-Leiter mit dem Handy im Zug sitzen und anfangen mit uns zu korrespondieren oder wir Verbund- und Industrieprojekte auf Facebook posten. Wenn wir das machen würden, dann eben nur um zu signalisieren: Mensch, wir sind modern, hip und digital unterwegs. Das ist aber nicht unser primäres Ziel. Natürlich wollen wir gesehen werden, aber nur wenn es zweckmäßig und sinnhaft ist.

Sehen Sie sich und Ihre Mitarbeiter für die digitalen Herausforderungen gut aufgestellt?

Wolf: Wir sind gut organisiert, dadurch sehr schnell, flexibel und gehören dabei zu den größeren Netzwerken in Baden-Württemberg.

Sehen Sie die Digitalisierung eher als Herausforderung oder Chance?

Wolf: Beides gleichermaßen. Wenn ich diese Frage gestellt bekomme, vergleiche ich das so ein bisschen mit der Zeit, als das Internet in den Kinderschuhen steckte. Damals kamen die gleichen Diskussionen auf: Ist mein Job gefährdet? Was bringt das? Aber die Digitalisierung wird kommen, man hat keine Wahl. Dann lieber diese Entwicklung bewusst mitgestalten, aktiv an die Sache herangehen. Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Digitalisierung?

Wolf: Da haben wir jetzt ein anderes Problem und zwar, dass es eben keine einheitliche Begrifflichkeit darüber gibt, was denn eigentlich digitale Transformation und digitaler Wandel heißt. Manche Unternehmer sind der Meinung, dass sie nicht digitalisiert sind, obwohl sie es sind – und umgekehrt. Das liegt aber nicht an den Unternehmen, das liegt daran, dass es keine einheitliche Begriffsdefinition gibt und jeder etwas Anderes unter Digitalisierung versteht. Für manche reicht es schon, eine Homepage zu haben.

Würden Sie sagen, dass das Bewusstsein für Digitalisierung im Mittelstand angekommen ist?

Wolf: Auf jeden Fall. Ich finde es manchmal ein bisschen seltsam, wenn Vereine, Verbände und andere Akteure meinen, ihre Unternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren. Da denke ich mir oft: Die sind alle sensibilisiert, jeder weiß Bescheid. Man kann jetzt tatsächlich mal starten, Benchmark-Projekte zu definieren.

Wie wichtig ist Ihren Kunden der digitale Weg?

Wolf: Das ist eine sehr gute Frage, weil der Weg wird dann bestimmt, wenn ich weiß, wo ich bin und wo ich hinmöchte. Aber die Wenigsten wissen, wo sie eine Lücke haben und was überhaupt alles möglich ist. Persönlich bin ich der Meinung, dass man in einer Schicksalsgemeinschaft, einem Verbund, die Dinge viel schneller und viel sicherer für sich erschließt. Zum Beispiel wenn drei, vier Firmen zusammen eine Technologie weiterentwickeln. Der eine hat das entsprechende Testlabor, der andere Know-how, der nächste die finanziellen Mittel. Der Weg ist der Verbund, egal wohin der Weg geht, im Verbund ist es leichter, wie im Leben auch.

Wie bilden Sie sich persönlich und Ihre Mitarbeiter digital weiter?

Wolf: Unsere Weiterbildung ist unser Tagesgeschäft. Heute rede ich mit ein, zwei Medizintechnikern mit deren Spezifika, Problemen und Herausforderungen, morgen ist es vielleicht ein Maschinenbauer und so weiter. Die Weiterbildung passiert quasi am offenen Herzen. Wenn man so viele Firmen in so unterschiedlichen Branchen und Größen hat, kommt es nicht auf ein spezifisches Fachwissen an, sondern auf die Methode, Probleme zu lösen.

Wie weit sehen Sie die Rahmenbedingungen für den digitalen Wandel gegeben?

Wolf: Die Sterne stehen günstig, man bekommt sehr viele Fördermittel, auch für digitale Projekte. Jeder ist sensibilisiert, jeder weiß, er muss etwas tun. Was uns in der Sache einen Strich durch die Rechnung macht, ist die Konjunktur. Wenn es dem Unternehmen gut geht, dann liegt der Fokus meist auf anderen Dingen. Eine Anekdote dazu: Ich habe mich mit einem Zerspaner unterhalten und ihm nahe gelegt, seine Homepage zu verbessern. Daraufhin meinte er, er kann die Homepage auch abschalten, weil die Auftragsbücher bis 2022 gefüllt sind. Er muss Aufträge abgeben, da kann er nicht über Digitalisierung sinnieren, er hat ein Ressourcenproblem.

Ergreifen Sie in Ihrer Firma konkrete Digitalisierungsmaßnahmen?

Wolf: Unser Klientel kommt schwerpunktmäßig aus drei Branchen: Medizin-, Mikro- und Kunststofftechnik. Diese drei Technologien sind in unserer Region historisch gewachsen. Wir haben daher für uns zwei Leitthemen für die nächsten Jahre definiert. Das ist zum einen Digitalisierung und zum anderen Automotive. In den Bereichen werden wir uns auch personell breiter aufstellen. So gibt es beispielsweise Digitalisierungssprechtage für unsere Mitgliedsunternehmen oder auch Exkursionen, Kongresse und Seminare, die auf Information und Weiterbildung im Bereich Digitalisierung abzielen.

Hat Ihnen der Check etwas gebracht?

Wolf: Ja, eben durch den Hinweis, dass man Personal auf eine andere Art und Weise suchen könnte als wir es jetzt tun.

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