Es fehlt an agilem Vorgehen

„Digitalisierung muss Chef-Thema werden”

Kostensenkung steht vielfach bei deutschen Unternehmen im Fokus digitaler Transformation, sagt Ursula Morgenstern, CEO Atos Deutschland. Dies sei eine Fehlentwicklung.

Ursula Morgenstern kam 2002 zu Atos und ist seit März 2018 CEO von Atos Deutschland
Ursula Morgenstern
kam 2002 zu Atos und ist seit März 2018 CEO von Atos Deutschland (Foto: PR)

Atos-Deutschland-Chefin Ursula Morgenstern mahnt, dass deutsche Unternehmer bei Innovationen weltweit hinterherhinken. Anstatt nur durch Effizienzsteigerung Kosten zu senken, sollten sie agil arbeiten und neue Geschäftsfelder erschließen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wie schätzen Sie den Grad der digitalen Transformation in Deutschland ein – im Vergleich mit den europäischen Nachbarländern?

Ursula Morgenstern: Ich habe 20 Jahre in Großbritannien gelebt, mein Eindruck ist: Das Land ist weit voraus, es wird mehr investiert und mehr ausprobiert. Dieses agile Vorgehen fehlt in Deutschland. Hier verlässt man sich auf Standardisierungen, Zertifizierungen und strebt ganzheitliche Lösungen an. Das verlangsamt den Innovationsprozess sehr.

Wie beurteilen Sie die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen bei der digitalen Transformation?

Morgenstern: Sei es WhatsApp oder Facebook – deutsche Konsumenten nutzen digitale Angebote genau wie die Briten und bedienen sich dabei amerikanischer Techniken. Es gibt kaum deutsche Vorreiter. Die hiesige Industrie hinkt der in den USA hinterher. Im Vergleich zu anderen Europäern steht Deutschland wiederum gut da. Wenn in Deutschland investiert wird, dann um die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken, nicht um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Es gibt natürlich auch Vorbilder wie Zalando.

Was müssen Unternehmen tun, um bei der digitalen Transformation vorn dabei zu sein?

Morgenstern: Die Digitalisierung muss Chef-Thema werden. Technologie- und Businesswissen müssen zusammengehen. Technologie findet nicht mehr im Back-Office statt, als Finanz- oder HR-System, sondern wird in die Produkte integriert und soll neue Geschäfte generieren. Es ist zwingend notwendig, dass der CEO die Technologie und der CIO das Geschäft versteht.

Sie sind zwar erst seit Kurzem wieder in Deutschland, aber können Sie schon sagen, wo Sie hierzulande den größten Nachholbedarf bei der Digitalisierung sehen?

Morgenstern: Ich habe den Eindruck, dass es großen Nachholbedarf für die Industrie gibt beispielsweise bei der Vorhersage künftiger Nachfrage. Das ist für Deutschland als Exportland natürlich extrem wichtig. Mir persönlich ist der Unterschied im öffentlichen Dienst am stärksten aufgefallen, bei der Diskussion um ein zukünftiges Bürgerportal. In Großbritannien bin ich seit Jahren mit meiner ID, also meiner Ausweisnummer, registriert und kann zahlreiche Dienste in Anspruch nehmen.

Teil 1: „Digitalisierung muss Chef-Thema werden” 

Teil 2: Mehr Bildung für Cybersecurity und das Internet der Dinge

Teil 3: Digital Workplace und Diversity

Teil 4: Mit Selbstbewusstsein zur Führungsposition

 

 

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