Mobilität für Metropolen

Sicherheit hat oberste Priorität

Alexander Zosel, Chief Innovation Officer von Volocopter, entwickelt Lufttaxis für den autonomen Luftverkehr in Großstädten.

Alexander Zosel ist Unternehmer und Bauingenieur ist Co-Founder und Chief Innovation Officer bei Volocopter
Alexander Zosel:
Der Karlsruher Unternehmer und Bauingenieur ist Co-Founder und Chief Innovation Officer bei Volocopter (Foto: PR)

Volocopter zählt zu den Vorreitern und Treibern im Bereich Flugtaxis. Das Unternehmen wurde 2017 mit einem 25-Millionen-Euro-Investment bedacht. Unter den Investoren: Daimler und Intel. Co-Gründer und CIO Alexander Zosel will bei der Weiterentwicklung auf einen Mix aus eigenen Lösungsansätzen und dem Verständnis seiner Nutzer setzen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wie schätzen Sie den zeitnahen Einsatz von Flugtaxis in den Industrienationen ein?

Alexander Zosel: Der Einsatz von Flugtaxis ist dort am realistischsten, wo sie gebraucht werden, weil die Mobilität auf den Straßen zu kollabieren droht, aber auch in solchen Ländern, die beim technischen Fortschritt ganz vorne mit dabei sein wollen. Es gibt Staaten, in denen entsprechende Gesetze schneller verabschiedet werden können als in anderen. Sicherheit ist aber der wichtigste Aspekt. In welchem Land die erste Strecke eröffnet wird, hängt also auch von der Zusammenarbeit der verschiedenen Player ab, von den jeweiligen Behörden und natürlich von der Akzeptanz der Menschen für diese neue Technologie.

Ein Problem scheint es laut Bundesverkehrsministerium und Deutscher Flugsicherung zu sein, den unteren Luftraum in den Griff zu bekommen. Wie fällt Ihre Einschätzung der Sachlage aus?

Zosel: Es ist entscheidend, dass der untere Luftraum gut reguliert ist. Alle Teilnehmer, von Paketdrohnen über Rettungshubschrauber bis zu Lufttaxis, müssen sich an klare Regeln halten und gut miteinander kommunizieren. Nur so kann das System sicher sein. Es gibt viele Unternehmen und Institutionen weltweit, die genau an dieser Thematik arbeiten. Einige davon sind unsere Partner, mit denen wir unsere ersten Strecken auch aufbauen wollen. Oberste Priorität hat die Sicherheit – sowohl für die Passagiere als auch für die Menschen am Boden.

Lassen sich Innovationen per System verordnen? Wie fördern Sie Innovationsgeist in Ihren Teams?

Zosel: Innovationen lassen sich nur sehr schwer verordnen. Vielmehr muss ein Arbeitsklima geschaffen werden, das Innovationen ermöglicht und den nötigen Freiraum bietet, Neues auszuprobieren. Bei uns fördern wir dies zum einen dadurch, dass wir jeden Mitarbeiter anhalten, neue Ideen anzusprechen, zudem geben wir ihnen die Möglichkeit, diese Ideen auszuprobieren. Außerdem gibt es bei uns regelmäßig Tech-Talks. Darin gewähren Mitarbeiter dem gesamten Team Einblicke in ihre Arbeitsbereiche und die Hintergründe. So fördern wir innovative Lösungsansätze sowie bereichsübergreifendes Denken.

Autonome Lufttaxis weltweit anbieten

Welchen Stellenwert räumen Sie dem autonomen Fliegen für die Zukunft ein?

Zosel: Unser Ziel ist es, autonome Lufttaxis als Service weltweit in den Megastädten anzubieten. Autonomie ist dabei wichtig, weil sie viel sicherer als ein pilotengesteuertes Fluggerät ist. Unsere Lufttaxis werden in Zukunft die Mobilität in den Großstädten dieser Welt ergänzen. Volocopter werden die klassische Infrastruktur nicht ersetzen, sondern ein Teil der Lösung für das beständig wachsende Verkehrsproblem sein.
 

Welche Rolle spielt User Experience für Sie?

Zosel: Noch sind wir nicht in Kontakt mit dem Endkunden. Aber User Experience ist heutzutage wesentlich für den Erfolg von Produkten. Der Volocopter wird immer weiter verbessert. Dafür haben wir den besten technischen Einblick, aber was die Nutzung angeht, haben unsere User das beste Verständnis. Darauf werden wir selbstverständlich hören.

Volocopter hat sein Pilotprojekt in Dubai gestartet. In welchem Land ist der tatsächliche Einsatz momentan realistischer?

Zosel: Der Einsatz von Flugtaxis ist dort am realistischsten, wo Flugtaxis wirklich gebraucht werden, weil die Mobilität auf den Straßen zu kollabieren droht, aber auch in solchen Ländern, die beim technischen Fortschritt ganz vorne mit dabei sein wollen. Es gibt Länder, in denen Gesetzgebungen schneller geschaffen werden können als in anderen, aber in allen ist die Sicherheit der wichtigste Aspekt. In welchem Land die erste Strecke eröffnet hängt insgesamt auch von der Zusammenarbeit der verschiedenen Player, den jeweiligen Behörden und natürlich von der Akzeptanz der Menschen für diese neue Technologie ab.

Deutschland als Ingenieursstandort durchaus wettbewerbsfähig

Unter Führung von Annegret Kramp-Karrenbauer wollen Politiker Künstliche Intelligenz gemeinsam mit Frankreich erforschen. „Deutschland und Frankreich müssen insbesondere auch Innovationsmotor sein und werden dies in Vorhaben wie der Erforschung von künstlicher Intelligenz unter Beweis stellen,“ heißt es im Koalitionsvertrag der regierenden Parteien. Wie kommt Ihnen dieses Vorhaben entgegen, welche Weichen muss die Politik konkret stellen?

Zosel: Die Künstliche Intelligenz ist ein für uns interessantes Thema, welches wir zurzeit nah betrachten und verfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist es keine Technologie, die im Volocopter verbaut ist.
KI ist eine zukunftweisende Technologie und alles was in diese Richtung geht und den Horizont der Möglichkeiten daran zu forschen erweitert ist super. Nur so können wir als Land weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.
 

Die Idee für den Volocopter wurde anfangs per Crowdfunding finanziert. Sie haben letztes Jahr 25 Millionen Euro, unter anderem von Daimler erhalten. Damit verbunden ist immer auch ein gehöriger Erfolgsdruck. Wie sieht Ihre langfristige Strategie etwa für die nächsten fünf Jahre aus?

Zosel: Wir werden innerhalb der nächsten fünf Jahre eine erste kommerzielle Lufttaxi Strecke aufbauen.

Laut dem „Tech Trends Report 2018“ des US-amerikanischen Future Today Instituts ist China das Land, welches die digitale Transformation der Wirtschaft am stärksten vorantreibt. Wo steht Deutschland im Vergleich?

Zosel: Das mag in einigen Bereichen durchaus so sein, ist bei autonomen Flugtaxi, wie wir sie bei Volocopter entwickeln allerdings nicht der Fall. Volocopter ist weltweilt führend bei der Entwicklung von Flugtaxis und stark in Deutschland verwurzelt. Wir sind Pioniere in dem Feld und waren die Ersten, die es geschafft haben, dass ein Mensch mit einem elektrisch angetriebenem senkrechtstartenden Multikopter abhebt. Deutschland als Ingenieursstandort und wir mit unserem Drang zum Perfektionismus sind durchaus wettbewerbsfähig.

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