Hamburg, 13.03.2017

Teil 2: Verändern und weiterentwickeln

Birte Hackenjos: Seit 1997 arbeitet die Volljuristin in der Haufe Gruppe. Seit 2013 ist sie Chief Operating Officer und Mitglied der Holding-Geschäftsführung 

 

Inwieweit bringen deutsche Hochschulen in ausreichendem Maß Top- Nachwuchskräfte hervor, die eine Transformation von Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups digitale Impulse setzen können?

Hackenjos: Mir sind zahlreiche junge Leute bekannt, die mit spannenden Ideen Unternehmen gründen, viel Engagement mitbringen und über ein exzellentes, teilweise hochspezialisiertes Wissen verfügen, viele von ihnen auch als Ausgründungen aus Hochschulen. Wenn es in bestehenden (Traditions-)Unternehmen an Geschwindigkeit und Knowhow mangelt, um Veränderungen voranzutreiben, liegt es oft eher an der Kultur, dem Umfeld oder den Managern als an Nachwuchskräften. Um die Topleute muss ein Unternehmen werben, und sich vor allem auch wirklich verändern wollen. Generell gibt es natürlich einige Fachrichtungen von denen wir deutlich mehr gute Leute benötigen zum Beispiel exzellente Entwicklerinnen und Entwickler. Insbesondere die Frauen sind in diesen Bereichen in Deutschland noch immer unterrepräsentiert. Da würden wir uns seitens der Bildungsinstitute verstärkt Bemühungen wünschen. Wir merken aber auch, dass wir bei der Rekrutierung nicht nur auf deutsche Hochschulen schauen können, die Suche nach diesen Topleuten ist längst international geworden.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?

Hackenjos: Was die Haufe Gruppe schon seit Jahren beschäftigt, ist die Erweiterung respektive Veränderung der Produkte hin zu cloud-basierten Lösungen. Hierzu zählen auch begleitende Services und neue, integrierte Technologien. Besonders interessant und relevant sind die Möglichkeiten, die sich durch künstliche Intelligenz – Stichwort Automation – eröffnen. Wir wollen unsere Kunden bei ihrer Arbeit optimal unterstützen, also bieten wir ihnen neueste Standards, wie wir es beispielsweise bei der Online-Unternehmenslösung lexoffice bereits tun. Dies ist nicht nur eine „normale“ Online-Lösung. Dank eines Partner-Programms gibt es viele neue Integrationen und Services. Und dank Automation müssen unsere Kunden kein Fachwissen mehr bzgl. der Buchhaltung haben. Vieles übernimmt das Produkt auf Basis von selbstlernenden Systemen. Und unseren Entwicklungspartnern, oft auch jungen Start Ups, bieten wir gleichzeitig eine tolle Plattform.

Welches sind die größten Triebfedern der Transformation in Ihrem Unternehmen?

Hackenjos: Die Kunden sind für uns die größte Triebfeder und Maßstab für unsere Strategiefindung. Sie geben vor, was sie brauchen. Und aus diesem Lösungsdenken heraus entwickeln wir zielgruppen-spezifische Maßnahmen und helfen Kunden dabei, erfolgreich zu sein. Das heißt für uns: Innovation muss täglich an jedem Arbeitsplatz stattfinden. Wir öffnen uns für neue Entwicklungen und sind so nicht nur ein Teil, sondern Mitgestalter der digitalen Transformation.

Wie begegnet Ihr Unternehmen zweifelnden Mitarbeitern, um diese für die Digitalisierung zu befähigen und zu motivieren? Welche systemischen Widerstände gilt es zu überwinden?

Hackenjos: Wir beziehen unsere Mitarbeiter aktiv mit ein, um sie durch Informationsfluss und Integration für unsere Sache zu gewinnen. Zudem hat sich die Rolle der Führungskräfte in unserem Unternehmen grundsätzlich gewandelt: Wir erwarten nicht, dass Führungskräfte als „Pfleger“ für die „Tiger im Käfig“ auftreten, sondern dass sie jedem einzelnen individuell dabei helfen, eigenständig für sich zu sorgen. Das war zu Beginn nicht einfach, denn sowie Vorgesetzte als auch Mitarbeiter litten unter dem Widerspruch bekannter hierarchischer Führungsstile und neuer agiler Arbeitsweisen. Es dauerte seine Zeit, bis die neuen Methoden verinnerlicht waren und aktiv gelebt werden konnten. Und dieser Prozess ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Ein offener Umgang mit diesem Wandel und mit internen Veranstaltungsformaten, konnten wir die Motivation und das Engagement bei den Mitarbeitern steigern und den Weg der digitalen Transformation erfolgreich weitergehen.

Welchen digitalen Fußabdruck möchten Sie setzen – welches Digitalprojekt schieben Sie persönlich an?

Hackenjos: Auf meine individuelle Einzelleistung kommt es in erster Linie nicht an. Zu Erfolg führen immer eine Teamleistung und das Bündeln von Stärken unterschiedlicher Persönlichkeiten und Charaktere. Wenn es meinen Kollegen und mir im Management gelingt, im Unternehmen den richtigen Rahmen zu setzen, haben wir für unser Haus schon einiges bewegt. In Zeiten der digitalen Transformation gilt insbesondere, dass wir unsere Organisation fit für die Zukunft machen. Nur dann können wir weiterbestehen, Projekte bewältigen und Produkte schaffen, die auch künftig beim Kunden eine dauerhaft wichtige Rolle spielen werden.

Teil 1: Verändern und weiterentwickeln

Teil 2: Verändern und weiterentwickeln

Teil 3: Verändern und weiterentwickeln

 

 

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