Hamburg, 13.03.2017

Verändern und weiterentwickeln

Birte Hackenjos, Geschäftsführerin der Haufe Gruppe, über die Mitgestaltung der digitalen Transformation.

Transformiert: Die Haufe Gruppe erwirtschaftet fast den gesamten Umsatz mit digitalen Produkten (Bild: Niklas Hughes)

 

Früher Fachverlag, heute digitales Medienunternehmen – die Haufe Gruppe erwirtschaftet fast den gesamten Umsatz mit digitalen Produkten.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland haben technologischer Wandel und Innovation in der Regel eher evolutionär und nicht revolutionär stattgefunden: peu à peu wurden und werden Produkte günstiger, effizienter und besser. Ist ein solch deutscher Weg der Digitalisierung zukunftsfähig oder sind wir zu wenig disruptiv?

Birte Hackenjos: Die Debatte um Digitalisierung und Disruption wird in meinen Augen zu sehr auf der Ebene von Schlagworten und Verallgemeinerungen geführt. Klar ist, dass eine Veränderung immer von verschiedenen Faktoren abhängig ist: gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen. Fakt ist: Wir Unternehmer müssen jetzt die richtigen strategischen Entscheidungen treffen, damit wir innovativ bleiben und mit der Digitalisierung zum Wirtschaftswachstum beitragen können. Dennoch: eine pauschale Antwort, die für alle Unternehmen gilt, gibt es nicht. Das macht die Sache ja so spannend, aber auch so kniffelig. Es ist für jeden verantwortungsvollen Manager eine Pflichtaufgabe, sich mit den Themen rund um die technologischen digitalen Veränderungen und Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Die strategischen Optionen müssen durchdacht, diskutiert, entschieden und umgesetzt werden. Für den einen kann es in Bezug auf die Digitalisierung sinnvoll sein, eher schrittweise und nicht an der innovativen Spitze agierend vorzugehen, für den anderen sollte radikal und schnell ausprobiert und verändert werden. Wichtig ist: Wir dürfen den Anschluss nicht verpassen. Und dafür müssen wir uns intensiv mit der digitalen Transformation beschäftigen. Das ist nicht einfach, denn das heißt, dass wir viele alte Prozesse vergessen und neu (er)lernen müssen. Hier sollte jedes Unternehmen investieren. Und dieser Prozess muss, wenn er nicht schon begonnen wurde, jetzt starten. Das ist, wenn das Alltagsgeschäft und volle Auftragsbücher vermeintlich Vorrang haben, nicht einfach. Und sicher kann das eine oder andere Unternehmen diesbezüglich eine Portion mehr Radikalität gut vertragen.

Wie können wir unsere Systeme stärken, um die steigenden IT- Risiken in einer digitalisierten Gesellschaft, etwa durch Betriebsspionage, Hacker-Attacken oder Negativkampagnen, abzuwehren? Inwieweit können deutsche Unternehmen in diesem Umfeld eine führende Rolle einnehmen?

Hackenjos: Durch die zunehmende Anzahl von Hackerangriffen werden nach aktuellen Umfragen Cybervorfälle als eines der größten Geschäftsrisiken identifiziert. Die wachsende Digitalisierung und Verzahnung von Lieferketten birgt erhebliche Risiken für den Schutz der Daten und die Fortführung der Betriebsabläufe, die es zu schützen gilt. Dazu muss ein angemessenes Information Security Management System aufgebaut werden, um die notwendige Transparenz über die bestehenden Risiken zu schaffen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen zur Prävention, aber auch zur Erkennung und Behandlung von Vorfällen. Eine regelmäßige Prüfung der Systeme sowie der Wirksamkeit der Maßnahmen, schafft die notwendige Sicherheit und ermöglicht eine stetige Anpassung an ein sich rasch änderndes Umfeld. Dies schafft Transparenz und Vertrauen in einen angemessenen Schutz der Daten – Werte die für eine führende Rolle und die Nutzung von Chancen ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen werden.

In den USA und Asien werden ohne viele Einschränkungen Benutzerdaten gesammelt und verwertet, in Europa gibt es die „Charta der digitalen Grundrechte“ für Datenschutz und Privatsphäre. Wie lassen sich die hiesigen Rahmenbedingungen als Vorteil nutzen?

Hackenjos: Die Debatte um Datenschutz und Privatsphäre intensiv und in unterschiedlichen Kreisen zu führen ist notwendig und wird uns in den nächsten Jahren begleiten müssen. Für die Haufe Gruppe sind die strengen und ja durchaus sinnvollen Anforderungen der deutschen und europäischen Gesetze im Privacy-Bereich der Maßstab, an dem wir uns messen lassen und der für unsere Zielgruppen sehr wichtig ist. Und wir wissen, dass die Rahmenbedingungen, die in Deutschland gelten, für viele Unternehmen vertrauensbildend sind.

Welche Wege und Strategien sind erforderlich, um das Gros der Gesellschaft an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren zu lassen und niemanden auszuschließen?

Hackenjos: Es sind zum einen die ganz neuen Arbeitsumfelder und Arbeitsplätze, die durch die Digitalisierung entstehen. Das wird unsere Gesellschaft und einige Berufsbilder noch völlig umkrempeln. Hier werden Unternehmen und Politik gut zusammenarbeiten müssen, um das Gros der Gesellschaft entsprechend abzuholen und einzugliedern. Ich denke hier gerade an die weniger digital-affine Personen, wie zum Beispiel ältere Generationen. Sie dürfen wir hierbei nicht verlieren, sondern wir müssen sie mitnehmen. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe für uns Unternehmer. Zum anderen kann ebenfalls die Politik einen großen Beitrag leisten: durch Schaffung und Optimierung eines wirtschaftsfreundlichen, innovationsfördernden Umfelds. Um ein einzelnes konkretes Thema anzusprechen: Erforderlich ist die Versorgung auch ländlicher Gegenden mit leistungsfähigen Netzen und Breitbandanschlüssen.

Teil 1: Verändern und weiterentwickeln

Teil 2: Verändern und weiterentwickeln

Teil 3: Verändern und weiterentwickeln

 

 

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