Top-Athlet – und dann?

Frühere Spitzensportler und Personalverantwortliche der Deutschen Bank diskutierten in Frankfurt am Main beim DUB-Talk der Praktikantenbörse über die Herausforderungen der dualen Karriere.
Sportsgeist: Mit Disziplin und Ehrgeiz zur dualen Karriere (Bild: abdulsatarid/fotolia)

Was muss passieren, damit mehr Top-Athleten nach der Sportkarriere ihren Weg ins Top-Management finden? Diese und weitere Fragen standen beim DUB-Talk der Praktikantenbörse auf der Agenda. Eingeladen hatten die Deutsche Bank, die Stiftung Deutsche Sporthilfe und die Deutsche Unternehmerbörse. Am runden Tisch saßen der erfolgreichste deutsche Schwimmer Thomas Lurz, die Ruder-Legende Kathrin Boron-Kölm, Anke Kirn, Head of Workforce Capability Germany der Deutschen Bank, und Johannes Kaiser, ehemaliger Radsportler und Vice President Institutional Client Group Global Markets der Deutschen Bank.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Frau Boron-Kölm, Sie gewannen in Ihrer aktiven Zeit viermal olympisches Gold, machten eine Ausbildung bei der Deutschen Bank und arbeiteten dort viele Jahre mit Erfolg. Wie gelang dieser Spagat?
Kathrin Boron-Kölm:
Ich wollte immer ein zweites Standbein haben. Damals habe ich mich bei verschiedenen Banken beworben und hatte Glück, dass der Filialleiter der Deutschen Bank in Potsdam unterstützte, was ich machte. Heute erwarten Führungskräfte häufig, dass Sportler trotz der doppelten Belastung zu 100 Prozent Leistung bringen – das funktioniert einfach nicht! An diesem Bewusstsein müssen die Unternehmen arbeiten.
Kathrin Boron-Kölm, Förderabteilung Deutsche Sporthilfe: Die vierfache Olympiasiegerin im Rudern machte wahrend ihrer aktiven Zeit eine Ausbildung bei der Deutschen Bank (Foto: Harry Traenkner)

Gelten bei der Deutschen Bank für Spitzensportler die gleichen Bedingungen wie für andere Bewerber, Frau Kirn?
Anke Kirn:
Wir setzen schon gewisse Maßstäbe – schließlich bringt es beiden Seiten nichts, jemanden auszubilden, der am Ende die Prüfung nicht schafft. Allerdings schauen wir auch auf die Persönlichkeit – und da ist sportliches Engagement auf jeden Fall ein Pluspunkt.

Studien zufolge haben Sportler besondere Stärken, von denen die Wirtschaft profitiert.
Kirn:
Ich finde nicht, dass man das so pauschal sagen kann. Die Anforderungen an Spitzensportler und Führungskräfte haben durchaus Parallelen im Bereich Disziplin und Zielstrebigkeit, aber die Rahmenbedingungen unterscheiden sich dennoch. Spitzensportler agieren in einem konkreten Rahmen mit klaren Vorgaben, wobei Führungskräfte häufig in unsicheren Situationen agieren und entschei­den müssen.
Johannes Kaiser:
Das sehe ich etwas anders. Wenn ich zum Beispiel lange für ein Rennen trainiert habe und am Tag X wegen einer Grippe nicht starten konnte, war alles Training umsonst. Dennoch habe ich weitergemacht. Heute hilft mir diese Erfahrung dabei, in einem schwierigen Marktumfeld zu arbeiten und auch mal Aufgaben zu erledigen, die vielleicht nicht so „sexy“ sind. Eine Fähigkeit, die einige unserer Praktikanten trotz Elite-Ausbildung leider nicht mitbringen.

Johannes Kaiser, Vice President Institutional Client Group Global Markets, Deutsche Bank: Der ehemalige Sportler hängte mit Anfang 20 das Rennrad an den Nagel (Foto: Harry Traenkner)

Teil 1: Top-Athlet – und dann?
Teil 2: „Trainer sind ausschlaggebend für die duale Karriere“

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