Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Firmenkiller Ehe-Aus

Trennen sich Partner, belastet das auch die gemeinsamen Finanzen. Für Unternehmer können die finanziellen Folgen existenzbedrohend sein. Mit dem richtigen Know-how lässt sich das Schlimmste verhindern.

Ein Geheimtipp ist „Blocks Post“ im oberbayerischen Krün schon lange nicht mehr. Die Mischung aus moderner und klassischer regionaler Küche erfreut sich auch außerhalb des Karwendelgebirges großer Beliebtheit. Vor knapp vier Jahrzehnten hatte Josef „Sepp“ Block den Betrieb gemeinsam mit seiner Mutter erworben. Das in Teilen 500 Jahre alte Haus diente schon König Ludwig II. als Station bei seinen Bergtouren. „Hier wurde immer viel gefeiert“, erzählt der 57-jährige Gastwirt. „In guten Zeiten wurden bis zu 500 Hektoliter Bier im Jahr ausgeschenkt. Das sind immerhin 100.000 Halbe im Jahr. Ein stattliches Ergebnis für einen Dorfgasthof.“

Rosenkrieg in den Alpen

Doch Block erlebte auch schlechte Zeiten in der ehemaligen Post. Einen herben Schicksalsschlag musste er nach der Scheidungsklage durch seine Ex-Frau im Jahr 2001 verkraften. Fast drei Jahre dauerte die Auseinandersetzung der früheren Eheleute. Besonders dramatisch sollte sich auswirken, dass der Gastwirt einen Großteil des Ersparten während der Ehe nach und nach in Aktien investiert hatte. Über mehrere Jahre kaufte und verkaufte der dreifache Familienvater riskante Papiere und konnte stattliche Kursgewinne verbuchen. „1998 war ich Millionär“, erinnert er sich. „Aber nur auf dem Papier.“ Als im September 2001 die Kurse massiv in den Keller rutschten, geriet die Scheidung zur finanziellen Katastrophe: Denn das hohe Depot war die rechnerische Basis für den auf die Trennung folgenden Zugewinnausgleich. Es folgten schwierige Jahre, die Block und seine Söhne zusammenschweißten. Gemeinsam renovierten sie den denkmalgeschützten alten Bauernhof von Grund auf. Mehr als drei Jahre bauten sie in Eigenleistung alles um. „Ich kenne in diesem Haus jeden Stein. So etwas gibt man nicht einfach auf“, sagt Block. Eine nachhaltige Investition – „Blocks Post“ läuft auch heute äußerst erfolgreich.

Risiko Zugewinngemeinschaft

Schwere Zeiten nach einer Trennung oder Scheidung sind kein unbekanntes Phänomen. Insbesondere für Unternehmer wie Block. Problematisch kann die Auseinandersetzung um gemeinschaftliche Vermögensgegenstände dann werden, wenn ein gemeinsamer Betrieb auf dem Spiel steht. Ist vertraglich nichts anderes vereinbart, wird der Zugewinn – also das gemeinsam erwirtschaftete Vermögen – hälftig aufgeteilt. Dazu gehören nicht nur gemeinsame Immobilien oder das Wertpapierdepot, sondern auch ein unternehmerischer Betrieb und Beteiligungen. Zudem ist der Wert des Unternehmens meist umstritten, sodass nicht selten mehrere Sachverständigengutachten zur Beurteilung herangezogen werden müssen. Oftmals drohen sogar Verkauf oder gar Versteigerung der Immobilien.

„Müssen Wertgegenstände im Rahmen des Zugewinnausgleichs zu einem festen Zeitpunkt unter den Ex-Ehepartnern ausgeglichen werden, können ungeplante, hohe Zahlungen selbst einem florierenden Betrieb massive Probleme bereiten“, sagt der renommierte Münchner Experte für Familien- und Erbrecht, Jürgen Bestelmeyer. Geht die Ehe schief, drohen Zahlungen zur Unzeit. „Hilfreich ist daher grundsätzlich eine ehevertragliche Vereinbarung, die privates und betriebliches Vermögen trennt und unter modifizierte Zugewinnregelung stellt.“

Ein weiteres Problem entsteht, wenn die Eheleute Gesellschaftsanteile am gemeinsamen Betrieb besitzen. Bestelmeyer: „Will einer der Partner diesen Wert realisieren und gibt es keine vertraglichen Regelungen für den Fall der Ausscheidens, kann dies unter Umständen ebenfalls dazu führen, dass die Anteile fremdveräußert werden müssen.“ Ebenfalls gefährlich für den Fortbestand des Unternehmens: Beide Ehepartner waren in verantwortlicher Position im Familienunternehmen tätig, und eine weitere berufliche Zusammenarbeit erscheint aus privaten Gründen nicht mehr möglich.

Selbst die Ehefrau, die nur für ein Pro-forma-Gehalt im Betrieb des Mannes mitarbeitet, hat möglicherweise Gesellschafterrechte. Familienrechtsexpertin Anette Breucker von der Kanzlei Wüterich-Breucker in Stuttgart erklärt: „In solchen Fällen bietet das Recht eine weitgehend unbekannte Nische.“ Gemeint ist die sogenannte Ehegatteninnengesellschaft. Diese besagt: „Ohne ausdrückliche Vereinbarung ist nicht ausgeschlossen, dass dem Partner die Hälfte des ‚gemeinsamen‘ Betriebs zusteht.“

Zugewinnausgleich und Unterhalt

Für den gesetzlich verankerten Ausgleich werden das Anfangs- und das Endvermögen beider Partner miteinander verglichen. Seit einer vor knapp fünf Jahren verabschiedeten Reform wird auch ein negatives Anfangsvermögen berücksichtigt. Zuvor wurde ausschließlich ein in der Ehe vorhandener Überschuss hälftig geteilt. Eine weitere wichtige Neuregelung betrifft die Auskunftspflicht zum Trennungszeitpunkt. Weil zwischen Trennung und Zustellung des Scheidungsantrages mindestens ein Jahr liegt, hatte der später zur Zahlung Verpflichtete viele Möglichkeiten, sich „arm zu rechnen“. Etwa indem er sich auf Vermögensverluste oder Verbindlichkeiten im Unternehmen beruft.

Die neuen Vorschriften erschweren Vermögensverschiebungen im Trennungsjahr. Auch die Festlegung der Unterhaltszahlungen hält Konfliktpotenzial bereit. Das Grundprinzip: Liegt das Einkommen des einen deutlich über dem des anderen, kann der finanziell Schwächere Unterhaltsansprüche geltend machen. Und das schon dann, wenn mit dem eigenen Einkommen der bisherige Lebensstandard nicht aufrechterhalten werden kann. Als Richtwert gilt: Der Ex-Partner bekommt etwa die Hälfte (3/7) des insgesamt verfügbaren Nettoeinkommens. Abgezogen werden beruflich bedingte Aufwendungen, Kindesunterhalt, Altersversorgung, Versicherungen und Darlehen. Auch der Wohnvorteil einer Immobilie und sonstige Einnahmen des Partners werden eingerechnet.

Die Zahlungsverpflichtungen für Selbstständige und Unternehmer orientieren sich am betrieblichen Gewinn. Läuft der Laden schlecht oder gar nicht, reduziert dies auch die Unterhaltsverpflichtungen. „Dennoch dürfen private Entnahmen nicht im Missverhältnis zum Gewinn stehen“, gibt Rechtsanwalt Bestelmeyer zu bedenken. „Darüber hinaus gilt auch hier das Prinzip des geprägten ehelichen Lebensstandards.“ Bei der Aufteilung von Hab und Gut oder der Regelung des Unterhalts greifen Ex-Partner durchaus auch zu unsauberen Methoden. Am Rande der Legalität sind sämtliche Transaktionen, die ausschließlich das Ziel haben, am Partner vorbeizuwirtschaften – etwa Gelder ins Ausland zu schaffen oder an Familienangehörige oder Freunde zu übertragen. „Selbst Zahlungen an engste Familienmitglieder gelten als illoyale Vermögensverfügung, wenn sie zu Ehezeiten untypisch gewesen wären“, erklärt Bestelmeyer. Bei der Berechnung des Zugewinns mindern solche Abflüsse nicht den Ausgleichsanspruch des Ex-Partners. Was aber tun, wenn einer der Partner unmittelbar nach der Trennung das ganze gemeinsame Geld verprasst? „Da bleibt dem Betroffenen nur, so schnell wie möglich gemeinsame Gelder und Konten zu sperren“, sagt Familienrechtsexpertin Breucker. Auch das Gesetz hält noch eine Lösung parat: Bei dringendem Verdacht und konkreten Anhaltspunkten, dass der vermögende Part hintergangen wird, kann ein sogenannter Arrest ins Gesamtvermögen beantragt werden. Die Konsequenzen: kurzfristiges Einfrieren sämtlicher Gelder und ein vorzeitiger Zugewinnausgleich.

Klarheit durch Ehevertrag

Selbstständigen Unternehmern rät Breucker, alle betrieblichen Belange per Ehevertrag zu klären. Damit Eheverträge vor Gericht bestehen, muss möglichst genau festgelegt werden, welche Motive die Parteien für den Abschluss haben, welches Vermögen sie besitzen und wie die Familienplanung aussieht. Reine Gütertrennung ist gefährlich. Wird etwa einer von beiden stark benachteiligt, kann der Vertrag unwirksam sein. Besser als erbitterte Rosenkriege wie im Fall Block ist allemal eine einvernehmliche Strategie. Mit einer durchdachten Trennungs- und Scheidungsfolgevereinbarung lassen sich individuelle und für beide Parteien vorteilhafte Regelungen treffen. „Prozesse kosten Geld, Nerven und Zeit und verderben zudem das Klima für wirtschaftlich sinnvolle Lösungen“, weiß Breuker.

Das interessiert andere Leser

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH
    Der Faktor Mensch

    Bei der Unternehmensnachfolge spielen nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern auch der Faktor Mensch. Drei Beispiele zeigen, worauf es ankommt.

  • Finanzierung ohne Bank
    Roadshow im Rückspiegel

    Die Roadshow „Innovative Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen“ war ein voller Erfolg. Ein Rückblick.

  • Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen
    Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen

    Im Flugsimulator einer Boeing 737 erfahren Führungskräfte, warum Selbstwahrnehmung ebenso wichtig ist, wie klare Aussagen zu treffen und Fehler zugeben zu können.

  • Den Unternehmensverkauf gut planen
    Den Unternehmensverkauf gut planen und richtig umsetzen

    Es ist unter Unternehmern allgemein bekannt, dass zwischen 2014 und 2018 in Deutschland ca. 80.000 – 120.000 Unternehmen zum Verkauf stehen, meist aufgrund einer nicht vorhandenen Unternehmensnachfolge.

  • Den Erfolg atmen -  Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik
    Den Erfolg atmen - Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Meditation entspannt und stärkt das Selbsbewusstsein. Wer sie konsequent praktiziert, kann Berge versetzen – sagt Meditationslehrer Sri Sri Ravi Shankar. Seine Erfolge sprechen für sich.

  • Pickawood Crowdinvesting
    Was wurde eigentlich aus ...

    ... Pickawood? Vor einem Jahr sammelte der Online-Möbelshop 250.000 Euro über die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ein. Heute zählt es zu den wachstumsstärksten Startups Europas.

  • Endlich Spaß - So hilft Outfittery Männern beim Shoppen
    Hier shoppt Mann gern

    Klamotten zu kaufen macht Männern so viel Spaß wie die Toilette zu putzen. Im Schnitt tun sie es nur zwei Mal pro Jahr. Doch es gibt Abhilfe: Curated Shopping.

  • Neue Quellen erschließen
    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement
    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“
    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe
    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster
    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt
    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Raus aus der Komfortzone
    Raus aus der Komfortzone

    Vertriebsexperte Dirk Kreuter sagt, wie Verkäufer in der digitalen Welt überleben.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau
    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten
    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.
    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Niederlagen nutzen
    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten
    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas
    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten
    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)
    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler
    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

  • Last minute für Feinschmecker
    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • asant verändert die digitale Transformation Wirtschaft und Gesellschaft. Die CeBIT 2016 zeigt, was die Zukunft bringt.
    Humanismus auf der CeBIT

    Auf der CeBIT 2016 stehen der Mensch und sein Einfluss auf eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Ein Blick auf die wichtigsten Trends.

  • Fördern und vorleben
    Der Transformation vorangehen

    Beim DUB-Talk beschrieben drei Entscheider, wie sie die Digitalisierung in ihrer Firma umsetzen. Dabei entdeckten sie an ihren Firmen ganz neue Seiten.

  • Sei dein eigener Regisseur

    Keine Lust mehr auf die alte Firma? Worauf Führungskräfte bei beruflichen Veränderungen achten müssen, sagt Coach Claudia Michalski.

  • Rotes Tuch Digitalisierung
    Rotes Tuch Digitalisierung

    Zu teuer, zu komplex, zu wenig Personal: Das Thema Industrie 4.0 wird von der Mehrheit der Mittelständler kritisch gesehen.

  • Friedman schlägt Schumpeter
    Kampf der Top-Ökonomen

    Werden in Krisen innovative Unternehmen geboren? Die Theorie von Schumpeter sagt ja, die von Friedman nein. Wer hat Recht?

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick