Due Diligence meistern
Due Diligence ist die Sorgfaltsprüfung vor dem Kauf. Was du prüfen musst, hängt stark von der Transaktionsgröße ab. Lerne, worauf es bei kleinen Deals wirklich ankommt – und wann du Spezialisten hinzuziehen solltest.
1 Was ist Due Diligence?
Due Diligence (DD) bedeutet wörtlich „gebotene Sorgfalt" und bezeichnet die systematische Prüfung eines Unternehmens vor dem Kauf. Ziel ist es, vor der Unterschrift des Kaufvertrags ein möglichst vollständiges Bild des Unternehmens zu bekommen – und versteckte Risiken aufzudecken.
Wann findet die DD statt?
Die Due Diligence findet nach der Unterzeichnung des LOI (Letter of Intent) und vor dem Kaufvertrag statt. Im LOI sicherst du dir typischerweise eine Exklusivitätsphase, in der du das Unternehmen prüfen kannst, ohne dass der Verkäufer parallel mit anderen Interessenten verhandelt.
Typischer Zeitrahmen: 4–8 Wochen, je nach Komplexität
Datenraum: Der Verkäufer stellt dir Unterlagen in einem (virtuellen) Datenraum zur Verfügung
Q&A-Prozess: Offene Fragen klärst du schriftlich oder in Gesprächen mit dem Verkäufer
Suchphase → LOI → Due Diligence → Kaufvertrag → Closing
Die DD ist dein letztes Sicherheitsnetz vor dem Kauf. Alles, was du hier übersiehst, kannst du nach dem Closing nur noch schwer reklamieren – es sei denn, du hast im Kaufvertrag entsprechende Garantien verankert.
2 DD-Umfang: Kleine vs. große Transaktionen
Der Umfang der Due Diligence richtet sich maßgeblich nach der Transaktionsgröße und dem Typ des Unternehmens. Man macht nicht immer alles – und sollte es auch nicht.
Kleine Transaktionen (unter ca. 2 Mio. € Kaufpreis)
Bei kleineren Deals ist eine Due Diligence über alle Unternehmensbereiche oft weder verhältnismäßig noch finanzierbar. Stattdessen fokussierst du dich mit fachlicher Unterstützung auf die wesentlichen Deal Breaker:
Finanzielle Prüfung – Stimmen die Zahlen? Sind die Jahresabschlüsse korrekt bilanziert? Gibt es Hinweise auf falsche Bilanzierung, nicht deklarierte Verbindlichkeiten oder geschönte Ergebnisse?
Steuerliche Prüfung – Gibt es offene Steuernachzahlungen, laufende Betriebsprüfungen oder steuerliche Risiken, die auf den Käufer übergehen?
Rechtliche Prüfung – Gibt es laufende Rechtsstreitigkeiten, kritische Vertragsklauseln (z.B. Change-of-Control-Klauseln in Kundenverträgen) oder Haftungsrisiken?
Der Fokus liegt auf der Frage: Gibt es etwas, das den Deal platzen lassen sollte? Nicht auf einer vollständigen Durchleuchtung aller Unternehmensbereiche.
Einen Steuerberater und einen Anwalt solltest du auch bei kleinen Deals immer einschalten. Der Steuerberater prüft Jahresabschlüsse und Steuererklärungen, der Anwalt die wichtigsten Verträge und die Gesellschaftsstruktur. Das kostet einen Bruchteil einer vollständigen DD und deckt genau die Risiken ab, die dich nach dem Kauf teuer zu stehen kommen.
Größere Transaktionen (ab ca. 2 Mio. € Kaufpreis)
Bei größeren Deals wird die Due Diligence deutlich umfangreicher. Hier spricht man von verschiedenen DD-Streams (Prüfbereichen), die jeweils von spezialisierten Beratern durchgeführt werden:
DD-Stream | < 2 Mio. | > 2 Mio. |
|---|---|---|
Financial DD – Zahlenwerk, Normalisierung, Working Capital, Net Debt | Immer | Immer |
Tax DD – Steuerrisiken, offene Prüfungen, Strukturoptimierung | Immer | Immer |
Legal DD – Verträge, Gesellschaftsstruktur, Haftung, Rechtsstreitigkeiten | Immer | Immer |
Commercial DD – Markt, Wettbewerb, Kunden, Geschäftsmodell | Selten | Häufig |
Operational DD – Prozesse, Lieferkette, Kapazitäten | Selten | Je nach Typ |
IT / Tech DD – IT-Infrastruktur, Software, Cybersecurity | Selten | Je nach Typ |
ESG / Environmental DD – Umweltrisiken, Altlasten, Nachhaltigkeit | Selten | Je nach Typ |
HR DD – Schlüsselpersonen, Arbeitsverträge, Betriebsrat | Selten | Je nach Typ |
Insurance DD – Versicherungsdeckung, Haftpflicht, offene Schäden | Selten | Je nach Typ |
Immer empfohlen Je nach Unternehmenstyp Eher selten
Dass bei kleinen Transaktionen weniger geprüft wird, heißt nicht, dass man auf die DD verzichten kann. Die drei Kernbereiche (Finanzen, Steuern, Recht) sollten bei jeder Transaktion geprüft werden – auch bei einem Kaufpreis von 200.000 €. Falsche Bilanzierung, versteckte Schulden oder laufende Klagen können den gesamten Investment-Case zunichtemachen.
3 Die drei Kernbereiche der DD
Unabhängig von der Transaktionsgröße sind drei Prüfbereiche bei jedem Unternehmenskauf unverzichtbar. Hier ist, worauf du in jedem Bereich achten musst.
Financial DD: Die Zahlen prüfen
Die finanzielle Prüfung ist der wichtigste DD-Stream – sie findet bei jeder Transaktion statt. Ziel ist es, Transparenz über das Zahlenwerk des Unternehmens zu schaffen.
Historische Zahlen prüfen – GuV, Bilanz und Cashflow der letzten 3 Jahre konsistent aufbereiten
EBITDA normalisieren – Einmaleffekte, Inhabergehalt und private Kosten bereinigen (→ Basis für die Bewertung)
Working Capital analysieren – Ist das Umlaufvermögen auf einem normalen Niveau?
Net Debt prüfen – Welche Finanzverbindlichkeiten gibt es? Stimmen sie mit der Preisbrücke überein?
Planzahlen hinterfragen – Sind die Zukunftsannahmen des Verkäufers realistisch?
Die Begriffe EBITDA, Normalisierung und Preisbrücke werden ausführlich erklärt in → Modul 3: Bewertung & Preisfindung
Tax DD: Steuerrisiken aufdecken
Die steuerliche Prüfung stellt sicher, dass keine Altlasten auf dich als Käufer übergehen.
Steuerbescheide prüfen – Sind alle Bescheide bestandskräftig oder stehen noch Prüfungen aus?
Laufende Betriebsprüfungen – Gibt es offene oder angekündigte Prüfungen durch das Finanzamt?
Umsatzsteuer-Risiken – Korrekte Abführung, Vorsteuerabzug, innergemeinschaftliche Lieferungen
Strukturoptimierung – Bei größeren Deals: Ist die Gesellschaftsstruktur steuerlich sinnvoll?
Legal DD: Rechtliche Risiken erkennen
Die rechtliche Prüfung deckt Haftungsrisiken und vertragliche Fallstricke auf.
Gesellschaftsvertrag und Handelsregister – Stimmen die Eigentumsverhältnisse? Gibt es Vorkaufsrechte oder Zustimmungsvorbehalte?
Wesentliche Verträge – Kunden-, Lieferanten- und Mietverträge auf Kündigungsrechte und Change-of-Control-Klauseln prüfen
Arbeitsverträge – Besondere Vereinbarungen mit Schlüsselmitarbeitern, Abfindungsregelungen, Betriebsrat
Rechtsstreitigkeiten – Laufende oder drohende Klagen, behördliche Verfahren
Gewerbliche Schutzrechte – Marken, Patente, Lizenzen – gehören sie dem Unternehmen?
4 Red Flags und Deal Breaker
Nicht jedes Finding in der DD ist gleich ein Grund, den Deal abzubrechen. Aber es gibt Warnzeichen, die du ernst nehmen musst – sogenannte Red Flags. Und es gibt Findings, die den Deal tatsächlich platzen lassen sollten: Deal Breaker.
Finanzielle Red Flags
Inkonsistente Zahlen – GuV, Bilanz und Steuererklärungen passen nicht zusammen
Unerklärte Schwankungen – Plötzliche Umsatzsprünge oder Margeneinbrüche ohne nachvollziehbare Begründung
Nicht deklarierte Verbindlichkeiten – Darlehen, Bürgschaften oder Pensionszusagen, die nicht in der Bilanz stehen
Hohe offene Forderungen – Viele überfällige Rechnungen können auf Zahlungsprobleme der Kunden hindeuten
Geschönter EBITDA – Kosten wurden in andere Perioden verschoben oder Umsätze vorgezogen
Rechtliche Red Flags
Laufende Klagen – Besonders bei hohen Streitwerten oder Schadensersatzforderungen
Change-of-Control-Klauseln – Wichtige Kunden- oder Mietverträge können bei Eigentümerwechsel gekündigt werden
Fehlende Genehmigungen – Das Unternehmen betreibt etwas ohne erforderliche Lizenzen oder Genehmigungen
Steuerliche Red Flags
Offene Betriebsprüfung – Das Finanzamt prüft noch und könnte Nachzahlungen fordern
Verdeckte Gewinnausschüttungen – Der Inhaber hat über das Unternehmen private Ausgaben laufen lassen, die steuerlich nicht korrekt behandelt wurden
Steuernachzahlungen im Raum – Es gibt Hinweise auf Steuerschulden, die auf den Käufer übergehen könnten
Ein echtes Deal Breaker Finding – z.B. systematische Bilanzverschleierung oder eine laufende Klage mit existenzbedrohendem Streitwert – ist kein Anlass für eine Kaufpreisreduktion, sondern ein Grund, den Deal abzubrechen. Nicht jedes Risiko lässt sich durch einen niedrigeren Preis kompensieren.
5 DD praktisch organisieren
Wie du die Due Diligence konkret durchführst, hängt von der Transaktionsgröße ab. Aber der grundsätzliche Ablauf ist immer ähnlich.
Schritt für Schritt
DD-Scope festlegen – Welche Prüfbereiche sind für diese Transaktion relevant? (siehe Tabelle oben)
Berater beauftragen – Steuerberater, Anwalt und ggf. weitere Spezialisten einbinden
Unterlagen anfordern – Dokumentenanforderungsliste an den Verkäufer schicken
Datenraum prüfen – Unterlagen systematisch durcharbeiten, offene Punkte dokumentieren
Q&A-Prozess – Schriftliche Fragenliste an den Verkäufer, Antworten dokumentieren
DD-Report erstellen – Ergebnisse zusammenfassen, Red Flags und Deal Breaker bewerten
Kaufpreis re-evaluieren – Findings in die Bewertung einarbeiten (Preisbrücke anpassen)
Welche Berater brauchst du?
Für die einzelnen DD-Streams gibt es spezialisierte Berater. Du brauchst nicht für jeden Bereich einen eigenen – bei kleinen Deals deckt oft ein Steuerberater die finanzielle und steuerliche Prüfung ab, und ein Anwalt die rechtliche.
Steuerberater / Wirtschaftsprüfer – Financial DD und Tax DD
Rechtsanwalt (M&A-spezialisiert) – Legal DD, Kaufvertragsprüfung
M&A-Berater / Transaction Services – Bei größeren Deals: Koordination der gesamten DD
Spezialberater – IT/Tech, ESG, Versicherung – nur bei Bedarf und größeren Transaktionen
Im DUB Berater-Directory findest du spezialisierte Berater für alle DD-Bereiche – von Steuerberatern mit M&A-Erfahrung bis zu spezialisierten IT-DD-Beratern. Die Berater sind nach Fachgebiet, Region und Transaktionsgröße filterbar.
Kosten der Due Diligence
Die Kosten variieren stark je nach Umfang:
Kleine Deals (< 2 Mio. €): Ca. 5.000 – 50.000 € für Steuerberater + Anwalt
Mittlere Deals (2–10 Mio. €): Ca. 20.000 – 250.000 € für mehrere DD-Streams
Große Deals (> 10 Mio. €): Ab 150.000 € und oft mehr für umfassende DD mit vielen DD-Streams
Diese Kosten sind Teil der Transaktionskosten und sollten von Anfang an im Budget eingeplant werden.
Mehr zu Transaktionskosten und Finanzierungsplanung → Modul 7: Akquisitionsfinanzierung
- DD = Pflicht: Auch bei kleinen Deals nie ohne Prüfung kaufen – mindestens Finanzen, Steuern und Recht
- Umfang ≠ Qualität: Bei Deals unter 2 Mio. € fokussiert auf Deal Breaker prüfen – nicht alles, sondern das Richtige
- Berater einschalten: Steuerberater und Anwalt sind das Minimum – weitere Spezialisten je nach Transaktionsgröße und Unternehmenstyp
- Red Flags ernst nehmen: Inkonsistente Zahlen, versteckte Verbindlichkeiten oder laufende Klagen können den gesamten Investment-Case kippen
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