Vordenker Autozulieferer: Über die Zukunft brüten

Brighter AI und Yptokey: Autozulieferer HELLA setzt auf KI-Ausgründungen

Als Chief-Digital Officer beim Autozulieferer HELLA entwirft Rainer Holve mit seinem Inkubator-Team Mobilitätskonzepte rund um Künstliche Intelligenz und Connectivity.

Dr. Rainer Holve ist seit Oktober 2017 Chief Digital Officer bei HELLA.

Dr. Rainer Holve ist seit Oktober 2017 Chief Digital Officer bei HELLA. Zuvor war der Informatiker 17 Jahre beim Zulieferer Elek­trobit, wo er unter anderem die Bereiche Connected Car und Human Machine Interface verantwortete (Illustration: JDB MEDIA/Philipp Möller)

15 Frauen und Männer in Berlin haben eine hehre Aufgabe: Im Inkubator des Zulieferers HELLA sollen sie vielversprechende Ideen schnell zur Marktreife bringen. Seit 2015 werden in der Hauptstadt und inzwischen auch in Schanghai, wo sich zahlreiche Start-ups mit Digitalisierung und Elektrifizierung befassen, Innovationen entwickelt. „So bringen wir Themen wie Künstliche Intelligenz, neue Mobilitätskonzepte und Connectivity voran“, sagt Rainer Holve, Chief ­Digital Officer von HELLA, selbstbewusst.

DUB-UNTERNEMER-Magazin: Die erste Ausgründung Ihres Inkubators war Brighter AI. Was kann diese auf Deep Learning basierende Anwendung leisten?

Rainer Holve: Ursprünglich diente die Technologie dazu, den Inhalt von Bildern, die von Infrarotkameras im Dunkeln oder bei dichtem Nebel aufgenommen worden sind, wirklichkeitsgetreu zu rekonstruieren. Vor dem Hintergrund der immer strengeren Datenschutzanforderungen hat dann jedoch vor allem die Anony­misierung von Daten und Kameraaufnahmen an Relevanz gewonnen. Die Technologie von Brighter AI anonymisiert Bilddaten, indem Persönlichkeitsmerkmale verfremdet werden. Kerninformationen wie Geschlecht und Alter, aber auch Emotionen bleiben dabei erkennbar.

Welche Probleme soll Brighter AI damit lösen – sowohl im Automobil­bereich als auch in anderen Branchen?

Holve: Für die Entwicklung autonomer Fahrfunktionen werden viele Kameradaten gesammelt. Würde man diese Aufnahmen zu sehr verpixeln, gingen zahlreiche Analysemöglichkeiten verloren. Brighter AI kann die Aufnahmen durch künstliche Gesichter und Kfz-Kennzeichen entpersonalisieren. So bleiben die Daten nutzbar, und gleichzeitig werden die Persönlichkeitsrechte gewahrt. Interessant ist diese Lösung auch für den Einzelhandel, da in der Sparte ebenfalls über Kameras wertvolle Kundeninformationen gesammelt und ausgewertet werden können.

Die zweite Ausgründung ist Yptokey. Mit der Software lassen sich per Smartphone Schlösser öffnen und verriegeln. Die Lösung basiert auf der Blockchain-Technologie und soll das digitale Zugangsberechtigungssystem sicher machen. Bleiben keinerlei Risiken?

Holve: Der Blockchain-Ansatz ist in der Tat äußerst sicher und vertrauensvoll. Am Ende aber ist immer der Endverbraucher das schwächste Glied in der Kette. Die Blockchain kann vor allem unterstützen und die Wahrscheinlichkeit eines Missbrauchs so weit wie möglich reduzieren. Ein Blockchain-basierter Ansatz war vor allem deshalb so reizvoll, weil sich dadurch die Funktio­nalitäten sehr einfach um neue Geschäftsmodelle mit Industriepartnern ergänzen lassen.

Blockchain, Deep Learning, Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge: In welcher Technologie sehen Sie die größten Potenziale?

Holve: Jede Technologie hat ihre Vorteile, ich würde mich da nicht festlegen. Ausschlaggebend ist am Ende immer die Funktio­nalität, die man dem Endverbraucher anbieten möchte. Nehmen wir beispielsweise das automatisierte Fahren. Um das zu ermöglichen, braucht es sowohl Künstliche Intelligenz, vor allem in den Großstädten aber auch eine vernetzte intelligente Verkehrsinfra­struktur, also eine Art Internet der Dinge.

Welche konkreten Schritte wurden bei HELLA in den vergangenen Jahren eingeleitet, um das Unternehmen zu transformieren? Und was planen Sie für die Zukunft?

Holve: Zwei Fragen sind für uns entscheidend. Erstens: Wie können wir bestehende Produkte und Prozesse mit digitalen Technologien weiterentwickeln? Beispielsweise werden unsere Scheinwerfer zunehmend softwarebasiert angesteuert. Zweitens: Welche neuen Geschäftsmodelle können wir erschließen? Im Bereich Fahrerassistenzsysteme haben wir etwa eine vollkommen neue Softwareplattform für Frontkameras entwickelt.

Das Unternehmen: Der Automobilzulieferer HELLA hat sich auf Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik spezialisiert. Das börsennotierte Familienunternehmen hat 40.000 Beschäftigte an 125 Standorten in 35 Ländern.

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