Search Fund

Ein Search Fund ist ein Investmentvehikel, mit dem eine oder mehrere Einzelpersonen, meist mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund, aber ohne eigenes Unternehmen, gezielt Kapital von Investoren einwerben, um damit ein einzelnes, geeignetes mittelständisches Unternehmen zu suchen, zu erwerben und anschließend selbst als Geschäftsführer zu leiten. Das Modell verbindet unternehmerische Selbstständigkeit ohne Gründung von Grund auf mit einer strukturierten, investorengestützten Nachfolgelösung für den Verkäufer.

Was ist ein Search Fund?

Ein Search Fund funktioniert in mehreren Phasen: Zunächst werben ein oder zwei Searcher, häufig Absolventinnen oder Absolventen mit MBA oder vergleichbarem Hintergrund, bei einer kleinen Gruppe von Investoren sogenanntes Search Capital ein, das die Such- und Prüfungsphase über in der Regel 18 bis 24 Monate finanziert (Gehalt, Reisen, Berater). Ist ein passendes Zielunternehmen gefunden, wird für den Kauf zusätzliches Akquisitionskapital eingeworben, meist wieder überwiegend von denselben Investoren sowie ergänzendem Fremdkapital. Nach dem Erwerb übernimmt der Searcher die operative Führung des Unternehmens mit dem Ziel, es über mehrere Jahre weiterzuentwickeln und den Wert bis zu einem späteren Exit zu steigern.

Wie läuft ein Search-Fund-Prozess ab?

Der Prozess gliedert sich typischerweise in vier Phasen: In der Fundraising-Phase wird das Search Capital eingeworben, meist als Wandeldarlehen von einer überschaubaren Gruppe von Investoren. In der Suchphase identifiziert und prüft der Searcher systematisch potenzielle Zielunternehmen, häufig über direkte Ansprache statt öffentlicher Auktionsprozesse; laut der Stanford Search Fund Study 2026 dauert diese Suchphase im Median rund 20 bis 21 Monate. In der Akquisitionsphase wird das ausgewählte Zielunternehmen erworben, finanziert durch das eingeworbene Akquisitionskapital sowie häufig zusätzliches Fremdkapital. Der mediane Kaufpreis lag zuletzt bei rund 16 Mio. USD. In der Operating-Phase führt der Searcher als CEO das erworbene Unternehmen, in der Regel über einen Zeitraum von vier bis acht Jahren, bevor ein Exit angestrebt wird.

Wie ist ein Search Fund finanziert?

Investoren eines Search Fund beteiligen sich üblicherweise in zwei Schritten: zunächst über das vergleichsweise geringe Search Capital für die Suchphase, laut Stanford-Studie zuletzt im Median rund 550.000 USD je Searcher, danach, bei erfolgreicher Zielunternehmensfindung, über deutlich größeres Akquisitionskapital für den eigentlichen Kauf. Searcher selbst bringen in der Regel nur begrenztes eigenes Kapital ein, erhalten aber im Erfolgsfall eine signifikante Eigenkapitalbeteiligung am erworbenen Unternehmen (sogenannter Promote oder Vesting-Equity), die sich meist über mehrere Jahre der operativen Führung aufbaut.

Welche Rolle spielt das Search-Fund-Modell in Deutschland?

Das Search-Fund-Modell entstand 1984 an der Stanford Graduate School of Business und ist in den USA und Kanada mittlerweile etabliert: Laut der Stanford Search Fund Study 2026 wurden seit 1984 insgesamt 862 Search Funds in den USA und Kanada gegründet (Datenstand 31.12.2025), mit einer aggregierten Nettorendite (IRR) von rund 33,9 % und einem Kapitalmultiplikator von etwa 4,75x. Diese Spitzenwerte werden allerdings maßgeblich von einer kleinen Zahl außergewöhnlich erfolgreicher Fonds getragen: ohne die besten 10 % der Fonds sinkt die aggregierte Rendite auf rund 2,1x Kapitalmultiplikator und 20 % IRR. International, außerhalb Nordamerikas, zeigt die IESE International Search Fund Study 2024 ein deutlich jüngeres, aber wachsendes Bild: 320 erstmalige internationale Search Funds wurden in 40 Ländern auf fünf Kontinenten gezählt, bei einer international aggregierten Rendite von rund 18,1 % IRR und einem Kapitalmultiplikator von rund 2,0x. Deutschland liegt mit 20 erstmaligen Search Funds auf Platz 4 der aktivsten Länder außerhalb Nordamerikas, hinter Spanien (67), Großbritannien (35) und Frankreich (21), aber vor Italien (17). Das Modell ist hierzulande also nach wie vor eine Nische, aber keine Randerscheinung mehr.

Welche Chancen und Risiken hat das Search-Fund-Modell?

Für Unternehmensverkäufer ohne geeigneten internen Nachfolger bietet ein Search Fund die Chance, das Unternehmen an einen hochmotivierten, unternehmerisch ambitionierten Käufer mit Investoren im Rücken zu übergeben, statt an einen strategischen Wettbewerber oder einen reinen Finanzinvestor. Für Searcher besteht der Vorteil darin, unternehmerische Verantwortung mit signifikanter Eigenkapitalbeteiligung zu übernehmen, ohne ein Unternehmen von Grund auf gründen zu müssen. Das zentrale Risiko liegt in der langen, ergebnisoffenen Suchphase: Laut Stanford Search Fund Study 2026 führten historisch rund 58 % aller abgeschlossenen Suchen zu einer Akquisition, bei den jüngeren Jahrgängen (2021–2024) sank diese Quote auf rund 48 %. Bei einem erheblichen Teil der Search Funds geht das eingesetzte Search Capital der Investoren also ganz oder teilweise verloren, weil kein geeignetes Zielunternehmen gefunden oder die Akquisition nicht abgeschlossen wird. Auch nach erfolgreicher Übernahme bleibt das operative Risiko einer erstmaligen Geschäftsführung ohne langjährige interne Erfahrung im jeweiligen Unternehmen bestehen.

Search Fund vs. MBI: Was ist der Unterschied?

Kriterium

Search Fund

MBI (Management-Buy-In)

Zielunternehmen zu Beginn

noch nicht identifiziert, wird erst gesucht

meist bereits identifiziert oder im Fokus

Finanzierungsstruktur

zweistufig, investorengestützt (Search Capital, dann Akquisitionskapital)

einmalige Finanzierungsrunde zum Kauf

Investorenbindung

strukturierte, meist langfristige Investorengruppe von Beginn an

Finanzierung situativ je nach Deal

Ursprung des Modells

Stanford, 1984, standardisierter Prozess

keine feste Modellherkunft, allgemeiner Sammelbegriff

Quellen

  • Kelly, P., Zenios, S., Ng, D. (2026): 2026 Search Fund Study: Selected Observations, Case E-967, Stanford Graduate School of Business. gsb.stanford.edu

  • Kowalewski, A.-S., Kelly, P., Simon, J., Johnson, R. (2024): International Search Funds - 2024 Selected Observations, ST-0658-E, IESE Business School. iese.edu