Enterprise Value

Der Enterprise Value (Unternehmensgesamtwert) bezeichnet den Wert des operativen Geschäfts eines Unternehmens unabhängig von dessen Kapitalstruktur. Er umfasst sowohl den Wert des Eigenkapitals als auch den Wert des Fremdkapitals abzüglich liquider Mittel. Anders als der Eigenkapitalwert (Equity Value), der nur den Anteil der Gesellschafter widerspiegelt, zeigt der Enterprise Value, wie viel ein Käufer aufwenden müsste, um das gesamte operative Geschäft schuldenfrei zu übernehmen.

Was ist der Enterprise Value?

Der Enterprise Value ist eine kapitalstrukturneutrale Wertgröße: Er misst den Wert eines Unternehmens unabhängig davon, wie es finanziert ist, also unabhängig vom Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital. Das macht ihn zur zentralen Bezugsgröße im M&A-Prozess, weil er den operativen Geschäftswert isoliert, losgelöst von individuellen Finanzierungsentscheidungen des aktuellen Eigentümers, die für den Käufer nach der Übernahme ohnehin meist nicht mehr relevant sind.

Wie wird der Enterprise Value berechnet?

Die gängige Formel lautet:

Enterprise Value = Marktkapitalisierung bzw. Eigenkapitalwert + verzinsliches Fremdkapital − liquide Mittel (Nettoverschuldung addiert) + Minderheitsanteile + Vorzugskapital − nicht betriebsnotwendige Beteiligungen an assoziierten Unternehmen.

Bei nicht börsennotierten Unternehmen, wie sie im Rahmen einer Unternehmensnachfolge typischerweise gehandelt werden, wird der Eigenkapitalwert meist mithilfe eines Bewertungsverfahrens (etwa DCF- oder Multiplikatorverfahren) ermittelt und anschließend um die Nettoverschuldung angepasst, statt aus einer Marktkapitalisierung abgeleitet zu werden.

Wie unterscheidet sich der Enterprise Value vom Eigenkapitalwert?

Der Eigenkapitalwert (Equity Value) entspricht dem Wert, der den Gesellschaftern nach Abzug aller Verbindlichkeiten zusteht – bei börsennotierten Unternehmen also der Marktkapitalisierung. Der Enterprise Value liegt typischerweise darüber, da er zusätzlich das Fremdkapital einschließt, das der Käufer bei einer Übernahme übernehmen oder ablösen muss. Die Differenz zwischen beiden Größen ist im Kern die Nettoverschuldung: Enterprise Value minus Nettoverschuldung ergibt den Eigenkapitalwert, der tatsächlich an die Verkäufer fließt.

Warum ist der Enterprise Value für M&A-Transaktionen relevant?

Weil der Enterprise Value unabhängig von der individuellen Finanzierungsstruktur ist, eignet er sich besonders gut für den Vergleich unterschiedlich finanzierter Unternehmen, etwa im Rahmen des Multiplikatorverfahrens, wo Kennzahlen wie EV/EBITDA oder EV/EBIT verwendet werden, um Zielunternehmen mit Vergleichsunternehmen (Comparable Companies) unabhängig von deren jeweiligem Verschuldungsgrad zu vergleichen. Für Verkäufer und Käufer ist zudem entscheidend, den Unterschied zu verstehen: Verhandlungen im Rahmen einer Transaktion beginnen häufig auf Enterprise-Value-Basis, der tatsächlich an die Verkäufer fließende Kaufpreis (der Eigenkapitalwert) ergibt sich erst nach Abzug der Nettoverschuldung zum Stichtag (Closing).

Enterprise Value vs. Equity Value: Was ist der Unterschied?

Kriterium

Enterprise Value

Equity Value

Bezugsgröße

gesamtes operatives Geschäft (Eigen- und Fremdkapitalgeber)

nur Anspruch der Eigenkapitalgeber

Kapitalstruktur

neutral, unabhängig von Verschuldungsgrad

abhängig von der Verschuldung

Typische Verwendung

Vergleich von Unternehmen, Multiplikatorverfahren (EV/EBITDA)

tatsächlicher Kaufpreis für die Anteile

Umrechnung

Equity Value + Nettoverschuldung + Minderheitsanteile

Enterprise Value - Nettoverschuldung - Minderheitsanteile