Was ist bei einer Geschäftsübernahme zu beachten?

Wer ein Unternehmen übernehmen möchte, der steht vor einer großen Herausforderung. Deshalb finden Sie hier die wichtigsten Aspekte, die es auf jeden Fall zu beachten gilt.

Worauf müssen Sie vor dem Kauf achten, wie lässt sich der Unternehmenswert bestimmen, wie lässt sich das geplante Geschäft finanzieren? Eine Nachfolge unterscheidet sich von der Gründung eines Betriebs. Was muss im Nachfolgeprozess eines Unternehmens alles beachtet werden?

Ein Unternehmen aus der Insolvenz kaufen

Unternehmen zur Übernahme finden

Unzählige Unternehmen wechseln jedes Jahr den Besitzer. Viele Übernahmen erfolgen im Zuge einer altersbedingten Nachfolge: Der Ruhestand naht und der Unternehmer will sein Lebenswerk versilbern. Auch der Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung kann zu einem Unternehmensverkauf führen. Der Käufer sollte den Verkaufsgrund gezielt erfragen und bei wenig plausiblen Erklärungen die Unternehmensdaten und Geschäftsaussichten umso genauer prüfen. Vorteilhaft ist, wenn der Käufer das Unternehmen bereits gut kennt – etwa als Mitarbeiter, Partner oder Konkurrent. Eine weitere Möglichkeit ein geeignetes Unternehmen zur Übernahme zu finden, ist das Onlineportal der Deutschen Unternehmensbörse. Neben aktuellen Angeboten gibt es auch die Möglichkeit ein Gesuch zu inserieren und gezielt nach Optionen in Ihrer Branche oder Region zu suchen.

Hier das ideale Unternehmen finden

Existenzgründung durch eine Geschäftsübernahme?

Geschäftsübernahme ist auch für Gründer eine Überaus spannende Option. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen will, dem stehen mehrere Möglichkeiten offen. So kann er seine Geschäftsidee durch die Neugründung einer eigenen Firma umsetzen. Eine Alternative ist der Kauf eines bereits etablierten Unternehmens.

Zwar ist hier meist anfangs ein größerer Kapitaleinsatz notwendig, die Existenzgründung durch eine Geschäftsübernahme hat aber auch viele Vorteile. Der langwierige Aufbau des Unternehmens und die Etablierung am Markt entfallen. Mit dem Geschäft übernimmt der Käufer in der Regel ein eingespieltes Mitarbeiter-Team sowie einen festen Kundenstamm, eventuell auch laufende langfristige Kundenverträge. Hinzu kann ein funktionierendes Netz aus Lieferanten und anderen Partnern kommen.

Da die Daten zu (bisherigen) Erträgen und Kosten bekannt sind, sind die Risiken überschaubarer als bei einer Neugründung. Um einen fließenden Übergang zu erreichen, kann der ehemalige Inhaber dem neuen Chef für eine gewisse Zeit beratend zur Seite stehen.

Den Wert des Unternehmens bestimmen

Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Geschäftsübernahme ist der Kaufpreis. Für die Bestimmung des Wertes eines Unternehmens gibt es verschiedene Verfahren, die letztlich aber alle nur eine Annäherung liefern. 

Die Vergleichswertmethode stellt auf ähnliche vollzogene Transaktionen ab.
Die Subtanzwertmethode, die selten oder nur ergänzend genutzt wird, betrachtet die Summe der Vermögensgegenstände abzüglich Schulden.

Üblicher sind Ertrags-wertorientierte Verfahren, die den Wert über künftige Erträge des Unternehmens bestimmen. EBIT-Multiples liefern einen guten Richtwert. Mit diesen Multiplikatoren (Multiples) wird der in der Zukunft nachhaltig zu erwirtschaftende Jahresgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) multipliziert. Auf DUB.de finden sich übliche EBIT-Multiples für mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen.

Multiples: Unternehmensbewertung für KMU

Kapitalbedarf und Finanzierung einer Geschäftsübernahme

Wer ein Geschäft übernehmen will, braucht in der Regel Kapital. Meist ist der anfängliche Kapitalbedarf bei einer Geschäftsübernahme höher als bei der Gründung einer eigenen neuen Firma, vor allem wenn der Kauf nicht auf Raten erfolgt. Im Gegenzug sollten von vornherein höhere Einnahmen fließen, da das Unternehmen bereits am Markt etabliert ist.

Zunächst muss der Kapitalbedarf so genau wie möglich ermittelt werden. Umfasst dieser nur den Kaufpreis oder besteht zusätzlicher Investitionsbedarf, zum Beispiel für eine Modernisierung, Neuausrichtung oder Expansion? Wer ein Restaurant übernimmt, will zum Beispiel eine neue Ausstattung. In anderen Branchen müssen vielleicht modernere Maschinen gekauft werden. Auch das Thema Digitalisierung und hierfür nötige Investitionen sollten nicht vergessen werden. Um Kapital von der Bank oder anderen Geldgebern zu bekommen, ist ein überzeugender Businessplan inklusive schlüssigem Finanzkonzept das A und O.

Das Unternehmen vor der Übernahme genau prüfen

Eine Geschäftsübernahme hat den Vorteil, dass ein bereits erprobtes Konzept gekauft wird und Zahlen zur Geschäftsentwicklung vorliegen. Damit man genau weiß, worauf man sich einlässt, sind vor dem Kauf alle die historischen Daten eines Unternehmens zu prüfen. Man kann daraus lernen, was in der Vergangenheit funktioniert hat und was nicht - Außerdem können ungenutzte Potenziale, die Low-Hanging-Fruits erkennbar werden.

Die TOP 5 der wichtigsten Unternehmensdaten:

Die TOP 5 der wichtigsten Unternehmensdaten:
  • Finanzdaten

Die Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen der vergangenen Jahre liefern einen Überblick über Umsatz- und Gewinnentwicklung. Ein noch genaueres Bild zu den Stärken und Schwächen des Unternehmens gewährt ein Einblick in die Buchführung. Steuererklärungen der vergangenen Jahre sind ebenfalls einen Blick wert.

  • Mitarbeiter

Mit der Übernahme einer Firma werden auch die Mitarbeiter mit ihren Verträgen übernommen. Dies muss bei der künftigen Geschäftsplanung berücksichtigt werden.

  • Verträge

Neben den Mitarbeiterverträgen bleiben bei einer Geschäftsübernahme die weiteren betrieblichen Verträge bestehen. Auf der Ausgabenseite können dies Miet- und Leasingverträge etwa für die Geschäftsräume, Lagerhallen, den Fuhrpark oder Maschinen sein. Ebenso bestehen häufig vertragliche Vereinbarungen mit Lieferanten. Hier müssen die Konditionen und Kündigungsfristen geprüft werden. Dies gilt ebenso für die Einnahmeseite, also für Kundenverträge: Wie schnell können die Kunden abspringen, sind die ausgehandelten Vereinbarungen überhaupt lukrativ?

  • Verbindlichkeiten

Auch die Verbindlichkeiten des Unternehmens übernimmt der neue Eigentümer automatisch. Eventuelle Pensionsverpflichtungen oder Steuernachzahlungen müssen beim Kauf einkalkuliert werden.

  • Weiche Faktoren

Zu diesen Faktoren gibt es keine prüfbaren Zahlen, sie können aber auch eine Rolle für den künftigen Geschäftserfolg spielen. Dazu zählen zum Beispiel der Ruf des Unternehmens oder die Stimmung und der Zusammenhalt im Mitarbeiterkreis. Und schließlich sollte das Unternehmen grundsätzlich zum Käufer passen. Natürlich kann dieser für frischen Wind sorgen, aber ein komplettes Umkrempeln des Geschäfts von heute auf morgen ist kaum möglich.

Die Übernahme des Geschäfts rechtlich absichern

Sind sich Käufer und Verkäufer einig, muss die Geschäftsübernahme rechtlich abgesichert werden. Dazu wird ein schriftlicher Übernahmevertrag aufgesetzt, der die Details des Verkaufs regelt.

So wird verhindert, dass es später Diskussionen darüber gibt, was in den Verkaufshandlungen vereinbart wurde. Neben der genauen Erfassung des Betriebsvermögens und der Verbindlichkeiten kann das Thema Haftung (beispielsweise für früher entstandene Geschäftsschulden)im Vertrag geregelt werden.