Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Von den USA lernen

Forciert der digitale Wandel eine soziale Spaltung? Sahra Wagenknecht, Wirtschaftsexpertin und Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, offenbart im Interview ebenso kämpferische wie überraschend marktfreundliche Positionen.

Sahra Wagenknecht: Gerechte Steuerverteilung, mehr öffentliches Kapital für Gründer und Geld für Bildung: Dafür steht die LINKE. (Foto:dpa/ Thomas Schulze/ dpa-Zentralbild/ ZB)

Die Digitalisierung hat zwei Gesichter. Sie schreitet voran, doch die Verunsicherung derjenigen, die mit ihrer Geschwindigkeit nicht mithalten können, nimmt zu. Die Wirtschaft wächst, zeitgleich tut sich eine Kluft zwischen Profiteuren und Abgehängten auf. Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht über Druck, Dominanz, Defizite und ihre Lösungsansätze.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Die wirtschaftliche Lage hierzulande ist gut. Sie hingegen beobachten vielerorts Verunsicherung. Verstärkt der digitale Wandel dieses Gefühl noch?
Sahra Wagenknecht
: Das ist nicht nur ein Gefühl, das ist real. Wir haben in Deutschland einen riesigen Niedriglohnsektor, jeder fünfte Beschäftigte hat nur noch einen prekären Job. Viele Rentnerinnen und Rentner haben in den letzten Jahren an Kaufkraft verloren. Künftige können von ihrer gesetzlichen Rente nicht mehr leben. Hinzu kommt, dass wir in vielen Bereichen keinen fairen Wettbewerb mehr haben. Die Marktdominanz großer Unternehmen ist in den letzten Jahren weiter gewachsen. Besonders extrem ist das in der digitalen Ökonomie. Alle, die mit Google oder Amazon geschäftlich zu tun haben, können ein Lied von den Konditionen singen, die dort diktiert werden. Solche Entwicklungen sorgen nicht für ein Mehr an sozialem Ausgleich. Vielmehr drücken kleinere und mittelständische Unternehmen oft auch deshalb die Löhne, weil sie selbst unter massivem Kostendruck stehen. Diese Firmen werden von der Politik seit Jahren im Stich gelassen.

Da aktuell die Steuereinnahmen sprudeln, wünschen sich Unternehmer Entlastung. Zu Recht?Wagenknecht: Zum Teil ja. Wir wollen die Mittelschicht entlasten und die Superreichen stärker belasten. Vor allem wollen wir das Steuerdumping der Konzerne beenden. Denn die zahlen viel niedrigere Steuern als kleine oder mittelständische Firmen, weil sie internationale Steuerdifferenzen ausnutzen. Entlasten heißt für uns: Freibeträge rauf und Mittelstandsbauch weg. Konkret würden wir Beschäftigte und Selbstständige bis 7.100 Euro Monatseinkommen entlasten. Kräftige Mehrbelastungen gäbe es für diejenigen, die mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen. Aber entscheidend bleibt, dass die Ungerechtigkeiten abgestellt werden, die es großen Unternehmen erlauben, deutsche Steuern gar nicht erst zu zahlen.

In welche Teile der wirtschaftlichen Infrastruktur sollten Steuergelder fließen?
Wagenknecht: Vor allem in den Breitbandausbau, also in die digitalen Netze. Der Status quo dort bereitet vielen Unternehmen große Probleme. Sie sind teils abgeschnitten und können so keine wettbewerbsfähigen Angebote unterbreiten. Noch zwingender sind massive Investitionen in die Bildung. Dafür reichen auch die aktuellen steuerlichen Überschüsse nicht aus. Wir leisten uns in Deutschland ein Bildungssystem, das chronisch unterfinanziert ist und Schulabgänger hervorbringt, denen Grundfertigkeiten im Lesen, Schreiben, ja in der deutschen Sprache fehlen – ein großes Problem für den Lehrstellenmarkt. Wir brauchen in Schule, Aus- und Weiterbildung weit mehr Personal. Bevor wir über Zuwanderung und Einwanderungsgesetze reden, sollten wir erst einmal schauen, dass wir die Menschen, die hier aufwachsen, ausbilden und ihnen eine Perspektive geben. Wir brauchen Fachkräfte.

Teil 1: Von den USA lernen

Teil 2: „Natürliche Monopole gehören nicht in private Hand“

Teil 3: „Ich halte überhaupt nichts von einem bedingungslosen Grundeinkommen“

Teil 4: „Die EU ist durchaus mittelstandsfeindlich“

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Webinare Unternehmensnachfolge

    Webinar 1: Wie gestalte ich die Nachfolge?

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 23. November 2016, 17 Uhr: Ein erster Überblick über Möglichkeiten der Nachfolgeplanung innerhalb und außerhalb der Familie. Wie gehe ich es an?

  • Webinare Unternehmensnachfolge

    Webinar 2: Unternehmenskauf - Einzelne Verfahrensschritte

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 15. Dezember 2016, 17 Uhr: Von der Suche nach einem Käufer/Verkäufer bis zur faktischen Übergabe und Integration des Unternehmens.

  • BRL Webinare Unternehmensnachfolge

    Webinar 3: Kernthemen des Unternehmenskaufvertrages

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 18. Januar 2017, 17 Uhr: Worauf Sie bei den Vertragsverhandlungen und der Gestaltung des Kaufvertrages besonders achten sollten.

  • Marketing-Tipps für Startups mit kleinem Budget

    Insbesondere Startups benötigen in der Anfangszeit viele Kunden, doch für ein effektives Marketing fehlt oftmals das Geld. Mit folgenden Tipps gelingt dies auch mit kleinem Budget.

  • Gründer gesucht

    Gründer gesucht

    Um die Gründerkultur in Deutschland ist es nicht gut gestellt. Eine Studie gibt Aufschluss und ein Unternehmer erzählt aus der Praxis.

  • Beratungsfalle Nachfolge

    Bei der Unternehmensnachfolge helfen Firmeninhabern spezialisierte Berater. Woran Sie einen seriösen Berater erkennen.

  • Multiples: Äpfel mit Äpfeln vergleichen

    Realer Unternehmenswert

    Mit Hilfe der Deutsche Unternehmerbörse DUB.de können Firmenchefs nun sehr viel genauer den Verkaufswert ihres Unternehmens berechnen.

  • Expansion im Franchise

    Mut zur Größe

    Weshalb Franchisenehmer in den Angriffsmodus schalten sollten.

  • Jörg Utecht (Interhyp)

    Digitalisierung: Mit breiter Brust

    Was revolutioniert die Finanzbranche? Wer steht wo im Wettstreit um Digital Leadership? Und wie generiert man Innovationen? Fragen an Vorstand Jörg Utecht vom Ur-Fintech Interhyp.

  • Klein, aber fein – und Renditebringer. Das sind die Börsenzwerge aus der zweiten Reihe.

    Hidden Champions fürs Depot

    Börsenzwerge aus der zweiten Reihe bringen ordentliche Renditen, sind aber auch riskanter – oder etwa nicht?

  • Mehr Unternehmenskäufer

    Mehr Unternehmenskäufer

    Faustdicke Überraschung: Die Zahl der Menschen, die ein Unternehmen kaufen wollen, ist deutlich angestiegen.

  • Fortsetzung folgt

    Fortsetzung folgt

    Die häufigsten Fallstricke bei einer familieninternen Unternehmensnachfolge.

  • Haftung bei einer Kommanditgesellschaft

    Kommanditgesellschaften im Check

    Die Kommanditgesellschaft gehört zu den häufigsten Rechtsformen in Deutschland. Was müssen Gründer über KGs wissen? DUB.de erklärt es.

  • Langsamer Generationswechsel blockiert Investitionen

    Alter schützt vor Torheit nicht

    Das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer ist so hoch wie nie. Die älteren Chefs investieren weniger – uns setzen damit ihren Erfolgs aufs Spiel.

  • Hui buh - Kommt das Inflationsgespenst nach Deutschland?

    Trump, das Inflationsgespenst?

    Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten steigen die Anleiherenditen. Kehrt jetzt auch in Deutschland das Inflationsgespenst zurück?

  • Mangelware Unternehmer

    Mangelware Unternehmer

    Viele mittelständisch geprägte Regionen stehen vor einem doppelten Problem: Sie haben nicht nur zu wenig Fachkräfte, sondern auch zu wenig Unternehmer.

  • Franchise in der Gastronomie?

    Futtern und Franchise ...

    ... passen zusammen wie Pommes und Burger. Wer sich im Gastronomie-Bereich selbstständig machen will, sollte über den Fast-Food-Bereich hinausblicken.

  • Kein Nachfolger in Sicht?

    Den Richtigen (Chef) finden

    Wer einen externen Manager anheuert, holt sich oft Probleme ins Haus. So finden Unternehmen den richtigen Kandidaten.

  • Tour de Force durchs Silicon Valley

    10 Unternehmen in 2,5 Tagen: Deutsche Unternehmer haben digitale Vorreiter besucht. Ein inspirierender Reisebericht.

  • So finden Sie einen Geschäftsführer richtig per Stellenanzeige

    Neun Tipps für die perfekte Stellenanzeige

    Flexibel, teamfähig, hohe Einsatzbereitschaft – langweilig! Wer Top-Bewerber für Führungspositionen will, muss kreativ werden.

  • Viele Mittelständler patzen bei der Nachfolgeplanung

    Verpatzte Planung

    Eine internationale Studie legt den Finger in die Wunde: Nur jedes vierte Familienunternehmen in Deutschland plant die Nachfolge.

  • Praktikantenbörse

    Top-Athlet - und dann?

    Was muss passieren, damit mehr Top-Athleten nach der Sportkarriere ihren Weg ins Top-Management finden? Diese und weitere Fragen standen beim Talk der DUB-Praktikantenbörse auf der Agenda.

  • Kleine Helfer, große Wirkung: Assistenzsysteme

    Kleine Helfer, große Wirkung

    Elektronische Assistenzsysteme wie Parksensoren sind vermehrt nun auch in Nutzfahrzeugen zu finden.

  • Einen Klick entfernt

    Drei, zwei eins, ...

    Onlineshopping boomt – eine E-Commerce-Seite will aber gut geplant sein.

  • Kampf mit dem Gewissen

    Schwieriger Spagat

    Benötigt ein Angehöriger dauerhaft Hilfe, pflegen ihn oft Partner und Verwandte. Was aber, wenn auch ein Unternehmen zu führen ist?

  • Frauke Fees

    Marke ohne Budget

    Auch mit Kreativität und Leidenschaft lässt sich eine Marke bekannt machen, sagt Beraterin Frauke Feess – wenn man die Zielgruppe gut kennt.

  • Dr. Kerstin Nina Schulz, Anwältin für Franchiserecht

    Rettung für gekündigte Franchisenehmer

    Wenn Franchisenehmern der Vertrag gekündigt wird, stehen sie häufig vor dem Nichts. Ein Paragraf im Handelsgesetzbuch schafft Abhilfe.

  • Hagen Rickmann, Telekom

    Deutscher Mittelstand meets Silicon Valley

    Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland hat beide zusammengebracht. Ein Erlebnisbericht.

  • Christoph Keese

    Messerscharf analysiert

    Christoph Keese wurde mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2016 ausgezeichnet. Für das DUB UNTERNEHMER-Magazin analysiert er exklusiv, was wir vom Silicon Valley lernen müssen.

  • Auf in die Selbstständigkeit

    20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich abzusprechen – das sind nur einige Vorteile der Selbstständigkeit. So funktioniert’s.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick