Unternehmensnachfolge im Fokus

Geschäftsübernahme – 7 Punkte die Sie unbedingt beachten müssen

Unternehmensnachfolge im Mittelstand ist kein triviales Thema. Der Kaufinteressent sollte die favorisierte Firma genau prüfen, um Risiken bei einer Geschäftsübernahme zu vermeiden.

Geschäftsübernahme - Haben Sie alle Risiken sorgfältig abgewogen?
Ist es das Risiko wert? Bei einer Geschäftsübernahme sollten Vor- und Nachteile sorgfältig abgewägt werden.

Ein vorhandenes Geschäft zu übernehmen ist, im Gegensatz zur Gründung einer Firma, mit vielen Vorteilen verbunden. Zum einen bekommt der Käufer zumeist ein florierendes Unternehmen, dass über einen guten Ruf verfügt. Und der Verkäufer freut sich, dass ein Nachfolger gefunden ist. Bevor sich aber der Interessent zum Kauf entschließt, sollte einiges geprüft werden.

1. Lage

Lage, Lage, Lage: So heißt das entscheidende Kriterium bei Immobilien aller Art, wenn es um deren Wert geht. Speziell bei Geschäftsimmobilien ist zu klären, ob die Verkehrsanbindung gut ist, ob Laufkundschaft reichhaltig vertreten ist und ob schon Konkurrenz in der Nähe ist. Ist das Unternehmen hauptsächlich online unterwegs, dann muss es online auffindbar sein. Eine Standortanalyse hilft bei der Erkennung von Chancen und Risiken weiter. Machen Sie sich selber aber auch genaustens ein Bild: In erster Linie muss Ihnen das Umfeld passen, sonst werden Sie nicht glücklich und können Ihren Kunden nach einer möglichen Geschäftsübernahme kein guter Verkäufer sein.

2. Renommée der Firma

Gute Produkte, fähige Mitarbeiter, schöne Einrichtung – und trotzdem ist der Ruf mau. Sie sollten sich also dringend erkundigen, wie das zu kaufende Unternehmen aus dem Mittelstand angesehen ist. Dazu lohnt sich die Nachfrage bei Stammkunden, Anwohnern und Lieferanten. Ebenso ist zu empfehlen, dass Sie sich auf Bewertungsportalen schlau machen. Senken Experten den Kopf, sollten Sie nachdenklich werden. Schließlich erfordert es viel Zeit und Engagement, den ruinierten Ruf einer Firma aufzupolieren.

3. Zukunftsfestigkeit des Geschäftsmodells

Manche Firmen, lange erfolgreich auf dem Markt, verschwinden plötzlich sang- und klanglos. Disruptive Angreifer wie etwa AirBnB im Hotelmarkt haben ihr Geschäftsmodell zerschlagen. Sie sollten sich also fragen, warum der bisherige Eigentümer der Firma verkaufen will und die Unternehmensnachfolge angeht. Hat die Firma eine gute Perspektive, auch die nächsten Jahre und Jahrzehnte? Man sollte deshalb das Gespräch mit Branchenexperten suchen und sich die Zahlen des Unternehmens, ob für die Vergangenheit oder die Planung, genau ansehen.

4. Innovationen

Jedes Unternehmen braucht ein Alleinstellungsmerkmal und innovative Produkte oder Dienstleistungen. Gibt es letztere nicht, kann viel Zeit ins Land gehen, bis diese entwickelt werden. Diese Investitionen in die Entwicklung von Produkten sind nicht zuletzt kostenintensiv. Das sollte man bei der Geschäftsübernahme einer Firma unbedingt beachten. Zur Entwicklung von innovativen Produkten gehören schnelle wie effiziente Arbeitsprozesse sowie eine belastbare Unternehmenskultur. Diese sollten sie stichprobenhaft untersuchen und deren Ergebnis mit in der Berechnung des Kaufpreises berücksichtigen.

5. Vom Gebäude über die Mitarbeiter bis zur IT

Eine Firma ist facettenreich. Deshalb sollten Sie sich - je nach Branche - intensiv ein Bild vom Zustand der Gebäude, der Inneneinrichtung, aber vor allem auch der IT-Infrastruktur und der Mitarbeiter machen. Vor allem für die bauliche Substanz der Gebäude ist häufig ein Gutachter hilfreich. Wenn Sie sich mit der IT nicht auskennen, ist es ebenfalls notwendig hierzu einen Experten heranzuziehen. Gerade eine moderne IT ist das A und O für die Zukunftsfähigkeit der Firma. Last but not least sollten Sie mit möglichst vielen Führungskräften aber auch nicht-leitenden Mitarbeitern sprechen. Prüfen Sie, ob diese Weiterbildung benötigen, taxieren Sie, ob das Personal fachlich auf dem neusten Stand ist.

6. Bestehende Verträge

An vielen Stellen ist eine Firma mit dem Recht untrennbar verbanden, etwa beim Mietvertrag, bei Lieferverträgen oder Arbeitsverträgen. Mit der Übernahme einer Firma aus dem Mittelstand gehen auch die bestehenden Verträge in Ihr Eigentum über. Das bedingt, dass Sie vorher genaustens die Rechtsdokumente geprüft haben und für unproblematisch ansehen. Auch hier gilt wieder: Wer nicht über genügend Wissen auf diesem Gebiet verfügt, sollte sich juristischen Beistand einkaufen. Notieren Sie auch unbedingt, wann Verträge kündbar sind oder auslaufen und nutzen Sie, falls nötig, eine Änderungsmöglichkeit oder eine Kündigung. Besonders genau sollten Sie sich Arbeitsverträge und Geschäftsführervertrage ansehen, nicht zuletzt wegen möglicher hoher Pensionsverpflichtungen.

7. Übernahmepreis verhandeln

Am Ende des Tages und vielen rationalen Prüfungen sollte Ihr Bauchgefühl entscheiden. Nur wenn Sie hinter dem Geschäftsmodell stehen und sich grundsätzlich mit der Firma identifizieren, sollten Sie in konkrete Verhandlungen für die Geschäftsübernahme einsteigen. Der Käufer muss zunächst entscheiden, ob die Transaktion durch einen sogenannten Share Deal oder einen Asset Deal durchgeführt werden soll. Beim Share Deal übernimmt der Käufer die Gesellschaftsanteile des Unternehmens. Wer einen Firmenkauf à la Asset Deal durchführt, kauft das dem Unternehmen gehörende Vermögen und übernimmt alle Wirtschaftsgüter, wie etwa Produktionsanlagen, Grundstücke, Gebäude, Einrichtungen, Vorräte und Patente, sowie alle Verträge und Verbindlichkeiten des Unternehmens.

Generell ist bei der Verhandlung des Übernahmepreises Verhandlungsgeschick und genaue Kenntnis der Firma gefragt. Auch sollte man berücksichtigen, dass der Verkäufer häufig sein Lebenswerk in fremde Hände gibt. Möglicherweise macht es Sinn, den Verkäufer bei dieser Gemengelage noch einige Zeit als freien Berater anzustellen.

Noch Fragen zu Share oder Asset Deal? Hier finden Sie Antworten.

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