Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Last minute für Feinschmecker

Table4You: Zwei Ex-Google-Mitarbeiter betreiben eine Restplatzbörse für die gehobene Gastronomie.

Beim Griechen "Askitis" im noblen Düsseldorfer Zooviertel einen Tisch zu bekommen ist am Wochenende reine Glückssache. Doch unter der Woche bleiben schon mal Tische leer. Dann nutzt Inhaber Arthur Fuchs die App des Start-ups Table4You: "Wenn ich merke, es wird ein schlechter Mittwoch, stelle ich freie Plätze bei Table4You ein. So bekommen wir leere Tische voll."

Wie Last-minute-Angebote im Hotel oder Flugzeug vermarktet Table4You Restplätze in gehobenen Restaurants - auf die ganz normale Speisekarte gibt es 20 bis 30 Prozent Rabatt. Die Geschäftsidee haben sich der Deutsche Timo Beck, 31, und der Wiener Thomas Pinter, 34, in San Francisco abgeguckt. Dort lernten die Kollegen, die damals gemeinsam bei Google in Polen arbeiteten, das Portal Savored.com kennen: "Wir waren begeistert, weil wir in edlen Restaurants günstig schlemmen konnten."

In Deutschland gab es damals keinen Service dieser Art. Der Anbieter Gourmeo, fusioniert mit Konkurrent Tablespots.de, hatte 2012 nach kurzer Zeit wieder dichtgemacht. Im Ausland aber scheint das Prinzip zu funktionieren: Savored wurde inzwischen von der Gutscheinplattform Groupon geschluckt. Im Feinschmeckerland Frankreich ist La Fourchette populär mit 7.000 gelisteten Lokalen. Die Plattform hat sich Tripadvisor einverleibt. Und die Briten schlemmen last minute über Tablepouncer.

Hierzulande bot lediglich noch Groupon Rabattaktionen in Restaurants an, aber nur auf gesonderte Menüs. Von Groupon hält Gastronom Fuchs wenig: "Solche Rabattaktionen sind Eintagsfliegen, weil sie nur Schnäppchenjäger anziehen." Table4You, bei dem Askitis seit Gründung im Sommer 2014 teilnimmt, rechne sich dagegen für ihn, meint Fuchs - trotz 25 Prozent Rabatt für Gäste. "Köche und Kellner, die ich ohnehin bezahle, haben etwas zu tun und bekommen noch Trinkgeld", sagt er. Seine Frischeküche braucht ständigen Umschlag an Lebensmitteln. Denn: "Was nicht weggeht, müssen wir wegwerfen."

Etwa 75.000 Restaurants gibt es hierzulande. 2015 machten sie Schätzungen zufolge 49 Milliarden Euro Umsatz. Gerade in der gehobenen Gastronomie, die hohe Fixkosten hat, bleiben in Randzeiten viele Tische leer. Business Angel Petra Hartjes meint, das Konzept von Table4You könnte gelingen. Zwar würden die Deutschen weniger außer Haus essen als etwa Franzosen, sie seien aber Schnäppchenjäger. Wichtig für den Erfolg sei es jedoch, Table4You bekanntzumachen - auch mit attraktiven Restaurants.

"Der Vertrieb ist unsere größte Baustelle", weiß Beck. Die Geschäftsidee zu verbreiten und jeden Gastronomen persönlich zu überzeugen sei sehr aufwendig. Ein Mitarbeiter und ein Vertriebler helfen bei der Akquise. Es liegt noch viel Arbeit vor dem Team: In Deutschland gibt es Table4You erst in zwei Städten. In Düsseldorf machen rund 40 Restaurants mit. Im Fokus steht gehobene Küche wie im "Victorian" nahe der Königsallee oder das "Amano Verde" im Radisson Blu, aber auch Szenelokale. Beck: "Wir testen und rezensieren alle Restaurants selbst." In Köln nehmen rund 20 Lokale teil, 80 in Wien.

So funktioniert Table4You: Der Gast bucht auf der Homepage oder per App einen Tisch, dabei zahlt er 3,49 Euro pro Buchung für bis zu acht Leute. Das Restaurant zahlt einen Euro pro vermitteltem Gast, Fixkosten oder Mindestkontingente gibt es keine. Wichtig: Der Gast bekommt trotz Rabatt das gleiche Essen. Das hat der WDR in einem anonymen Test bestätigt. Er kann zudem mit Diskretion rechnen. "Man muss keinen Gutschein vorlegen oder ein Codewort nennen. Der Rabatt wird diskret von der Rechnung abgezogen", sagt Beck.

Der Rabatt drückt zwar die Marge der Gastronomen. Askitis-Wirt Fuchs beobachtet aber, dass diese Gäste oft spendabler sind und einen Wein oder ein Dessert mehr bestellen. Vor allem aber ist Table4You für Fuchs wirkungsvolles Direktmarketing. "Für eine Werbeanzeige zahle ich 3 000 Euro - ohne zu wissen, ob das neue Gäste bringt. "Sicher kämen auch mal Stammgäste mit Rabatt, dann aber vielleicht zweimal die Woche.

Timo Beck hat schon einmal für ein Start-up gearbeitet: "Starmeo, das seinerzeit größte deutschsprachige Social-Media-Portal für Stars, war mein Sprung in die Start-up-Welt." Gut zwei Jahre war er Co-Geschäftsführer, dann integrierte der deutsche WhatsApp-Konkurrent Hoccer, der inzwischen zu Ströer gehört, Starmeo in seine App. Heute arbeitet Table4You-Mitgründer Beck für ein Bewertungsportal. Thomas Pinter, der das operative Geschäft von Table4You führt, ist Vertriebsleiter eines Onlinezahlungsdienstes in Wien. Wie so viele Gründer können beide in der Anfangsphase vom Start-up allein nicht leben.

Hauptsitz von Table4You ist Villach in Österreich. "In Kärnten ist der Zugriff auf Fördergelder viel unbürokratischer", begründet Beck die Wahl des Standorts. "Da haben wir schon Kapital etwa für die App-Entwicklung erhalten, insgesamt 32 000 Euro." Für eine zweite Finanzierungsrunde sucht Table4You bis zu 300 000 Euro. Seit einem Jahr fördert ein Business Angel die Firma. 100 000 Euro investierte Guido Schmitt, Ex-Chef des Online-Wettanbieters Bet-at-home, der sich selbst einen Feinschmecker nennt und auch mit Kontakten in der Werbebranche hilft. Dafür erhielt er einen niedrigen zweistelligen Firmenanteil.

Auch Alexander Zumdieck, Geschäftsführer von Techstars Metro Accelerator, der viele Start-ups im Gastrobereich fördert, hält die Geschäftsidee für sinnvoll: "Table4You hilft Restaurantbesitzern, eine bessere Auslastung ihrer Kapazitäten zu erreichen, und damit einen maßgeblichen Treiber für den Erfolg von Restaurants zu beeinflussen. Wir halten dies für so wichtig, dass wir Groupraise, ein Start-up mit einem komplementären Konzept, unterstützt haben." Groupraise gibt es seit 2011 in den USA. Größere Gruppen essen gemeinsam, ein Prozentsatz der Rechnung geht an ein Wunsch-Hilfsprojekt. Demnächst will Groupraise auch in Deutschland Fuß fassen.

Da ist Table4You schon einen Schritt weiter. Bald sollen Berlin und Frankfurt im Angebot sein. Auch Hamburg, Graz und Salzburg stehen auf der Agenda. "In München zeigen sich Gastronomen noch recht verschlossen", räumt Beck ein. Das Ziel: "In einem Jahr wollen wir in allen deutschen Metropolen tätig sein." Wenn es gut laufe, ließe sich das Geschäftsmodell noch auf Polen oder die Türkei übertragen. Dort äßen die Menschen gerne gut, aber günstig. Immerhin kennen sich die beiden Gründer seit ihrer Zeit bei Google hier etwas aus.

TABLE4YOU AUF EINEN BLICK

  • Team: Die beiden Ex-Google-Mitarbeiter Timo Beck und Thomas Pinter gründeten die Firma Table4You 2014. Sie beschäftigt zwei Mitarbeiter.
  • Geschäftsidee Die App vermittelt freie Tische in der gehobenen Gastronomie. Last-Minute-Gäste erhalten gegen Gebühr einen Rabatt.
  • Investoren: Business Angel Guido Schmitt investierte 100 000 Euro, gesucht werden weitere 300 000 Euro.
  • Wettbewerber: Das US-Vorbild heißt Savored.com und gehört inzwischen zu Groupon. La Fourchette in Frankreich wurde von Tripadvisor gekauft. In Großbritannien gibt es Tablepouncer.

Nach oben


© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Die sechs Erfolgsgeheimnisse starker Markenfirmen

    Das Geheimnis starker Marken

    Warum will jeder ein iPhone? Weshalb sagen wir „Tempo“ statt „Taschentuch“? Die Marke macht den Unterschied.

  • Nachfolge in Deutschland

    Was kostet ein Unternehmen?

    Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie viel Geld 2015 bei Übernahmen geflossen ist. Die erstaunliche Antwort: In zwei Drittel der Fälle kein Cent.

  • Bernhard Kluge, Covendit

    Den richtigen Käufer finden

    Wer sein Unternehmen verkaufen will, braucht den richtigen Käufer. Klingt total trivial, ist es in der Realität aber nicht.

  • Mitarbeitersuche

    Wachstumsschmerzen

    Drei von vier deutschen Start-ups rechnen mit steigenden Umsätzen. Doch wer expandieren will, braucht auch mehr Personal.

  • Das 4-Stunden-Startup

    Das 4-Stunden-Startup

    Es hat ihn (noch) nicht reich gemacht, aber sein Leben bereichert: Felix Plötz hat ein Start-up aus der Taufe gehoben – neben seinem Hauptberuf.

  • Maui im Binnenland

    Surfen auf dem Baggersee

    „Stand Up Paddler“ bevölkern Deutschlands Badeseen. Ein (wackliger) Selbstversuch.

  • Kampf um die Besten

    Die neue Welt der Berater

    Big Data, Digitalisierung, Regulierung: Die Unternehmensberatung verändert sich rasant.

  • Gründer-Mekka Frankfurt

    Gründer-Mekka Frankfurt

    Was die drei Top-Start-ups vom Frankfurter Goethe-Unibator planen.

  • Wie Unternehmen von der Zusammenarbeit mit Hochschulen profitieren

    Fleißig wie die Bienen

    Die erfolgreiche Kooperation zwischen einer Hochschule und Firmen zeigt, was Unternehmen von Bienen und Ameisen lernen können.

  • Wie Wladimir Klitschko Probleme ausknockt

    Wie Wladimir Klitschko Probleme ausknockt

    Boxchampion und Entrepreneur Wladimir Klitschko erklärt, wie Unternehmer mit Problemen richtig umgehen.

  • Digitalisierung für Unternehmen

    Digitalisierungs-Europameister

    Hat Deutschland bei der Digitalisierung den Anschluss verpasst? Mitnichten! Kleine und mittelgroße Unternehmen haben in Europa sogar die Nase vorn.

  • Fusionskontrolle - Gibt es ein Risiko zu großer Marktmacht durch Unternehmenskäufe?

    Mit Kanonen auf Start-Ups

    Zwischen Wirtschaftsminister Gabriel und Start-up-Verbänden tobt ein Streit um die Fusionskontrolle.

  • Franchise-System: Wachstum mit Marke und Konzept

    Beziehungsstress im Franchising

    Vertrauen ist die Grundlage aller Beziehungen – nicht zuletzt von geschäftlichen. Doch beim Franchising wird es häufig auf eine harte Probe gestellt.

  • „Profi allein kann nicht das Ziel sein“

    Göttliche Erfolgsfaktoren

    Kult und Kommerz müssen kein Widerspruch sein. Wie dass geht, zeigt Oke Göttlich, Präsident des Fußballklubs FC St. Pauli.

  • Heatmap Europe

    Wo die Talente wohnen

    Entrepreneure gründen dort, wo auch die Talente wohnen - und zwar in Berlin, London oder Amsterdam.

  • Es geht auch ohne Kredit

    Es geht auch ohne Kredit

    Banken werden kritischer bei der Bonitätsprüfung, wie eine Umfrage zeigt. Mit diesen zwölf Tipps sichern Sie sich Ihre Finanzierung.

  • Zur Erforderlichkeit und Methodik der Bewertung Ihres Unternehmens

    Was ist meine Firma wert?

    Verkauf, Erbschaft, Finanzierungen – Anlässe, den Wert der eigenen Firma zu ermitteln, gibt es reichlich. Die vier wichtigsten Berechnungsmethoden im Überblick.

  • Deutschlands Firmen haben ein Nachfolgeproblem

    Chefs händeringend gesucht

    Deutschlands Unternehmen stehen vor einem gewaltigen Nachfolgeproblem. Wie virulent die Krise ist, zeigen aktuelle Zahlen der KfW-Bankengruppe.

  • Drei Top-Start-ups der FU Berlin

    Drei Top-Start-ups der FU Berlin

    Drei junge Unternehmen aus der Hauptstadt verraten, wie ihnen die Uni unter die Arme gegriffen hat und welche Tipps sie für angehende Entrepreneure parat haben.

  • Das Berater-ABC

    Das Berater-ABC

    Banker, Juristen, Transaktionsberater, Unternehmensberater – Spezialisten für den Mittelstand gibt es reichlich. Wann brauche ich wen?

  • Mensch 4.0

    Kollege Roboter

    Kein Computer hat das Bewusstsein eines Menschen – noch nicht. Aber in wenigen Jahrzehnten dürfte es laut Experten so weit sein. Und dann?

  • Bärenstarke Starthilfe der Hauptstadt

    Profund Innovation, der Inkubator der FU Berlin, hilft gründungswilligen Studenten auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Porträts dreier starker Kandidaten aus der Start-up-Schmiede.

  • Wenn nach dem Kind das Start-up kommt

    Mama managt das

    Sie sind jung, sie sind erfolgreich, sie sind Mütter: Deutschlands Mompreneure setzen Milliarden um. Wie machen die das?

  • Verkaufen leicht gemacht

    Verkaufen leicht gemacht

    Der Bundesverband M&A hat Standards für den Verkauf eines Unternehmens entwickelt, die den Prozess erheblich vereinfachen.

  • Firmeninhaber verstirbt plötzlich – was tun?

    Risiko Familienunternehmer

    Bei ihnen laufen alle Fäden zusammen: Familienunternehmer sind unersetzlich. Und genau das kann einer Firma zum Verhängnis werden.

  • Visionäre im Visier

    Reise zu den Digital-Mekkas

    Texas, Vancouver, Hamburg: Die DUB-Redaktion und XING-Gründer Lars Hinrichs haben sich auf Pilgerfahrt begeben und berichten von den neuesten Trends.

  • Top-Noten für Franchising

    Eine neue Befragung zeigt: 85 Prozent der Franchisenehmer würden es wieder tun. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben.

  • Unternehmen suchen verstärkt Chefs außerhalb ihrer Grenzen

    Verwaiste Chefsessel

    Zehntausende Unternehmen haben keinen Nachfolger. Doch der Mittelstand tut sich weiter schwer mit Managern von außen.

  • Aus alt mach neu

    Tortenschlacht

    Mit dem Tod des Firmenpatriarchen Aloys Coppenrath 2013 schlingerte Coppenrath & Wiese in eine Führungskrise. Was Firmenchefs besser machen können.

  • Helden von morgen

    Helden von morgen

    Start-ups brauchen Ideen, Kapital – und Rat. Heute fördern viele Hochschulen Gründer während der schwierigen Anfangsphase. DUB stellt die besten Gründungen von fünf Top-Hochschulen vor.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick