Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Makler erfinden sich neu

Wer bestellt, der zahlt: So lautet neuerdings das Prinzip für Maklerleistungen auf dem Mietwohnungsmarkt. Das verändert eine ganze Branche. Mit neuen Konzepten müssen Immobilienmakler jetzt die Vermieter überzeugen.

Sein sonnenblondiertes Haar weht im Wind, als er im Cabrio anrauscht. Mit Glück kommt er pünktlich, um die Wohnung aufzuschließen. Seine Stimme klingt generös beim Anpreisen der 40 Quadratmeter. Da werden sanierungsbedürftige Kaschemmen zu Handwerker-Wohnungen für Kreative, Ein- Zimmer-Apartments zu Ateliers mit offenem Charakter und Uralt-Küchen zu Retro-Fundstücken.

Der geneigte Leser ahnt, wer hier so klischeehaft beschrieben wird: der gute alte Mietmakler, wie ihn viele bislang sahen. Besonders in beliebten Großstadtlagen galt sein Verdienst quasi mit dem Aufschließen als gesichert – unabhängig davon, ob er nun gute Arbeit leistete oder sich nur gut in Szene setzte. Zahlen musste die Provision ohnehin meist der Mieter. Doch das ist jetzt passé. Denn seit Juni gilt das Bestellerprinzip. Demnach muss derjenige den Makler bezahlen, der ihn bestellt – in der Regel der Vermieter. Um ihn zu überzeugen, werden die Wohnungsvermittler jetzt erfinderisch.

Der Hamburger Tim-Simon Gundlach (28) etwa bietet auf seiner Internetseite Fairmieter-Service.de Maklerleistungen zum Festpreis. Egal, wie viele Exposés der Immobilienkaufmann verschicken, wie viele Besichtigungen er durchführen, wie viele Schufa- Auskünfte er einsammeln muss – das Finden eines neuen Mieters kostet den Vermieter immer 795 Euro.

Das ist rund die Hälfte dessen, was die meisten Makler vor Gesetzesänderung für eine Zwei-Zimmer-Wohnung an Provision einstrichen. Darüber hinaus gibt Gundlach sogar noch eine Garantie: Wenn der Mieter in den ersten 18 Monaten wieder auszieht, kümmert sich der Makler kostenlos um die Neuvermietung. Ein mutiges Angebot, denn der Aufwand ist schwer abschätzbar. „Als junges Unternehmen müssen wir auf uns aufmerksam machen“, erklärt Gundlach. „Mit transparenten Kosten punkten: Diese Nische hat sich durch das Bestellerprinzip eröffnet.“

Gut getimte Unternehmensgründung

Sein Online-Angebot besteht jetzt seit einem Jahr. Dass er genau zu diesem Zeitpunkt die Firma gründete, war kein Zufall, sondern geschah mit Blick auf die nahenden Gesetzesänderungen. Die Rechnung habe sich ausgezahlt, sagt der Jungunternehmer. „Seit 1. Juni haben wir verstärkten Zulauf festgestellt.“ Seitdem ist das Mietrechtsnovellierungsgesetz in Kraft und mit ihm das Bestellerprinzip, das die Mieter entlasten soll. Besonders in Ballungsgebieten, wo Interessenten nur schwer eine Wohnung finden, haben früher die Vermieter die Courtage in der Regel auf die Mieter umgelegt. Wer nicht zahlen konnte oder wollte, flog aus dem Bewerberpool. Heute müssen die Vermieter selbst zahlen und überlegen sich nun zweimal, ob überhaupt ein Vermittler notwendig ist, und wenn ja, welchen sie wählen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Makler sich neu positionieren müssen und wollen.

Auch große Player spielen mit

Selbst große, längst etablierte Immobilienunternehmen lassen sich etwas einfallen. Aigner Immobilien etwa, mit rund 300 Millionen Euro Objektvolumen einer der großen Akteure am Markt, hat pünktlich zum 1. Juni das Portal Mietwohnungsboerse.de ins Leben gerufen. Dort können sich Mieter ein Profil anlegen und Vermieter ihre Wohnung inserieren. Für beide Seiten ist das kostenlos. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt Geschäftsführer Thomas Aigner. Gestartet wurde mit 700 Mietinteressenten aus München und Umgebung, mittlerweile seien schon mehr als 2000 registriert. Einen direkten Gewinn hat das Unternehmen durch das Portal nicht. Nur wenn die Vermieter Aigner die Anzeige erstellen lassen und vielleicht weitere Maklerleistungen buchen. Aigner: „Vermietung ist nicht unser Hauptgeschäft, sie macht nur fünf Prozent unseres Umsatzes aus. Das Portal betreiben wir zur Kundenbindung. Wir wollen den Markt nicht den Start-ups überlassen.“

Vermietung wird nicht einfacher

Die Einfälle der jungen Unternehmen sind kreativ. Viele bieten ein Bausteinprinzip an. Bei Moovin.de beispielsweise zahlt der Vermieter eine Pauschale von 199 Euro pro Anzeige, die auf verschiedenen Portalen veröffentlicht wird. Und für weitere 79 Euro organisieren die Mitarbeiter auch Besichtigungen. Noch ein wenig ausgefallener: Bei Smmove.de müssen die Mieter ihre Wohnung ersteigern. Wer die höchste Miete bietet, erhält den Zuschlag. Das funktioniert allerdings wegen der Mietpreisbremse nur bis zum gesetzlich zulässigen Höchstbetrag, darüber kann der Mieter kürzen – der Vermieter hätte dann den Ärger am Hals. Wie zukunftsfähig die neuen Geschäftskonzepte sind, wird sich erst noch zeigen. Aigners Prognose: „Viele werden bald wieder verschwinden. Maklerprovision ist keine leichte Beute mehr, sondern muss erst verdient werden.“ Vermietung sei ein mühsames Geschäft für Anbieter, die auf Vermittlungsdienstleistung setzen. Und im Bereich des reinen Internetmarketings dominierten Immobilienscout24. de, Immonet.de und Immowelt.de bereits den Markt – da habe kein anderes Portal eine Chance.

Tim-Simon Gundlach macht sich über die Zukunft keine Sorgen. Sein Unternehmen ist gerade dabei zu expandieren: Fünf neue Büros eröffnet Fairmieter- Service.de demnächst in Hamburg.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Flottenmanagement
    Knifflige Entscheidungen

    Kaufen, leasen, finanzieren, mieten? Vor dieser Frage steht jedes Unternehmen, ganz gleich welcher Art und Größe, wenn es um die Anschaffung von Dienst-, Fuhrpark- oder Firmenwagen geht.

  • Auf in die Franchise-Selbstständigkeit
    Auf in die Franchise-Selbstständigkeit: Welche Freiheiten habe ich?

    Als Franchiser ist man befreit davon, eine eigene Idee zur Marktreife zu führen. Was kann man entscheiden, wo sind die Grenzen?

  • Veranstaltung Firmennachfolge in Hamburg
    Die Hürden bei der Firmennachfolge: einfach mal Ja sagen!

    Eine Firma zu verkaufen, das ist für manche Eigner so schwierig, wie ihr Kind in die Selbstständigkeit zu entlassen. Welche Befürchtungen Käufer und Verkäufer haben, zeigte eine Veranstaltung in Hamburg auf.

  • Joe Kaeser, Siemens
    Der Siemensianer

    Nie hat er für ein anderes Unternehmen gearbeitet: Siemens-Chef Joe Kaeser im Interview.

  • Öko-System
    Franchise wird grün

    Der Deutsche Franchise-Verband hat den Green Franchise Award vergeben. Und der Gewinner ist ...

  • Küche&Co
    Rückenstärkung

    Franchisesystem als Gängelband, so das vielfache Vorurteil. Wie es richtig gut laufen kann, erzählen zwei Gründer.

  • Das Who’s who deutscher Konzernlenker verrät exklusiv, wie es sich die digitale Welt von morgen vorstellt.
    Quintessenzen des Erfolgs

    Denke stets vom Kunden her! An welchen Leitplanken sich 15 Konzernchefs bei ihren Strategien orientieren.

  • Kai Enders im DUB UNTERNEHMER-Magazin Herbst 2016
    Modernisierung des Verbands

    Kai Enders, neuer Vorstand des Deutschen Franchise-Verbands, hat sich hohe Ziele gesteckt.

  • DFV-AWARDS
    Neue Aushängeschilder

    Der Franchise-Verband hat fünf Unternehmen ausgezeichnet. Was macht diese zu Botschaftern für die gesamte Franchisewirtschaft?

  • Lisa Mayer, Olympionikin und erfolgreiche Studentin ist Sport-Stipendiatin des Jahres 2016
    Sprinterin räumt ab

    Lisa Mayer, Olympionikin und erfolgreiche Studentin ist „Sport-Stipendiat des Jahres 2016“.

  • Der Transformator
    Wachgeküsst

    Wie aus einem unprofitablen Familienbetrieb ein europäischer Champion wird, zeigt das Beispiel Europart.

  • Regierung hilft Start-ups
    Regierung hilft Start-ups

    Dank Steuererleichterungen für Investoren sollen junge Unternehmen leichter an frisches Kapital kommen.

  • Erfolgreich mit Hundefutter: Franchise-Unternehmer Torsten Toeller
    Selfmade-Millionär auf Abwegen?

    Torsten Toeller, Chef des Franchise-Imperiums Fressnapf, zieht sich zurück. Was steckt dahinter?

  • Firmenwerte: KMU-Multiples
    Schwacke-Liste für KMUs

    Neue Tabellen von DUB.de und concess.de helfen bei der Bewertung kleiner und mittelständischer Unternehmen.

  • Migranten als Gründer
    Mehr als Dönerbude

    Wenn Migranten ein Unternehmen gründen, sind sie längst nicht mehr nur in den Bereichen Gastronomie oder Handel aktiv. Viele schaffen erfolgreich Jobs.

  • Firmen fiebern nach Fusionen
    Das große Fressen

    Bayer, Fresenius, Volkswagen: Deutsche Unternehmen sind in Shoppinglaune. Dabei sah es zu Jahresbeginn düster aus im M&A-Sektor.

  • MBO - Vom Manager zum Eigentümer
    Vom Manager zum Eigentümer

    Wenn eine Firma per Management Buy-out gekauft wird, muss nicht nur das Engagement der Besitzer in spe passen, sondern auch die Finanzierung.

  • Social Media im Franchise
    Social Media für Franchise

    Wie Franchise-Unternehmen Facebook, Twitter oder Whats App richtig nutzen.

  • War for talents
    Bereit für die Neuen? Wahl des Arbeitgebers bei der Generation Y

    Bei der Wahl des Arbeitgebers gilt die Generation Y als besonders anspruchsvoll. Welches Unternehmen positioniert sich am besten im ‚War for Talents’? Eine Studie will der Frage auf den Grund gehen.

  • Wladimir Klitschko 2016
    Veränderungen managen

    Ex-Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko und die Universität St. Gallen zeigen Führungskräften und Managern, wie sie die Herausforderungen der Digitalisierung meistern.

  • LMU München
    Start-up-Hochburg München

    Der Inkubator der Ludwig Maximilians-Universität München (LMU) hat bereits 165 Start-ups mit mehreren hundert Millionen Euro Marktwert hervorgebracht.

  • Stefan Wagner
    CSR ist kein Werbe-Chichi

    Stefan Wagner, Chef der HSV-Stiftung, sagt, weshalb Corporate Social Responsibilty nicht nur Marketing sein darf.

  • In England und Frankreich werden deutlich mehr Unternehmen in Firmenbörsen inseriert als in Deutschland
    Beliebte Firmenbörsen

    Hoppla, in England und Frankreich werden deutlich mehr Unternehmen inseriert als in Deutschland. Wieso?

  • Jaguar. Ein 67-jähriger Brite hat sein Unternehmen an seine Mitarbeiter verschenkt.
    Geschenk vom Chef

    Der Brite Peter Neumark hat ein besonderes Geschenk für seine Angestellten: das Unternehmen.

  • Kingii Startup 2016
    Mehr als Samwer

    Drei spannende Start-ups von der WHU – Otto Beisheim School of Management.

  • Olympioniken auf Praktikumssuche
    Olympioniken auf Praktikumssuche

    Einmal bei den Olympischen Spielen antreten – diesen Traum hat sich unser Team in Rio erfüllt. Um an ihrer zweiten Karriere zu feilen, suchen einige der Top-Athleten auf DUB.de nach einem Praktikumsplatz.

  • Pater Notker Wolf
    Der CEO der Benediktiner

    Notker Wolf, Abtprimas des Mönchsordens, über guten Führungsstil und ernsthaftes Zuhören.

  • Berlins Turbo für Gründer
    Die besten Start-ups der TU Berlin

    Hochschul-Inkubator der Technischen Universität Berlin fördert Unternehmertalente. Wir haben drei jungen Firmen über die Schulter geschaut.

  • Wie Franchise-Systeme die Digitalisierung anpacken
    Big Franchise-Data

    Sieben Franchise-Geber verraten, wie sie das Verhalten ihrer Kunden analysieren und was sie mit den Daten anfangen.

  • Die sechs Erfolgsgeheimnisse starker Markenfirmen
    Das Geheimnis starker Marken

    Warum will jeder ein iPhone? Weshalb sagen wir „Tempo“ statt „Taschentuch“? Die Marke macht den Unterschied.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick