Keine Links-Digitalen

Gregor Gysi: fordert eine neue Sichtweise seiner Partei auf den technologischen Wandel (Foto: picture alliance/ picturedesk.com)

Gregor Gysi hat zwei Dinge geprägt: "seine" Partei und das offene Wort. Er beklagt den Abstand der Linken zum digitalen Wandel und mahnt, dass Europas rechtliches Umfeld der Transformation hinterherhinkt. Für heute schon globale Herausforderungen fordert er globale Lösungen.

Gysi fordert. Nicht in Sachen Gesprächsatmosphäre. Die ist freundlich, offen, professionell. Allerdings mit Sichtweisen, die zum Nachdenken anregen (sollen). Auch seine eigenen Leute. Das langjährige Linken-Sprachrohr, das jüngst erneut direkt in den Bundestag gewählt wurde, sieht in der Sozialpolitik naturgemäß viele richtige Anstöße aus den eigenen Reihen, fordert seine Genossen aber auch auf, den bislang schwachen Draht zum Thema Digitalisierung, zu Technikern oder Ingenieuren zu stärken. Beim ­Besuch des DUB UNTERNEHMER-Magazins in Gysis Berliner Büro offenbart er zudem seine Vision eines zukunftsfähigen Deutschlands und Europas. Es spricht der Politprofi. Erfahrungsschatz und Erkenntnisse hat er auch in seinem just erschienenen Buch „Ein Leben ist zu wenig“ verarbeitet. Beides lesenswert.


Gysi über Konsequenzen aus der Bundestagswahl:
 Seit 1949 ist es das erste Mal, dass eine Partei, die in ihren Reihen Rechtsextremismus duldet, nationalistisch und rassistisch auftritt, im Bundestag vertreten ist. Eigentlich müsste es nun von der CSU bis zur Linken einen Ruck geben, um bei allen weiter bestehenden Unterschieden eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, die das Interesse, die AfD zu wählen, abbaut. Meines Erachtens müssen als Konsequenz der Wahlergebnisse zwei Dinge geschehen. Erstens müssen Fluchtursachen wirksam bekämpft werden, und zweitens braucht Deutschland einen sozialen Schub. 

Darüber hinaus ist auch eine Veränderung der Politik in Europa und weltweit vonnöten. Wir haben zwar eine funktionierende globale Wirtschaft, aber keine demokratisch legitimierte funktionierende Weltpolitik. Es gibt jedoch viele Unternehmen, die weltweit Beschäftigte haben, und alle Menschen im digitalen Zeitalter wissen, auf welchem Wohlstandsniveau man wo lebt. Das ist der Unterschied zu früher. Und deshalb stellt sich die soziale Frage nicht nur national, sondern weltweit. Interessant ist, dass keine Regierung weiß, wie sie darauf reagieren soll. Aus diesem Grund wird dies zu einer der Kernfragen der Zukunft werden.


...Über Chancen und Risiken digitaler Technologien: 
Wir müssen anders in die Bildung investieren als bislang – denn dort wird unsere Zukunft entschieden. Was Industrie, Wirtschaft und neue Technologien betrifft, herrscht bei den Linken sicher eine Art Konservatismus. Diesen teile ich nicht. Das war historisch mal anders, wenn es um bessere Arbeitsbedingungen ging. Fakt ist: Die sozialen Unterschiede nehmen immer weiter zu. Manch einer führt das – im Gegensatz zu mir – auch auf die neuen Technologien zurück. Eine technische Entwicklung kann man nie aufhalten. Computer können immer mehr leisten, trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz. Zum einen kann künstliche die menschliche Intelligenz an bestimmten Punkten nicht ersetzen. Zum anderen schaffen neue Technologien immer auch neue Arbeitsplätze. Ein Beispiel: Bevor das Telefon kam, gab es zum Beispiel keine Telefonseelsorge. Das heißt, mit jeder Erfindung oder Entwicklung wie der Digitalisierung erschaffen wir auch neue Berufe. Wenn die Produktivität sich so weit entwickelt, dass Maschinen immer mehr Tätigkeiten übernehmen, dann ist meines Erachtens ein bedingungsloses Grundeinkommen keine Lösung, sondern die Verkürzung der Arbeitszeit. Auch wenn heutige Unternehmer naturgemäß dagegen sind: Ein Blick auf die Gesamtentwicklung der Arbeitszeit zeigt, dass die technologische Entwicklung letztlich immer eine Verkürzung mit sich gebracht hat. 

Und dieser Prozess wird in angemessenen Schritten auch künftig weitergehen. Um dem Zustand, dass zunächst einmal mehr Arbeitsplätze wegfallen, als neue wachsen, entgegenzuwirken, braucht es mehr übergreifende Gremien aus Parteien, Gewerkschaften, Wissenschaft, Wirtschaft und Kirchen, in denen – geschützt vor äußeren Einflüssen – nachgedacht wird, um Lösungsansätze zu entwickeln.


...Über Beschäftigung, Spezialisierung und die Bedeutung des Mittelstandes: 
Der öffentlich geförderte Beschäftigungssektor ist die Lösung für diejenigen, die wir nicht in den Arbeitsmarkt hineinbekommen. Das Abwerben von Fachkräften aus der Dritten Welt ist bedenklich. Wenn wir diesen Weg gehen, schaffen wir neue Fluchtursachen. Vielleicht braucht die Dritte Welt ihre Fachleute selbst? 

Wir sollten uns weiter spezialisieren. Wir müssen nicht weltweit in allem die Besten sein. Das sind die USA im Übrigen auch nicht. Wir könnten doch zum Beispiel im Bereich der Websicherheit die Schutzmechanismen versuchen neu zu definieren und zu verbessern, weil man sich in Übersee viel weniger darum kümmert und vieles verschlafen hat. Das beste Beispiel verschlafener Zeit sind allerdings unsere Automobilkonzerne. Dort haben Ingenieure teure Zeit damit verbracht, geniale Software zu entwickeln, die den Konsumenten etwas vortäuschen sollte, anstatt eine neue Technologie für die Autos zu entwickeln. Wie ist die Position der Linken? Wir brauchen ein ernst zu nehmendes Bündnis mit dem Mittelstand, wenn wir die Macht großer Konzerne und der Banken wenigstens beschränken wollen. 


...Über neue Datenschutzrichtlinien: 
Wir können die Vorteile der Digitalisierung nicht über Bord werfen, nur weil der bisherige Datenschutz nicht mehr gewährleistet werden kann. Hier kann die Lösung nur heißen, den Datenschutz zu erhöhen. In erster Linie müssen Haftung und Verantwortung geklärt sein. Die Übereinstimmung zwischen Rechten, Pflichten und Verantwortung muss immer stimmen. Und das ist in Teilen des digitalen Sektors nicht der Fall. Das spricht aber nicht gegen die Digitalisierung an sich, sondern gegen die aktuelle Entwicklung und Ausgestaltung des digitalen Rechtsrahmens. Dort hinken wir als Gesellschaft und Politik der Entwicklung hinterher. 


Teil 1: Keine Links-Digitalen

Teil 2: Autobiographisches: Gysi über Erfahrungsschatz und Erkenntnisse

Das interessiert andere Leser

  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

  • Auf und davon

    Eine neue Generation von Selbstständigen erobert die digitale Geschäftswelt. Sie sind gut ausgebildet, kreativ – und reisen um die Welt. Warum immer mehr digitale Nomaden unterwegs sind.

  • Land der Handwerker?

    Das deutsche Handwerk steuert in die Krise: Ein Fünftel aller Handwerksunternehmer muss in den nächsten Jahren einen passenden Nachfolger finden. Wie das Kunststück gelingen kann.

  • Pension ohne Murren und Knurren

    Unternehmensverkauf mit Pensionszusage für den scheidenden Inhaber – bislang ein Hindernis für viele Nachfolger. Ein neues Urteil macht es beiden Parteien nun leichter.

  • Progression versus Tradition

    Unternehmerische Freiheit oder lieber finanzielle Sicherheit? Gute Preiskonditionen oder Erfolgsgarantie? Was Franchise-Pioniere und -Traditionalisten voneinander unterscheidet.

  • Roland Berger Interview
    Exklusiv: „Übernehmt Verantwortung“

    Audienz bei einer Eminenz. Warum Überzeugungen gerade für Unternehmer entscheidend sind und wie Menschlichkeit zum Erfolgsfaktor wird – Beraterlegende Roland Berger im Tacheles-Talk.

  • Homo Emoticus

    Niemand kauft einen Porsche nur, um Auto zu fahren. Niemand verkauft eine Firma nur, um Geld zu verdienen. Was die eigentlichen Motive für Käufe und Verkäufe sind.

  • Kurzer Prozess

    Thomas und Karin Schneider wussten genau, was für ein Unternehmen sie kaufen wollten. Ihnen ist eine Übernahme im Eiltempo gelungen. Was ist ihr Erfolgsrezept?

  • Lernen vom Gründer-Guru

    Shai Agassi ist so etwas wie der Bill Gates Israels. In den Neunzigern baute er gleich vier Unternehmen auf, seither folgten zwei weitere. Was Entrepreneure von ihm lernen können.

  • Der Countdown läuft

    Am 25. Mai ist es soweit – die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) tritt in Kraft. Was Unternehmen jetzt noch tun können, um die Regelungen umzusetzen.

  • Smart Energy und Elektromobilität
    Energiewende: Die Zukunft ist grün

    Energieversorgung von morgen: Vom smarten Zuhause über E-Mobilität bis hin zu innovativen und dezentralen Lösungen. Diese Unternehmen revolutionieren mit nachhaltigen Trends die Branche.

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Finanzierung von Innovationen

    Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen innovativ sein. Viele Investoren scheuen jedoch das damit verbundene Risiko. Deshalb ist Beteiligungskapital gefragt.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Risiken bei Kauf und Halten eines GmbH-Anteils

    Gesellschafter, die einen GmbH-Anteil kaufen oder halten, denken vielfach, dass bei voll einbezahlter Stammeinlage keine Haftungsgefahren drohen.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Den Kauf optimal bilanzieren

    Unternehmenstransaktionen werden immer komplizierter. Ihre Bilanzierung hat materielle Auswirkungen auf den Konzernabschluss des Erwerbers.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

  • Auf und davon

    Eine neue Generation von Selbstständigen erobert die digitale Geschäftswelt. Sie sind gut ausgebildet, kreativ – und reisen um die Welt. Warum immer mehr digitale Nomaden unterwegs sind.

  • Land der Handwerker?

    Das deutsche Handwerk steuert in die Krise: Ein Fünftel aller Handwerksunternehmer muss in den nächsten Jahren einen passenden Nachfolger finden. Wie das Kunststück gelingen kann.

  • Pension ohne Murren und Knurren

    Unternehmensverkauf mit Pensionszusage für den scheidenden Inhaber – bislang ein Hindernis für viele Nachfolger. Ein neues Urteil macht es beiden Parteien nun leichter.

  • Progression versus Tradition

    Unternehmerische Freiheit oder lieber finanzielle Sicherheit? Gute Preiskonditionen oder Erfolgsgarantie? Was Franchise-Pioniere und -Traditionalisten voneinander unterscheidet.