Hamburg, 17.05.2017

Der Start-up-Fabrikant

Industrial Farmer Cornelius Boersch hat ein System. Der Founder und Chairman von Mountain Partners verrät, wie attraktive, aber risikoreiche Start-up-Investments kalkulierbarer werden. Beim Blick auf die digitalen Trends der Zukunft setzt er weniger auf Themen und Branchen als auf Konstellationen.


Start-up-Produktion: Mountain Partners setzt auf den Erfolg von „industrial farming“ (Foto: iStock.com/Yapanda)

Start-ups und Langfristperspektive, Gründergeist und industrielle Systematik – Begriffspaare, die auf den ersten Blick nicht recht zueinander zu passen scheinen. Für Cornelius Boersch und seine Mountain Partners jedoch steckt darin die Quintessenz aus einem Vierteljahrhundert unternehmerischen Wirkens.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welche Trends sehen Sie in einer sich digital transformierenden Wirtschaft und auf welche Branchen setzen Sie?
Dr. Cornelius Boersch: Ich sehe mir ungefähr zehn Start-ups pro Tag an. Die Erkenntnis daraus: Einzelnen Trends zu folgen reicht nicht. Das Bild, das ich gewinne, wird von einem grundlegenden Wandel bestimmt. Zum Beispiel von der beeindruckenden Dynamik der digitalen Revolution. Spannend ist dabei zu beobachten, wie es die etablierten Player trifft. Als ich vor 20 Jahren bei Immobilienscout investierte, haben Zeitungsverleger, mit denen ich sprach, nachsichtig gelächelt, als ich sagte, dass Häuser und auch Autos irgendwann vor allem über das Netz verkauft werden. Heute lacht keiner mehr. Aktuell stehen die Banken und noch mehr die Versicherungen vor dramatischen Veränderungen. Um disruptive Angreifer abzuwehren, helfen keine Investitionen von 20 oder auch 100 Millionen Euro pro Jahr. Es müssten Milliarden sein. Hinzu kommt: Die Transformation muss langfristig von der Spitze aus verfolgt werden. Von einem Offline-Geschäftsmodell in ein digitales zu wechseln dauert. Bis ein Start-up marktreif ist, können sieben bis acht Jahre vergehen. Im Technologiebereich dauert es etwa zehn Jahre. Diese Zeiträume stehen im Widerspruch zu den Vertragslaufzeiten der CEOs in der Banken- und Versicherungswelt. Deren Investoren suchen eine sichere und stabile Geldanlage – viel Geduld haben sie nicht. Das passt nicht zur Dynamik der Veränderung. Wir haben hier ein Mentalitätsproblem. Konservativ zu sein heißt am Ende, den Zug zu verpassen. Dabei sind die Voraussetzungen doch da: etablierter Markenname, große Kundenklientel.

Künstliche Intelligenz gilt vielen Experten als „next big thing“. Wie schätzen Sie das disruptive Potenzial von AI-Technologien ein? 
Boersch: Bei einem Hype wie hier bin ich grundsätzlich erst einmal skeptisch. Aus meiner Sicht bietet AI sicher viele Möglichkeiten, aber in so vielen Anwendungsfällen, dass sich ein Gesamturteil derzeit noch nicht seriös erlaubt. Die Entwicklung wird ihren Einfluss haben, aber ob in der prognostizierten Geschwindigkeit ist fraglich. Die notwendigen Investitionssummen bedeuten, es werden zunächst nicht die Start-Ups, sondern die Großen sein, die diesen Trend reiten.

In China werden über ein einziges Portal wie WeChat soziale Kommunikation, Online-Einkäufe und Finanzgeschäfte abgewickelt – ein Zukunftsmodell?
Boersch: Es ist durchaus möglich, dass es so kommt. Dahinter verbirgt sich allerdings – und das ist aus meiner Sicht viel gravierender – dass wir hierzulande die Entwicklung im Digitalbereich komplett verschlafen haben. Google, Alibaba oder auch WeChat haben den Endkundenkontakt und lassen sich das auch gut bezahlen. Das Problem ist, dass wir in Deutschland aktuell noch sehr erfolgreich sind – mit Weltmarktführern in vielen klassischen Industriebereichen. Darauf haben wir uns aber zu lange ausgeruht. Den digitalen Endkundenkontakt haben wir verloren.

Mountain Partners begreift sich als Company Builder – worin unterscheidet sich dieser Ansatz von dem klassischer Beteiligungsgesellschaften?
Boersch: Wir verfolgen einen langfristigen Ansatz. Meine eigene unternehmerische Vita mit mehr als 250 aufgebauten Start-ups in bislang 27 Jahren Tätigkeit ist Beleg dafür. Der Megatrend sind für uns Start-ups. Hier zu investieren ist grundsätzlich die unsichere Form der Geldanlage. Auf der anderen Seite ist die Renditechance aber höher. Und Start-ups verkörpern den Wandel, sie verharren nicht, sondern tun etwas. Im Silicon Valley, aber auch in Berlin setzen sie technologisch die Trends von morgen. Glücklicherweise wandelt sich die öffentliche Wahrnehmung von Start-ups aktuell ins Positive. Geschichten vom Scheitern, wieder aufstehen und Erfolg haben sind populär. Dieser Unternehmergeist hat traditionell auch Großkonzerne wie Siemens & Co. geprägt. Heute ist das leider nicht mehr so. Start-ups haben die überlegenen Anreizsysteme und sind mit ihrer DNA auch Treiber des gesellschaftlichen Wandels.

Teil 1: Der Start-up-Fabrikant
Teil 2: Globale Kapazitäten
Teil 3: Die größte Wertschöpfung

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