Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Zahlt mir meinen Traum!

Onlineplattformen sammeln immer mehr Geld für neue Projekte und Firmen. Doch das System hat Risiken.

Monk schnarcht. Erstaunlich laut für einen Hund seiner Größenklasse, der problemlos in die Handtasche passt. "Er langweilt sich, wenn ich nur sitze und rede", sagt Danae Ringelmann. Dabei erzählt die Internetunternehmerin doch gerade von "the next big thing", das sie - eine der wenigen Gründerinnen im kalifornischen Silicon Valley - mit angestoßen hat.

Ringelmann glaubt: Das nächste große Ding ist Crowdfunding, bei dem viele Menschen mit kleineren Beträgen Projekte über das Internet finanzieren. Sie hat die Onlineplattform Indiegogo gegründet, neben Kickstarter der bekannteste Anbieter von Crowdfunding.

Der Markt wächst tatsächlich rasant. Nach Berechnungen des US-Marktforschers Massolution beschafften sich 2012 Menschen aus aller Welt 2,7 Milliarden Dollar über Crowdfunding. Die Prognose für 2013 liegt bei gut fünf Milliarden Dollar. Wer Geld für ein unternehmerisches, kulturelles oder soziales Projekt braucht, startet auf Plattformen gegen eine Gebühr eine Kampagne. Indiegogo ermöglicht Kampagnen in 190 Ländern, vier Sprachen und fünf Währungen.

Jeder, der ein Vorhaben in barer Münze unterstützen möchte, kann das tun. Beim Crowdfunding auf Plattformen wie Indiegogo und Kickstarter gibt es im Gegenzug eine Art Anerkennung. Das kann das Produkt sein, dessen Entstehung mitfinanziert wurde, oder ein Auftritt, wenn man eine Filmproduktion bezuschusst. Manchmal ist es nur ein Dankeschön. Bei Crowdfunding als Investment - Crowdinvesting genannt - holen sich Start-ups Geld von Kleinanlegern, die stille Teilhaber oder Aktionäre werden.

Die US-Notenbank beobachtet den Markt bereits aufmerksam, um seine Dynamik zu verstehen, wie Jeremy Stein, Mitglied des Board of Governors, sagt. "Es ist sehr wichtig für uns als Institution, den Finger am Puls der Finanzinnovationen zu haben." Seiner Ansicht nach gibt es für Crowdfunding durchaus weitere Anwendungen, es könne zum Beispiel bei Projekten in Kommunen eingesetzt werden.

Auch Europa hat das Potenzial von Crowdfunding erkannt, vor allem für kleine und mittelständische Firmen. Vorige Woche stellte die EU-Kommission ein Paket vor, das neue Wege zur Kapitalbeschaffung aufzeigen soll. Crowdfunding sieht die EU als "vielversprechende neue Finanzierungsquelle". Die Kommission will unterschiedliche Gesetze in den EU-Ländern vereinheitlichen und ein "Gütezeichen" einführen. Das Crowdfunding-Volumen in Europa wird 2013 auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Anders als in den USA ist in Europa und vor allem in Deutschland Crowdinvesting populärer. Zu den bekannten Plattformen hierzulande gehören Seedmatch, Companisto, Innovestment und Bergfürst. Sogar im Koalitionsvertrag ist von einem Rechtsrahmen die Rede, der für Crowdinvesting geschaffen werden soll. Aber auch das Crowdfunding mit Anerkennung wird beliebter. Ein prominentes Beispiel für eine Mischform ist "Stromberg". Das Geld, um die TV-Serie auf die Kinoleinwand zu bringen, steuerten zum Teil die Fans des berühmt-berüchtigten Ekelchefs bei. Immerhin eine Million Euro.

Es gibt aber längst nicht nur positive Stimmen. Kritiker, auch die EU-Kommission, bemängeln fehlende Transparenz und Sicherheit. Dazu kommen gerade beim Crowdinvesting das hohe Investitionsrisiko und die fehlende Kontrolle der Geldgeber. Auch wird immer wieder moniert, dass zu viele Kampagnen ihren Zielbetrag nicht erreichen. Bei Kickstarter sind nach einer Studie des US-Technikportals "The Verge" mehr als 40 Prozent erfolgreich, bei Indiegogo ist es geschätzt nur eine von zehn Kampagnen. "Das ist falsch", erklärt Indiegogo-Mitgründerin Ringelmann. Wie das korrekte Verhältnis ist, mag sie nicht sagen.

Ein Nachteil von Crowdfunding ist die Gefahr von Betrug. Ob Ideenklau, gefälschte Kampagnen oder Zweckentfremdung des eingesammelten Geldes - die Bandbreite ist groß. Indiegogo prüft Kampagnen vorher generell nicht. "Wir sind eine für alle offene Plattform. Wir beurteilen nicht, wer das Recht hat, Geld für ein Projekt aufzutreiben", erläutert Ringelmann. Es gebe technische Verfahren, um verdächtige Kampagnen herauszufiltern.

Heikel ist auch das Thema Datensicherheit. Im Februar ist Kickstarter gehackt worden, wobei Nutzernamen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Passwörter gestohlen wurden. "Wir behaupten nicht, das könnte uns nie passieren", sagt Ringelmann. "Aber wir haben seit 2009 viel Arbeit in die Plattform gesteckt, auch in Sicherheit. Das zahlt sich jetzt aus."

Bei Indiegogo wird in großen Dimensionen gedacht. Bei den rund 85 Mitarbeitern gilt: "In den 80ern drehte sich alles um Computer, in den 90ern um E-Commerce, in den 2000ern um soziale Netzwerke, und in diesem Jahrzehnt dreht sich natürlich alles um Crowdfunding." Wie groß kann Indiegogo werden? Ringelmann überlegt: "Es gibt keine Grenze."

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Das interessiert andere Leser

  • Erfolg ist Verhandlungssache

    Zehnmal täglich verhandeln Führungskräfte im Schnitt. Wie gut sie sich in den Gesprächen durchsetzen, wird auch durch ihre Taktik bestimmt. Der Erfolg beginnt schon mit der Vorbereitung.

  • Geld auf breiter Basis

    Crowdfinanzierungen machen als alternative Kapitalquelle von sich reden. Der Markt ist zwar klein, doch mehr als eine Schwärmerei.

  • Kühler Kopf beim Turnaround

    Wenn die Kosten steigen, der Absatz stockt und der Umsatz sinkt, darf das Management keine Zeit verlieren. Wie mittelständische Unternehmen Restrukturierungen am besten angehen.

  • Auf der sicheren Seite

    Die 17 deutschen Bürgschaftsbanken sind private Förderinstitute, die mittelständischen Unternehmen den Weg zu mehr Kapital ebnen.

  • Erfolg beginnt im Kopf

    Was verbindet Mark Zuckerberg und Wickie den Wikinger? Ihr Erfolg beginnt im Kopf. Der eine erdachte Facebook, der andere hilft seinen Freunden mit klugen Einfällen. Die Idee ist die Basis für erfolgreiches ...

  • Großprojekte im Fokus

    Projektinvestitionen sind oft Meilensteine bei der Erreichung strategischer Ziele. Häufig gehen damit hohe Risiken einher, die besonderer Aufmerksamkeit von Management und Aufsichtsrat bedürfen.

  • Vorbildliche Führung

    Ottmar Hitzfeld erklärt auf dem zweiten DUB UNTERNEHMER-Dinner, wie er Teams erfolgreich führt und wie er lernen musste, Druck zu managen.

  • Halterhaftung für den Fuhrpark

    Halterhaftung für den Fuhrpark birgt für den Verantwortlichen ein erhebliches Haftungsrisiko, das sich besonders offenbart, wenn es um die Haftungsverteilung nach einem Verkehrsunfall geht.

  • Das Geheimnis der Gewinnmaschinen

    Anlegern gelingt es nur sehr schwer - viele Unternehmen, auch deutsche, schaffen es aber Jahr für Jahr. Sie streichen Renditen von 25 und mehr Prozent ein.

  • Führen mit Stil

    Über Managementprinzipien und E-Commerce-Wandel diskutierten Otto-Vize-Chef Dr. Rainer Hillebrand und Ebay-Deutschland-Lenker Dr. Stephan Zoll auf dem ersten Hamburger Unternehmer-Dinner von EO und DUB.

  • Können Unternehmer ein Privatleben haben?

    Führungskräftetrainer und Effizienzexperten engagieren sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch vielbeschäftigte Unternehmer finden dieses Ziel oft unrealistisch.

  • „Wichtig war, nie abzuheben“

    „Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“ – unter diesem Titel ist eine Biografie über Professor Dr. Reinfried Pohl, den Gründer der Deutschen Vermögensberatung AG, erschienen. DUB UNTERNEHMER sprach mit ihm über ...

  • Passion für Pferde

    In dieser Serie berichten Unternehmerpersönlichkeiten davon, welchen Leidenschaften sie in ihrer Freizeit nachgehen. Den Auftakt macht Albert Darboven, Vorstandsvorsitzender und Inhaber des ...

  • Rendite – eine Standortfrage

    Deutschland ist im Immobilienfieber, auch bei Unternehmern. Beliebt sind nach wie vor A-Standorte wie München oder Frankfurt am Main – doch sind sie auch lohnenswert?

  • China Inside

    Reisen, lernen, netzwerken – Ende Mai wird eine „Handelsblatt“-Reisedelegation Kurs gen China nehmen, um das Reich der Mitte zu erkunden. Fünf Unternehmerinnen und Unternehmer erzählen, warum sie mit an Bord ...

  • Stolpersteine für Fremdmanager in Familienfirmen

    Der eine gibt zu viel Geld aus, der andere geht zu selten durch die Produktion: Manager, die neu in ein Familienunternehmen kommen, haben es nicht immer leicht.Dabei haben die Außenseiter einen entscheidenden ...

  • „Man kann nicht alle Cyber-Angriffe verhindern“

    Cybercrime-Experte Marco Gercke über Strategien der Prävention, die Verantwortung der Vorstände und was man aus simulierten Attacken lernen kann.

  • Immer etwas mehr tun

    - sprich besser, fleißiger, erfolgreicher sein -, so das Credo von Professor Dr. Reinfried Pohl. Der 85-Jährige führt die DVAG, den größten eigenständigen Finanzvertrieb Deutschlands, seit fast vier ...

  • Bewertung von GmbH-Anteilen zu Verkehrswerten unter steuerlichen Prämissen

    Während bis zum Jahr 2008 GmbH-Anteile für die vorgenannten steuerlichen Zwecke mit dem Stuttgarter Verfahren bewertet wurden, gelten seit dem ersten Januar 2009 andere Regeln.

  • Öko-Vorbild

    Claus Hipp leitet in dritter Generation den Säuglingsnahrungshersteller Hipp. Er führt die begründete Tradition der nachhaltigen Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln fort.

  • Was verdienen Vorstände?

    Aktionäre fordern heute maximale Transparenz über die Corporate Governance des Unternehmens. Dies gilt auch für die Vergütung der Vorstände.

  • Inhaber als Wachstumsbremse

    Wenn in Familienunternehmen nur einer das Sagen hat oder aber viel zu viele mitmischen, wachsen die Firmen langsamer.Dass dies nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt eine exklusive Studie, die dem ...

  • Einfacher, billiger, leichter

    Chinesische Firmen erobern den Maschinenbau. Die deutsche Vorzeigebranche ist alarmiert.

  • "Wir können zuhören"

    Die Hamburger Volksbank wurde in einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zu Hamburgs mittelstandsfreundlichster Bank gekürt.

  • Herausforderung Reporting

    Flexibler, schneller, transparenter – das Berichtswesen leistet heute mehr denn je einen wichtigen Beitrag zur Unternehmenssteuerung. Dazu bedarf es zuverlässiger Daten.

  • Wenn die Auslandsexpansion scheitert

    Wal-Mart zieht sich aus Deutschland zurück, Thyssen-Krupp kehrt Brasilien den Rücken und MyParfum macht eine Bruchlandung in den USA. Woran Auslandsgeschäfte scheitern – und warum manchmal Bescheidenheit ...

  • Chefs auf Zeit

    Die meisten Aufträge erreichen sie aus der Automobilbranche sowie vom Maschinen- und Anlagenbau. Auf Interim-Manager greifen immer mehr Unternehmen zurück. Dennoch gibt es weiterhin Skeptiker.

  • Runter vom Sockel

    Mehr und mehr Führungskräfte von Unternehmen warten nicht mehr, bis die Mitarbeiter kommen, sondern gehen direkt zu ihnen. Aber zu viel Nähe der Chefs ist riskant

  • Automatisch unter Kontrolle

    Die Automatisierung interner Kontrollen kann die Effizienz und Effektivität von Überwachungssystemen entscheidend erhöhen. In der Praxis wird dieses Potenzial selten genutzt.

  • Verstecken nützt nichts

    Viele Unternehmer haben die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf die einheitlichen europäischen Formate noch nicht in Angriff genommen. Dabei wird es höchste Zeit.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick