Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 13.02.2017

Mut zur Nische

Popcorn nur im Kino? Langweilig, findet Anastasia Borghardt. Die geschäftsführende Gesellschafterin der Investment Technological Advanced Innovative (ITAI) will den Maissnack salonfähig machen. Was sie über Start-ups und Investitionen in Nischenmärkte zu sagen hat, erzählt sie im Interview.

Borghardt bringt langjährige Erfahrung in der Geschäftsführung mit. (Foto: PR)

Anastasia Borghardt gründete 2013 mit nur 29 Jahren die ITAI, die sich auf Investition, Beratung und die Betreuung internationaler Investoren konzentriert. Zuletzt investierte sie 2016 in die Popcorn-Manufaktur G-Corn, deren Geschicke sie erfolgreich leitet. 

dub.de: Sie waren neun Jahre in dem Investmentunternehmen WITEC als Leiterin Expansion und Finanzen tätig, 2010 wurden Sie zur Geschäftsführerin berufen, im Juni 2013 gründeten Sie mit nur 29 Jahren die ITAI. Ein steiler Aufstieg. Was haben Sie anders gemacht?

Anastasia Borghardt: Ich hatte nie Berührungsängste mit neuen, unbekannten oder ungewöhnlichen Aufgaben, ganz im Gegenteil, mich hat alles Neue herausgefordert und gereizt. So konnte ich in relativ kurzer Zeit viel lernen, ausprobieren und meine Erfahrungen, sowohl positiver als auch negativer Art, sammeln. Voraussetzungen waren dafür natürlich ein entsprechendes berufliches Umfeld, hoher persönlicher Einsatz und bestimmt auch eine entscheidende Portion Mut an der einen oder anderen Stelle.

Während Ihrer Tätigkeit für die WITEC übernahmen Sie später die Geschäftsführung für die Sparten Stahl-, Maschinen- und Anlagenbau. Auf den ersten Blick hat das nicht viel mit Popcorn gemeinsam. Weswegen haben Sie beschlossen, in den Lebensmittelhersteller G-Corn zu investieren?

Borghardt: Zunächst mal erstrecken sich meine beruflichen Erfahrungen auf weit mehr Branchen, als in Ihrer Frage aufgeführt. Weiterhin hat die ITAI-GmbH zum Beispiel auch bereits in der Pharma-Branche investiert. Trotz alledem hat der Lebensmittelbereich in der Tat wieder etwas Neues. Bei der G-Corn war beziehungsweise ist das Produkt aber von Anfang an derart überzeugend, dass ich mich entschieden habe, zu investieren. Unser Gourmet-Popcorn schmeckt nämlich unglaublich gut. Darüber hinaus bin ich bei der G-Corn aber auch als geschäftsführende Gesellschafterin aktiv in allen Geschäftsprozessen eingebunden.

Sie haben eine Portion Mut schon als Mittel zum Erfolg erwähnt. Bringen speziell Unternehmerinnen Fähigkeiten mit, die sie von ihren männlichen Kollegen unterscheiden?

Borghardt: Das hängt mit Sicherheit vom Einzelfall ab und eine generelle Aussage ist hier meines Erachtens schwierig. Vielleicht sind aber Eigenschaften wie zum Beispiel eine gewisse Hartnäckigkeit, detailliertes, strukturiertes Vorgehen und die bestmögliche Kommunikation mit den jeweiligen Gesprächspartnern zum richtigen Zeitpunkt spezielle Fähigkeiten von weiblichen Kolleginnen.

Sie investieren in kleine bis mittelständische Unternehmen, die in Nischenmärkten aktiv sind. Warum sehen Sie vor allem hier Potenzial?

Borghardt: Die berühmte Suche nach der „Nadel im Heuhaufen“ ist natürlich aufwändig und mühsam. Jedoch haben die meisten „Nischen“ den Vorteil, dass sie nicht überlaufen sind, oft nicht richtig eingeschätzt oder erkannt werden, keine extrem hohe Volatilität aufweisen, der Erfolg im direkten Zusammenhang mit dem Engagement der handelnden Personen in Zusammenhang steht und in der Regel profitabel sein können.

Investments in Start-ups sind riskant – es heißt, nur eins von zehn überlebt das erste Jahr. Welche Erfolgsquote setzen Sie für Ihr Unternehmen?

Borghardt: Es gibt bei mir keine Festlegung auf eine bestimmte Quote. Jedes einzelne Investment wurde und wird mit dem Ziel getätigt, erfolgreich zu sein. Das hat bis dato auch sehr gut funktioniert. Darüber hinaus ist eine „gesunde“ Mischung in unserem Investment-Portfolio angestrebt, die sowohl Start-ups als auch nachhaltig wirtschaftende Unternehmen beinhaltet.

Was muss ein Start-up mitbringen, um sich dauerhaft am Markt behaupten zu können?

Borghardt: Zunächst ist selbstverständlich das Produkt beziehungsweise die Dienstleistung das alles entscheidende. Gibt es dafür eine konkrete Nachfrage beziehungsweise kann man dafür eine Nachfrage generieren, dann sind eine langfristige Strategie, die benötigte Finanzierung, viel Engagement und ein langer Atem meines Erachtens die wichtigsten Dinge, die ein Start-up mitbringen muss.

Kann man G-Corn dahingehend als Vorzeigeprojekt bezeichnen?

Borghardt: Die G-Corn muss jetzt noch kein Vorzeigeprojekt sein. Wir arbeiten einfach nur sehr engagiert und kontinuierlich daran, unsere Strategie Punkt für Punkt zu erfüllen. Wenn wir dann am Ende unseres ersten Planungshorizonts in drei Jahren erfolgreich waren, das heißt unsere Etappenziele erreicht haben, können wir etwas vorzeigen. Das gilt es abzuwarten.

Ihre Popcorn-Manufaktur hat zuletzt die International Food Standard-Zertifizierung erhalten und ist damit auch in Lebensmittelketten vertreten. Wie sieht der nächste Schritt aus?

Borghardt: Der nächste Schritt ist der unmittelbare Start einer umfassenden Marketing- und PR-Kampagne. Das kurz- bis mittelfristiges Ziel ist dann, aus dem Manufaktur-Status in die Volumenproduktion zu kommen. Gleichzeitig soll die Marke mit der oben genannten Kampagne zunächst bundesweit etabliert und eine entsprechende Vertriebsstruktur aufgebaut werden. Die mittel- bis langfristig angestrebte Internationalisierung wird dann mit weiteren Investitionen und entsprechenden Partnern vorangetrieben.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Bester Agrarunternehmer zum „Landwirt des Jahres“ gekürt

    Bei der „Nacht der Landwirtschaft“ wurden zum zweiten Mal die begehrten „CeresAwards“ für innovative Ideen und verantwortungsvolles Wirtschaften verliehen.

  • Mach dein Ding!

    So manch erfahrener Konzernmanager liebäugelt mit einem Chefsessel im Mittelstand. Und viele Unternehmer suchen dringend einen Nachfolger. So kommen beide zusammen.

  • Digital-Know-how für alle

    Wie externe Beiräte dabei helfen, Unternehmen einen Weg durch die digitale Revolution zu weisen.

  • Print ist nicht tot

    Mindshare-Chef Christof Baron erklärt, warum gedruckte Medien im Zeitalter der Digitalisierung unterschätzt werden und Inhalte so wichtig sind wie der Kanal.

  • Erfolgreiches Franchising in fünf Schritten

    Franchise erleichtert den Weg in die Selbstständigkeit. Die Systeme sind allerdings bei weitem kein Selbstläufer. Diese fünf Tipps sollten angehende Franchise-Nehmer beachten.

  • Werbe lieber ungewöhnlich

    Für einen wirksamen Mix aus klassischen und digitalen Instrumenten gehört vor allem Mut zum Wagnis. Experten und Unternehmer verraten, wie Sie ihrer Firma Gehör verschaffen.

  • Glamour + Camping = Clamping

    Komfort-Camping führt längst kein Nischendasein mehr. Das liegt nicht zuletzt an den weltweit entstehenden Glamping-Angeboten, die Natur, Abenteuer und Fünf-Sterne-Niveau miteinander kombinieren.

  • Sophia Saller
    Sport-Stipendiatin des Jahres 2015

    Und die Gewinnerin ist ... Sophia Saller! Die U23-Weltmeisterin im Triathlon und Mathematikstudentin in Oxford wurde zur „Sport-Stipendiatin des Jahres“ 2015 gekürt.

  • Ohne Moos nichts los

    Wie bekomme ich einen Gründerkredit? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Cash per Klick
    Cash per Klick

    Fintechs sind auf dem Vormarsch. Die Online-Vermittler bringen Kredite flexibler und oft günstiger an die Kunden als Banken. Die Finanzwelt steht vor einem großen digitalen Wandel.

  • Freund oder Feind?

    Seit 129 Jahren steht Daimler für Mobilität. Geht es nach Apple und Google, hat die Ära der Automobilbauer nun ein Ende. Ein Gespräch mit Vorstandschef Dieter Zetsche.

  • Nichtstun ist das neue Arbeiten

    Entrepreneure kennen keinen Feierabend. Dabei ist Nichtstun viel effizienter, sagen Fachleute. Eine Anleitung zum produktiven Müßiggang.

  • Mythos Cholesterin

    Wann ist Cholesterin gut? Wann ist es schlecht? Was sollte man bei der Ernährung beachten? Eine Fachärztin steht Rede und Antwort.

  • Reisetipp: Basel

    Basel ist die Kulturhauptstadt der Schweiz. Kunst- und Architekturhighlights säumen das Rheinufer. Heute steht Basel für Lebensqualität. Ein kleiner Reiseführer.

  • „Zweifel zermürbten mich“

    Niemand spricht gern über sie: Verunsicherung wird besonders Chefs schnell als Schwäche ausgelegt. Wie Unternehmer mit Zweifeln an sich selbst umgehen und wieder Kraft schöpfen können - ein Erfahrungsbericht.

  • Putten mal anders

    Strikte Kleiderordnung und gediegenes Clubhaus waren gestern. Viele Golfspieler wollen mehr. Sie suchen nach unterhaltsamer Atmosphäre auf dem Platz. Zwei Turnierveranstalter aus dem Norden bieten genau das.

  • Grillen mit Finesse

    Es muss nicht immer die klassische Bratwurst sein: Spitzenköchin Cornelia Poletto verrät exklusiv originelle Grillrezepte und gibt wertvolle Tipps.

  • Urlaubst du noch, oder vermietest du schon?

    Eine Ferienimmobilie zu erwerben, sie mal selbst zu nutzen, mal zu vermieten – dieser Gedanke ist populär wie lange nicht. Zu Recht?

  • „Raus, oder ich schieße!“

    Schwierige Verhandlungen fordern knallharte Strategien. Ein Experte für Geiselnahmen zieht Parallelen zwischen dem Verhandeln mit Geiselnehmern und schwierigen Verhandlungen im Job.

  • Den Absprung im Visier

    Nicht jeder Spitzensportler hat Aussicht auf ein Millionengehalt. Die Praktikantenbörse für Spitzensportler öffnet die erste Tür zu einer zweiten Karriere - jetzt für alle Bundeskaderathleten.

  • Revolutionär!

    Elon Musk krempelt die Raumfahrt und Automobilbranche mit SpaceX und Tesla Motors mächtig um. Er versteht es, die digitale Transformation für seine Zwecke zu nutzen.

  • Transformer gefragt

    Die Digitalisierung verändert Gewohntes mit einer geradezu revolutionären Dynamik. Damit bietet sie Unternehmen viele neue Chancen - und Herausforderungen. Zögern ist keine Option.

  • Achtung, Baustellen!

    Reformen scheut das Bundesarbeitsministerium keine – selbst wenn sie in Wirtschaftskreisen unpopulär sind. Staatssekretär Jörg Asmussen über Reformbedarf und zwei D.

  • Von den Kleinen lernen

    Die Kooperation mit einem Start-up eröffnet Mittelständlern neue Wachstumschancen.

  • Entspannter reisen

    Führungskräfte achten bei der Wahl ihres Arbeitgebers zunehmend auf die Qualität der Geschäftsreisen. Externe Dienstleister sind eine Option, um Kosten und Komfort bestmöglich zu vereinen.

  • Auf Wolke Produktivität

    Cloud-Tools können weit mehr, als lediglich die Kosten in Unternehmen zu reduzieren. Sie haben vor allem das Potenzial, die Produktivität und Effizienz der Arbeit spürbar zu steigern.

  • "Ich möchte das Leben auskosten"

    Nach seiner Krebserkrankung orientierte sich Robert Kronekker neu und gründete seine eigene Firma. Sollte er nochmals ausfallen, greift ein Notfallplan.

  • Einheitsbräu ade

    „Ein Bier, bitte“ war gestern. Heute geht der Trend zu individuell gebrauten Spezialitäten, zu mehr Geschmacksvielfalt und einer Bierkultur ohne Schickimicki, aber mit viel Genuss.

  • Sicher wie nur was

    Eine der brennendsten und am häufigsten gestellten Fragen an IT-Experten lautet dieser Tage: Ist die Cloud sicher? Die Antwort unserer Autoren: Sicher im Vergleich zu was?

  • Gesunde Motivation

    Mit der betrieblichen Krankenversicherung bringen sich Arbeitgeber im Rennen um Fachkräfte in die Poleposition. Bewerber und Belegschaft wissen das vielseitige Leistungsplus zu schätzen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick