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Erheblicher Anpassungsbedarf

Der neue IFRS-Standard zur Umsatzrealisierung ist branchenübergreifend mit größeren Prozess- und Systemumstellungseffekten verbunden. Praktiker sollten frühzeitig reagieren.

Die Umsatzerlöse stellen als sogenannte Top-Line der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) die wohl wichtigste Kennzahl der Finanzberichterstattung dar. Änderungen in der Umsatzerfassung wirken sich ebenso auf die Bottom-Line und damit direkt auf die Ergebniskennzahlen eines Unternehmens aus. Genau solche Änderungen stehen Unternehmen aller Branchen nun bevor: Für nach IFRS bilanzierende Unternehmen bestimmt für Geschäftsjahre ab 2017 der vom International Accounting Standards Board jüngst verabschiedete Standard IFRS 15, wann und in welcher Höhe Umsatzerlöse aus Leistungen zu erfassen sind.

Auswirkungen werden sich insbesondere ergeben, wenn ein Vertrag aus mehreren Leistungsverpflichtungen besteht. Diese sind künftig zu separieren und nach Zeitpunkt und Höhe der Umsatzerfassung einzeln zu begutachten. Eine komplexe Aufgabe, nicht zuletzt wegen der damit einhergehenden Abkoppelung des Umsatzausweises von dem Rechnungsstellungsprozess, der ohne systemseitige Abbildung in der IT-Landschaft quasi nicht zu bewältigen ist.

Viele Branchen betroffen

Einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge attestieren IFRS- Anwender mit Blick auf IFRS 15 branchenübergreifend materielle Umstellungseffekte. Erste Erfahrungen mit dem neuen Standard verdeutlichen den Anpassungsbedarf. Dies betrifft beispielsweise im Bereich „Unterhaltung und Medien“ die Bereitstellung von Gütern bei gleichzeitiger Bereitstellung von Services über einen vereinbarten Leistungszeitraum, im „Anlagenbau“ den Verkauf von Gütern mit Rückgaberecht, in der IT-Branche Lizenz- und Franchiseverträge, im Einzelhandel Kundenbindungs- und Prämienprogramme, in der Automobilbranche über die gesetzliche Gewährleistung hinausgehende Garantien sowie in verschiedenen Branchen den Verkauf mit Finanzierungskomponente.

Der Praktiker ist gut beraten, sich rechtzeitig mit all diesen potenziellen Umstellungseffekten auseinanderzusetzen, um deren Auswirkungen auf die Unternehmenskennzahlen zu verstehen und zu ermitteln. Schließlich schlagen sich die Umstellungseffekte nicht nur auf die Position „Umsatzerlöse“ nieder, sondern haben Folgewirkung in einer Vielzahl der Bilanz- und GuV-Positionen, wie zum Beispiel Vorräte, Forderungen und Abgrenzungsposten.

Wenig Zeit für die Umsetzung

Da in vielen Gesellschaften detaillierte Planungsrechnungen über mehrere Perioden von den Aufsichtsgremien wie Aufsichtsrat oder Beirat genehmigt werden müssen, empfehlen wir eine frühzeitige Analyse der potenziellen Auswirkungen. Der Implementierungszeitraum ist nicht allzu üppig bemessen. Insbesondere müssen Prozess- und Systemanpassungen zeitnah angegangen werden, um die Datenverfügbarkeit im Zeitpunkt der Erstanwendung zu gewährleisten.

Zu befürchten ist, dass Unternehmen künftig ihre Geschäftstransaktionen an den Neuregelungen ausrichten, um bisher gewohnte Muster der Umsatzrealisierung fortführen zu können. Damit wird indes die Zwecksetzung der Rechnungslegung ad absurdum geführt. Die Rechnungslegung soll Geschäftstransaktionen abbilden und nicht deren Ausprägungen bestimmen.

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Zu den Autoren 

Michael Oppermann, Partner bei EY in Eschborn, Bereich Financial Accounting Advisory Services.

Sie erreichen ihn unter: michael.oppermann@de.ey.com

Gerd Winterling, Senior Manager bei EY in Eschborn, Bereich Financial Accounting Advisory Services.

Sie erreichen ihn unter: gerd.winterling@de.ey.com

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