Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Das Lager als Basis

Bei Borrowing-Base-Finanzierungen dient das Umlaufvermögen als Sicherheit für die Kreditfinanzierung. Das schafft Flexibilität.

Ob Bluejeans, Fastfood, Tablet-Computer, Coffee to Go oder Drive-in-Restaurants – viele praktische Errungenschaften, die das Leben leichter machen, kommen aus den USA. Davon ist selbst das Bank- und Finanzierungswesen für Geschäftskunden nicht ausgenommen, wie das Beispiel des Borrowing- Base-Kredits zeigt.

Atmende Kreditlinie

Bei dieser Finanzierungsform wird die Beleihungsgrundlage, sprich die Borrowing-Base, durch das Umlaufvermögen des Unternehmens gebildet. Im Gegensatz zum herkömmlichen Kredit dienen nicht persönliche Bürgschaften oder Immobilien als Sicherheiten, sondern vielmehr der Warenbestand an Betriebs-, Hilfs- und Rohstoffen, rohstoffnahe Halbfertig- und Fertigprodukte sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Das Praktische daran: Die Kreditlinie passt sich fl exibel an das Umlaufvermögen an. Wird esgrößer, weil das Unternehmen expandiert, wächst auch der Kreditrahmen. Das ist besonders für Unternehmen mit großen Rohstoffl agern ein enormer Pluspunkt. Denn steigt mit den Rohstoffpreisen der Kapitalbedarf, nimmt auch der Wert der Sicherheiten in Form der gelagerten Rohstoffe zu. Ein weiterer Vorteil des „atmenden“ Kredits liegt auf der Hand: Die Laufzeiten und Konditionen müssen nicht jedes Mal wie bei den gängigen Kreditformen zäh verhandelt werden. Innerhalb der vereinbarten Obergrenze können die Mittel fl exibel in Anspruch genommen werden, wodurch das Unternehmen von einer gewissen Planungssicherheit profi tiert.

Eingehende Prüfung

Um das Kreditvolumen zu ermitteln, wird im Vorfeld eine Due Diligence durchgeführt. Die Analyse des Umlaufvermögens übernimmt in der Regel die Bank. „Die Due Diligence erfolgt turnusmäßig in der Regel einmal jährlich“,so Ralph Lück, Vorstand der BF.direkt AG, die mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung von Finanzierungsstrategien berät. Zur Bewertung der Bonität dient neben der Höhe der Lagerbestände auch die Qualität des Forderungs- und Risikomanagements. Auf die ermittelten Vorrats- und Forderungsbestände werden gewöhnlich Verwertungsabschläge vorgenommen (siehe Rechnung rechts). Diese liegen zwischen 20 und 35 Prozent bei den Vorratsbeständen und zwischen 15 und 25 Prozent bei den Forderungen. „Durch die Due Diligence des Vorrats- und Forderungsbestandes erfolgt eine Erhöhung der Objektivität und Transparenz“, so Lück. Das wiederum schlägt sich in einem verbesserten bankinternen Rating des Unternehmens und damit in günstigen Konditionen für die bereitgestellte Kreditlinie nieder. So dient das im Zuge der Due Diligence entstandene „Röntgenbild“ vom Innenleben des Unternehmens der Bank dazu, ihr Risiko zu minimieren. Üblicherweise verzichtet sie deshalb auf den Risikozuschlag bei den Zinsen.

Partner im stetigen Prozess

Die IHK Region Stuttgart verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass dem Management des kreditnehmenden Unternehmens an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Hausbank gelegen sein sollte. Dieses verlange die Bereitschaft zur Kooperation, denn auch nach dem Check-up bleiben Bank und Unternehmen in intensivem Kontakt: In individuell vereinbarten Abständen – in der Regel einmal im Monat – liefert das Unternehmen der Bank die Daten über den aktuellen Forderungs- und Warenbestand. Das Kreditinstitut erstellt auf dieser Grundlage den Borrowing-Base-Report, der in einem stetigen Prozess die Messlatte für die Obergrenze des Kreditrahmens defi niert (siehe Grafi k unten).Daher gibt es keine Borrowing-Base-Finanzierung von der Stange. „Alle unsere Borrowing- Base-Finanzierungslösungen für unsere Firmenkunden werden maßgeschneidert nach den Bedürfnissen der Kunden strukturiert“, sagt Peter-Josef Becker, Leitung Borrowing Base Finance der Commerzbank. Das Kreditinstitut hat für mehr als 100 mittelständische Unternehmen in Deutschland Borrowing- Base-Finanzierungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als vier Milliarden Euro strukturiert. Damit ist es mit Abstand Marktführer für diese Dienstleistung im deutschen Markt. Verlässliche Statistiken für Europa oder weltweit sind indes nicht verfügbar, da der Bereich Borrowing-Base-Finance nicht eigenständig reportet, sondern als Teil des Marktes für Asset-Based-Lending subsumiert wird. Bei dieser Finanzierungsform stehen neben den materiellen Unternehmensaktiva aus dem Umlaufvermögen auch immaterielle Vermögensgegenstände wie etwa Marken, Patente und Lizenzen im Fokus.

Kombination der Finanzierungen

Beim Zuschnitt der Borrowing-Base-Finanzierung spielen unterschiedliche Parameter eine Rolle. Becker: „Wichtige Einfl ussfaktoren sind die Branche, Umsatzgröße, Internationalität der Produktion und des Absatzes, die Höhe des Nettoumlaufvermögens, die Anzahl und Struktur der beteiligten Finanzierungspartner und die möglichen Kombinationen mit komplementären Finanzdienstleistungen im Forderungsbereich, beispielsweise mit Factoringlösungen oder Forderungsverbriefungen.“ Daneben kommen rechtliche Belange sowohl für die Darlehensvertragsdokumentation als auch für die notwendigen Kreditsicherheitenverträge zum Tragen. „Deswegen differieren die Kosten der Strukturierung je nach Komplexität der Lösung. Als Orientierung kann eine Mindestgröße von einem Prozent des Finanzierungsvolumens dienen“, sagt Becker. Bei guter Vorbereitung und enger Kooperation zwischen Bank und Kunden ist eine bilaterale Borrowing-Base-Finanzierung in rund acht Wochen umgesetzt. Komplexe, länderübergreifende und konsortiale Strukturen können auch bis zu sechs Monate Vorlauf in Anspruch nehmen. Angesichts der Höhe der Strukturierungskosten ist die Borrowing-Base- Finanzierung für Unternehmen mit einem Finanzierungsvolumen für das Working Capital ab zehn Millionen Euro interessant. Das Konzept kann in nahezu jeder Branche angewendet werden. Wenn das nicht praktisch ist.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Das interessiert andere Leser

  • Kopenhagens Must-Sees
    Kopenhagens Must-Sees

    Wie wäre es mit einem Wochenend-Trip nach Kopenhagen? Wir haben die besten Locations für Sie aufgestöbert.

  • Gekommen, um zu bleiben
    Gekommen, um zu bleiben

    Kommt das nächste Apple, Google oder Microsoft aus Deutschland? Diese drei Newcomer haben das Zeug, zu bleiben.

  • Bock auf Gründen
    Bock auf Gründen

    „Ich hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ – der Tweet einer Schülerin sorgte für eine riesige Debatte. Auch über das Gründen wissen Kids zu wenig.

  • Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven: Hybrid ist die Zukunft
    Hybrid ist die Zukunft

    Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven spricht über die Evolution alternativer Antriebe als Antwort auf immer strengere Umweltauflagen.

  • Aus Scheitern wird man klug
    Erfolgreich scheitern

    Mike Mühlberger hat seinen hochdotierten Job als BMW-Manager geschmissen, um die deutsche Start-up-Szene aufzumischen. Ein Porträt.

  • Neues Erb-Gesetz 2016
    Neues Erb-Gesetz

    Brüssel mischt die Karten neu: Ein Gesetz regelt Erbschaften in der Europäischen Union. Ein Experte erklärt, welche Aspekte Unternehmer beachten müssen.

  • Wenn Eltern gründen

    Nicht immer gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Familienphase. Vor allem Frauen müssen oft zurückstecken. Die Flucht nach vorn: eine Unternehmensgründung.

  • Chinas Konzerne kaufen am liebsten in Deutschland ein
    Chinas Hunger auf deutsche Unternehmen

    Chinesische Investmentbanker suchen in Deutschland nach Fusions- und Kaufkandidaten. Dabei hat es ihnen eine Branche besonders angetan

  • Bei Übernahmen schwinden die Kräfte
    Bei Übernahmen schwinden die Kräfte

    Verpatzter Auftakt: Das neue Jahr beginnt mit einem Fehlstart bei Fusionen und Übernahmen. Im Januar schreckten die Unternehmen angesichts der Unsicherheiten an den Märkten und eines schwierigen ...

  • Starthilfe für Start-ups

    Bund und Länder fördern Start-ups durch eine Vielzahl von Wettbewerben und Preisgeldern. Eine Untersuchung der knauserigsten und spendierfreudigsten Regionen.

  • Am Ziel vorbei
    Am Tag nach dem Klettergarten

    Teamveranstaltungen sollen Spaß machen und die Mitarbeiter motivieren. Doch der Effekt ist selten auf Dauer. Über gelingende soziale Systeme am Arbeitsplatz.

  • Objekte der Begierde

    Immobilien zählen zu den beliebtesten Investments. Statt direkt zu investieren können Anleger über Fonds, Aktien und Zertifikate mit geringerem Kapitaleinsatz Risiken streuen.

  • Schlaue Schokolade
    Schlaue Schokolade

    MARS-Schokoriegel schmecken nicht nur gut – Unternehmer können von dem Familienunternehmen viel lernen. Einblick in eine außergewöhnliche Firmenkultur.

  • Systemische Betrachtungen bei der Nachfolge in familiengeführten Unternehmungen

    Manchmal gelingt eine Nachfolge nicht, weil systemische Wirkungsgesetze nicht beachtet werden. Acht Grundregeln, die es zu beachten gilt.

  • Wenn die E-Mail vom Chef gefälscht ist
    Wenn die E-Mail vom Chef gefälscht ist

    Organisierte Banden versuchen mit neuen Maschen, Mittelständler um viel Geld zu bringen.

  • Gefährliches Expertenwissen

    Wenn der Chef plötzlich ausfällt, kann das fatale Folgen für das Unternehmen haben. So sorgen Sie vor.

  • Was Verkäufer von Amazon lernen
    Was Verkäufer von Amazon lernen

    Macht das Online-Shopping Verkäufer überflüssig? Das DUB UNTERNEHMER-Magazin hat mit drei Experten diskutiert.

  • Getrieben von Finanzinvestoren muss sich der schwäbische Mittelständler Schleich zu einer globalen Marke entwickeln
    Der Schleich-Report

    Der schwäbische Mittelständler Schleich ist eine Erfolgsgeschichte. Jetzt wollen Finanzinvestoren den Spielwarenhersteller zu einer globalen Marke formen.

  • Karrierestau? Mit Franchise und Lizenzen sofort von ausgeklügelten Systemen profitieren.

    Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft steinig. Mit Franchise- und Lizenz-Modellen erhalten die Startups einen schnellen Marktzugang und das notwendige Know-how.

  • Immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost.
    Gesund genießen

    Ob Gourmetessen oder Fast Food, immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost. Zu den Wunschzutaten zählen unter anderem Umweltschutz und artgerechte Tierhaltung

  • Mit Markenkraft des starken Partners gelingt Einstieg in die Selbstständigkeit

    Wer den Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen möchte, braucht einen starken Franchisepartner. Wie aber lässt sich dieser finden?

  • Uber fürs Übersetzen

    Der Sprachdienstleister lingoking mit 4.800 Dolmetschern und Übersetzern in mehr als 835 Städten agiert seit Oktober als interaktiver Online-Marktplatz. 3 Fragen an Gründer Nils Mahler.

  • Chefs müssen umdenken
    Chefs müssen umdenken

    Nur Anweisungen zu verteilen reicht nicht mehr. In der Dienstleistungsgesellschaft muss die Selbstorganisation der Mitarbeiter gefördert werden.

  • Käufer gesucht
    Ihr Porträt

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Unternehmensnachfolge als MBI
    Starke Marke

    US-Franchises nehmen den europäischen Markt verstärkt ins Visier. Zwei Fachanwälte geben Tipps, worauf Interessenten bei den internationalen Verträgen achten sollten.

  • Goldene Gründerzeit

    Der erste deutsche Beitrag zum „Juncker Plan“ steht. Bis zu 20.000 Gründer und junge Unternehmen können hierzulande Unterstützung aus EU-Mitteln erhalten. So geht’s.

  • Versicherungen als Qualitätsmerkmal

    Viele kleine und mittlere Unternehmen handhaben den Versicherungsschutz lax, wie eine Studie zeigt. Zudem fehlen oft Maßnahmen wie Feuer- oder Einbruchschutz. Gute Vorsorge steht für Professionalität.

  • Konstruktiv unzufrieden

    UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari über den Wandel des Paketdienstes zu einem „Technologiekonzern mit ein paar Trucks“ – und warum er nie zufrieden ist.

  • Modernes Bauen – so ist’s recht
    Neue Vorschriften

    Das Klimaschutzabkommen von Paris im Dezember gilt als Durchbruch bei der Bekämpfung der Erderwärmung. Das sind die Folgen für Bauherren.

  • Wo der Kunde König ist
    Wo der Kunde König ist

    Diese 15 Unternehmen haben den Kunden-Innovationspreis abgeräumt.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick