Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

"Der Mittelstand hat immer das Problem der Nachfolge...

...und so konnten die beiden Altgesellschafter verdient ausscheiden, gleichzeitig war die Weiterführung der Firma gesichert."

So soll Schleich wachsen - Ziel ist jedes Jahr eine "deutlich zweistellige" Steigerung des Umsatzes. Vor allem in Großbritannien, Frankreich und Japan, den Märkten, die neben Deutschland, Österreich und der Schweiz zu den wichtigsten Wachstumsmärkten des Unternehmens gehören. In den Vereinigten Staaten will Schleich seine Figuren über einen Umweg in den Kinderherzen verankern: Da dort der Sammlermarkt sehr groß ist, also viele erwachsene Comic- und Kinofans Plastikfiguren kaufen, hat der Spielwarenhersteller Lizenzen für die Produktion der Peanuts sowie der Justice-League-Helden wie Superman und Batman erworben. "So fassen wir in den USA als Marke schneller Fuß", sagt Engehausen. Schleich stellt die Formen in Schwäbisch Gmünd her, gegossen werden die Figuren zum Teil ebenfalls am Stammsitz sowie in Portugal, Tunesien, China und Rumänien.

In seinem ersten Jahr hat der Manager die ehrgeizigen Pläne erfüllt: Der Umsatz stieg um 15 Prozent von 113 auf 130 Millionen Euro. 50 Millionen Figuren verkauft Schleich im Jahr, jeden Tag fast 140 000. Das Unternehmen mit seinen 340 Mitarbeitern habe schon immer eine ordentliche Gewinnmarge erzielt, die auch 2015 weiter gestiegen sei. "Der Gewinn hat sich so entwickelt, dass wir und auch der Investor sehr zufrieden sind", sagt Engehausen. Dabei war Schleich kein Schnäppchen. Ardian zahlte nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen 220 Millionen Euro an HG Capital.

Bevor die französische Beteiligungsgesellschaft das Unternehmen allerdings übernahm, hatte sich mehrere Monate kein Abnehmer gefunden. Offenbar war einigen Interessenten der von HG Capital geforderte Preis von 200 Millionen zu hoch, 2006 hatte der britische Fonds seinerseits 165 Millionen Euro gezahlt. Ardian schätzte das Potenzial anders ein und zahlte schließlich noch mehr - die Ziele, die der Mehrheitseigner dem Management in Schwäbisch Gmünd vorgegeben hat, sind dementsprechend ehrgeizig.

Die Finanzinvestoren hatte Paul Kraut, der letzte Vertreter der langjährigen Eigentümerfamilie, im Jahr 2006 auf die Schwäbische Alb geholt. Damals wollten sich zwei der drei Gesellschafter altersbedingt zurückziehen. Kraut übernahm die Anteile seines Vaters, des dritten Gesellschafters, und Schleich konnte mit dem Geld von HG Capital die beiden anderen Geschäftsführer auszahlen. "Der Mittelstand hat immer das Problem der Nachfolge, und so konnten die beiden Altgesellschafter verdient ausscheiden, gleichzeitig war die Weiterführung der Firma gesichert", sagt Paul Kraut.

Anfangs entwickelte sich die Partnerschaft von Finanzinvestor und Familienunternehmer erfolgreich, Schleich steigerte Umsatz und Verkaufszahlen. Doch als HG Capital seine Anteile nach sechs Jahren verkaufen wollte, schied Paul Kraut überraschend aus der Geschäftsführung aus. "Mein persönliches Ziel war sicher nicht, 2013 auszusteigen. Ich hätte gerne weitergemacht", sagt Kraut. HG Capital begründet den Managementwechsel kurz vor dem Verkauf mit einer "Phase der Stagnation" im Jahr 2011 und 2012.

Im Rückblick waren die Ansichten von Finanzinvestor und Familienunternehmer doch nicht so kompatibel, wie sich das HG Capital und Paul Kraut vorgestellt hatten. Zu unterschiedlich die zeitlichen und strategischen Vorstellungen. Hinzu kam: Die Phase der Stagnation ist für den Verkaufsprozess nicht förderlich gewesen. "Ich habe Wert darauf gelegt, den nächsten Schritt in Ruhe zu machen", sagt Kraut. Der Unternehmer hatte in den ersten Jahren der Zusammenarbeit immer wieder für eine Partnerschaft zwischen Mittelstand und Finanzinvestoren als Modell der Zukunft geworben.

Doch irgendwann habe das bei Schleich nicht mehr funktioniert. "Mittelständler sind gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, weil eben ihr eigenes Geld in der Firma steckt", sagt Kraut. Private-Equity-Manager tickten anders, planten weniger langfristig - und vor allem: "Sie haben kein selbst verdientes Geld im Unternehmen." Der Anteil an der Traditionsfirma, der von Private-Equity-Managern kontrolliert wird, liegt seit dem Verkauf an Ardian nach Angaben von Schleich-Chef Engehausen bei 87 Prozent. Den Rest hält das erweiterte Management - darunter Engehausen selbst und Finanzchef Erich Schefold. Schleich sei für Ardian "mehr als nur ein Investment" in ein Unternehmen. Klar ist dabei aber auch: "Als Private-Equity-Partner sind wir natürlich immer ein Eigentümer auf Zeit", auch wenn sich "die Frage nach dem Exit noch lange nicht stellt", wie die französische Gesellschaft auf Anfrage des Handelsblatts erklärte. Man sehe in der Firma "signifikante weitere Wachstumspotenziale".

Hinweise, die das Management um Dirk Engehausen daran erinnern sollen, die ambitionierten Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Der Spielzeugexperte setzt bei seiner Wachstumsmission auf die Arbeit von Corinna Trauner und deren Kollegen. Das Gespür der Schleich-Graveure, Tiere möglichst naturgetreu in Wachs zu verewigen, ist "unsere Kernkompetenz", sagt Engehausen, "auf die müssen wir uns konzentrieren".

Bei Pferden genauso wie bei Hängebauchschweinen, Eichhörnchen oder Totenkopfäffchen.

Teil 1: Wachstumsschmerzen
Teil 2: Der Mittelstand hat immer das Problem der Nachfolge


© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Franchise-Umfrage: Wo, bitte, geht’s hier zum neuen Personal?

    Zum zweiten Jahr in Folge hat die Deutsche Unternehmerbörse Franchise-Systeme nach ihren größten Herausforderungen im Markt gefragt. Ganz oben: Die Suche nach Personal.

  • Späte Führungsnachfolge

    Der Brillenkönig Günther Fielmann behält noch weitere drei Jahre das Zepter in der Hand. Erst 2020 will er das Unternehmen in die Hände seines Sohnes legen.

  • Sachsen-Anhalt legt Fonds für die Unternehmensnachfolge auf

    Immer wieder scheitern Firmennachfolgen an der Finanzierung. Sachsen-Anhalt will dem nun vorbeugen – mit einem Fonds, ausgestattet mit 265 Millionen Euro.

  • „Psst, haben Sie schon gehört … ?“

    Wenn die Gerüchteküche brodelt, hat das selten Gutes zu bedeuten. Erst recht, wenn es um den Verkauf eines Unternehmens geht.

  • Zu schön, um wahr zu sein

    Was Franchisegeber Geschäftspartnern in spe über ihr System verraten müssen und woran man schwarze Schafe erkennt.

  • Geld vom Staat

    Auch Franchisenehmer kommen in den Genuss von staatlichen Fördertöpfen. Es müssen nur drei Kriterien erfüllt werden.

  • Deutschland paradox

    Die Bundesrepublik spielt wirtschaftlich in der ersten Liga – außer beim Gründungsgeschehen. Wie kann das sein?

  • Alles VUKA, oder was?

    Volatil, unsicher, komplex, ambivalent, kurz: VUKA. So beurteilen viele Chefs die Digitalisierung. Was tun?

  • Optimistische Chefs

    Deutschlands Unternehmer strotzen vor Optimismus. Dabei müssen sie in einem Punkt noch mächtig aufholen.

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Digitale Potenziale

    Deutschland ist reif für ein digitales Gesundheitswesen. Deshalb unterstützt Die Techniker Existenzgründer, Talente und Visionäre.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.

  • Auf die (Franchise-)Größe kommt es an

    Einsteiger in der Franchise-Branche haben es schwer. Aber der Aufwand zahlt sich aus.

  • Unternehmensverkauf: Worauf bei Earn-Out-Klauseln achten?

    Was Unternehmensverkäufer und -käufer über variable Preiskomponenten wissen müssen.

  • Die fünf wichtigsten Trends der CeBIT

    2017 werden auf der CeBIT wieder die großen Trends der IT-Branche gezeigt. Ganz oben auf der Tagesordnung: künstliche Intelligenz.

  • Disruption meets Design

    Produktdesigner stehen vor einem Paradigmenwechsel. Die analoge und digitale Welt verschmelzen zunehmend miteinander. Was sich hinter der „new holistic experience“ verbirgt.

  • Wie ein Franchisenehmer seine Mitarbeiter für sich werben lässt

    Employer Branding – Ein Unternehmer aus Hannover zeigt, dass solche Kampagnen sinnvoll sein können.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick