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Teil 1: Interview mit Jörg Utecht, CEO Interhyp

Breite Brust

Was revolutioniert die Finanzbranche? Wer steht wo im Wettstreit um Digital Leadership? Und wie gewinnt man im War for Talents? Fragen an Vorstand Jörg Utecht vom Ur-Fintech Interhyp.

Jörg Utecht: Der 42-Jährige ist seit 2008 im Interhyp-Vorstand (Foto: PR)

Bankenschelte in Sachen Digitalisierung? Fintechs als Sargnagel schwerfälliger Finanzinstitute? Weit gefehlt. Jörg Utecht, Vorstand von Interhyp, eines Fintechs der ersten Stunde, bedient keinesfalls gängige Klischees, sondern zeigt einen differenzierten, ja selbstbewussten Blick auf die Transformation des Markts.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Hängt Deutschlands Finanzwirtschaft in Sachen Digitalisierung im Vergleich zu den USA zurück?
Jörg Utecht: Die entscheidende Frage ist, wie die deutschen Finanzinstitute mit Blick auf das aufgestellt sind, was heute real beim Kunden passiert. Und hier möchte ich gern mit einem Missverständnis aufräumen: Was wir seitens der Banken aktuell an Innovationskraft erleben, ist nicht schwach, sondern eher beeindruckend. Von den großen deutschen Banken hat zum Beispiel fast jede – ob im stillen Kämmerchen oder offen – eine Online-Baufinanzierung inklusive Abschluss getestet. Das wird nicht immer an die große Glocke gehängt, aber es passiert. Auch ein Dokumenten-Upload für Baufinanzierungskunden gibt es da draußen. Die Banken bieten hier zudem sehr smarte Pricing-Mechanismen. Natürlich gibt es in den USA Fintechs wie Rocket Mortgage, die damit wirklich eine Baufinanzierung in sieben Minuten weitestgehend auf Basis der Sozialversicherungsnummer anbieten. Aber das macht selbst dort nur einen Bruchteil des Marktes aus. Auch die Datennutzung wird dort natürlich viel intensiver betrieben. Auf der anderen Seite wird in den USA noch mit Schecks bezahlt. Im Zahlungsverkehr sind wir in Deutschland und Europa weiter. Wir können da mit breiter Brust aufreten.

Aber braucht es nicht einen Treiber wie das Silicon Valley, um den Digitalisierungsgrad zu erhöhen?
Utecht: Ein Silicon Valley fehlt uns in Europa. Da bin ich zu 100 Prozent bei Ihnen. Die Frage ist allerdings, wie viele solcher Orte ich auf dem Globus brauche, um diese Impulse in die verschiedenen Regionen der Welt zu senden. Im Silicon Valley sind Mitarbeiter aller großen deutschen Konzerne in irgendeiner Form präsent – und viele aus der Start-up-Szene, wenn man genau hinsieht. Und auch wir in Deutschland haben mittlerweile eine unglaublich rege Start-up-Szene. Übrigens nicht nur in Berlin, genauso in Frankfurt oder München. Die Start-ups schauen natürlich ganz genau, was zum Beispiel im Silicon Valley passiert, und setzen dann hier passende Dinge um. Wenn wir uns also nach Lösungen „da draußen“ umschauen wollen, die wir gegebenenfalls nutzen können, dann müssen wir gar nicht allzu weit blicken.

Teil 1: Breite Brust
Teil 2: „Der Vorteil der Finanzdienstleister ist, dass sie den Kunden noch haben“
Teil 3: „Interhyp gilt aufgrund unserer Historie in Gründerkreisen schon als eine Art Role-Model“

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