Hamburg, 09.03.2017

"Energiemanagementsysteme lohnen sich"

Seit fast zwei Jahren gilt das Energiedienstleistungsgesetz, kurz EDL-G. Aber wen betrifft es überhaupt und für wen lohnt sich ein Energiemanagementsystem wirklich? Wir haben mit Andreas Krüger, Geschäftsführer Operations und Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Kaiser+Kraft, über die Einführung von Energiemanagementsystemen gesprochen.

Andreas Krüger, Geschäftsführer Operations und Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Kaiser+Kraft (Foto: PR)

Herr Krüger, Warum hat Kaiser + Kraft ein Energiemanagementsystem eingeführt?

Das hat zwei Gründe. Kaiser+Kraft fällt unter die Auditpflicht des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen. Das heißt, wir müssten alle vier Jahre ein Energieaudit durchführen oder saftige Strafen – bis zu 50.000 Euro – in Kauf nehmen, wenn wir es nicht tun. Mit einem zertifizierten Energiemanagementsystem nach ISO 50001 erfüllen wir ebenfalls die gesetzlichen Vorgaben des EDL-Gs. Aber das war nicht der Hauptgrund.

Sondern?

Es geht um Nachhaltigkeit und hier möchten wir Vorbild sein. Das ist unser Ziel. Ein EnMS ist auf ständige Verbesserung der Energieleistung ausgelegt. Das ist es, was wir wollen.

Ist ein EnMS nicht aufwendiger?

Nicht unbedingt. Das ist vielleicht auch für andere Unternehmen wichtig. Kaiser+Kraft hatte schon Erfahrungen mit ISO-zertifizierten Managementsystemen. Konkret ISO 9001 und ISO 14001. Gerade das Umweltmanagementsystem hat uns die Installation des EnMS einfacher gemacht, weil viele Normpunkte damit schon abgedeckt waren – zum Beispiel beim Thema rechtliche Verpflichtungen. Insgesamt kann man sagen, hatten wir so schon gute Strukturen, auf denen wir aufbauen konnten. Auch deswegen haben wir es geschafft, das System in weniger als einem Jahr einzuführen.

Das klingt dennoch nach einer Herkulesaufgabe.

Das war es auch. Bei vielen unserer Standorte handelt es sich um Mietobjekte. Dort haben wir nur begrenzt Einfluss auf die Gebäudetechnik. Wir haben uns ganz pragmatisch auf die Standorte konzentriert, die den größten Anteil am Gesamtverbrauch haben. Wenn man, wie Kaiser+Kraft, an drei Standorten etwa drei Viertel des Energieverbrauchs hat, dann ist es nur sinnvoll, diese Standorte zu fokussieren. Aber auch die anderen Werke und Lager haben wir nicht ignoriert und deswegen viel daran gearbeitet, bei den Mitarbeitern ein Bewusstsein für Umwelt und Energie zu wecken.

Wie erreicht man die Mitarbeiter?

Wir haben – als die Entscheidung darüber gefallen war, ein EnMS einzuführen – die Führungskräfte informiert. Diese erfüllen schließlich auch bei diesem Thema eine wichtige Vorbildfunktion. So erreicht man die Mitarbeiter sehr gut. Gute Erfahrungen haben wir auch mit Ansätzen gemacht, die sich in konkrete Projekte umsetzen lassen.

Hatten Sie externe Partner?

Die Firma Arqum GmbH (Gesellschaft für Arbeitssicherheits-, Qualitäts- und Umweltmanagement) hat uns bei der Einführung unterstützt. Mit ihr hatten wir schon gute Erfahrungen bei der Zusammenarbeit im Rahmen des ECOfit-Projektes, einem Förderprogramm des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, gemacht. So kannte Arqum als Unternehmensberatung unsere Organisation schon. Außerdem muss man sagen, ist der ganze Komplex Nachhaltigkeit bei Kaiser+Kraft ein zentrales Thema. Maßnahmen den Energieverbrauch zu senken, gab es schon zuvor. Etwa bei der Anschaffung von IT-Hardware oder bei Anlagen für unsere Lagerstandorte. Wir haben auch begonnen, an bestimmten Standorten die Beleuchtung auf LED-Lampen umzustellen. Was neu ist, ist die permanente und systematische Bewertung der Energiebilanz.

Bilanz – das klingt nach Einsparpotenzialen. Gibt es die?

Natürlich, und nicht nur das. Die Einspareffekte zeigen sich selbstverständlich auch auf der Stromabrechnung. Aber wichtig ist: Ein Energiemanagementsystem legt den Fokus auf ständige Verbesserung der Energieleistung. Das ist genau, was wir wollen, und was zum Nachhaltigkeitsvorbild Kaiser+Kraft passt. Der finanzielle Nutzen ist sicherlich darüber hinaus ein wichtiger Aspekt. Unter bestimmten Voraussetzungen werden sogar Teilkosten für die Erstzertifizierung, aber auch für Messeinrichtungen oder Schulungen erstattet. Hierzu muss zunächst einmal überprüft werden, ob in der Mutter-, beziehungsweise in einer der Schwestergesellschaften De-minimis-Beihilfen in Anspruch genommen wurden. Eine entsprechende Richtlinie zur Förderung hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie veröffentlicht.

Können Sie noch andere Tipps an andere Unternehmen geben?

Aus unseren Erfahrungen kann ich sagen: Man sollte den Aufwand nicht unterschätzen. Auch wenn man schon nach ISO 14001 zertifiziert ist, erfordert die ISO 50001 Zertifizierung noch einiges an Detailarbeit. Datenerfassung ist so ein Punkt. Das kann sehr aufwendig sein. Zudem ist der Anforderungskatalog umfangreich. Wir haben viel mit Checklisten gearbeitet, um keinen der Punkte zu vergessen. Zum Beispiel, wenn es um das Erfassen von Energieträgern geht, denn da gibt es oft mehr als man denkt. Solche Aufgaben haben sich uns zuhauf gestellt. Dass KAISER+KRAFT das in nur einem Jahr geschafft hat, ist nicht selbstverständlich. Trotz der guten Voraussetzungen.

Sie hatten ja schon zuvor das Thema auf der Agenda.

Das stimmt. Deswegen haben wir uns auch für den Weg eines EnMS entschieden. Also für eine systematische, nachprüfbare und kontinuierliche Energie- und Kostenersparnis. Für uns ist die Zertifizierung ein weiterer Baustein, unsere Nachhaltigkeitsstrategie zu verwirklichen.

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Autor

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