Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Wenn Arbeit durch den Magen geht

Viele Mittelständler suchen Fachkräfte. Um Mitarbeiter zu halten oder anzuwerben, reicht ein gutes Gehalt oft nicht. Gemeinsames Kochen kann hingegen verbinden.

Mit Stolz berichtet Willi Bruckbauer von den jüngsten Bewerberzahlen. Mehr als 100 Kandidaten haben sich beim Chef des Mittelständlers Bora, Spezialist für Dunstabzugshauben und Kochfelder im bayerischen Raubling, zuletzt auf die Stelle eines Konstrukteurs beworben. Vor rund zwei Jahren meldeten sich gerade einmal fünf Interessenten auf das gleiche Gesuch.

Bruckbauer ist sich sicher, dass er die vielen Bewerbungen seinem umfangreichen Mitarbeiterprogramm zu verdanken hat. "In den vergangenen fünf Jahren sind wir als Unternehmen stark gewachsen, daher war und ist es für uns sehr wichtig, gute Mitarbeiter zu gewinnen und an uns zu binden, um die Firmenposition weiter zu stärken. Unser Ziel lautet deshalb, der attraktivste Arbeitgeber in der Region zu werden."

Ein wichtiges Instrument ist dabei das wöchentliche Teamkochen. Jeden Donnerstagmittag sind zwei Mitarbeiter der rund 40 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft für die Zubereitung einer gemeinsame Mahlzeit verantwortlich. Sie müssen einkaufen, schnippeln, kochen und den Abwasch machen. Was auf den Teller kommt, entscheiden die Köche selbst. Einzige Vorgabe vom Chef: Die Zutaten müssen regionaler Herkunft oder bio sein, gesund und nachhaltig. Dann bezahle er auch das komplette Menü. "Bei uns findet ein Umdenken statt. So ist nicht nur die Anzahl der Bewerbungen enorm gestiegen, sondern auch die Qualität der Bewerber", beobachtet Bruckbauer. Auf diesen Trend sind viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dringend angewiesen, denn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist gerade im Mittelstand hoch.

Auf der anderen Seite ist der Arbeitsmarkt nahezu leer gefegt. Das weckt bei vielen Top-Arbeitskräften Begehrlichkeiten und grundsätzlich auch den Wunsch, den Arbeitsplatz zu wechseln.

Glaubt man einer Online-Umfrage des Karrierecoach Bernd Slaghuis, will jeder dritte Arbeitnehmer in diesem Jahr seinen Arbeitgeber wechseln. Insbesondere die Haltung von jungen Angestellten habe sich demnach verändert. Das beobachtet auch Sven Hennige, Chef für Deutschland und Zentraleuropa beim Personaldienstleister Robert Half. "Drei Jahre auf derselben Position sind für die Generation Y schon viel. Bereits nach rund sechs Monaten fragen viele nach der nächsten Herausforderung." Geht es nach Branchen, denken laut einer Umfrage der Unternehmensberatung EY (früher Ernst und Young) am häufigsten Leute in der Telekommunikation und IT (26 Prozent) über einen Wechsel nach.

KMU können in diesem Umfeld nur bestehen, wenn sie gute Leute mit mehr als einem guten Gehalt an sich binden, raten Personalexperten. Dazu gehört ein starkes Employer Branding, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. "Der ,war for talents' wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen", ist sich Hubert Barth, Partner bei EY in München, sicher.

Mittelständische Unternehmen stehen dabei laut dem EY-Experten nicht per se schlechter da als Großunternehmen. "Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, sollten KMU ihre Vorzüge stärker herausstellen. Dazu gehören in erster Linie flachere Hierarchien, folglich eine direktere Kommunikation und mehr Flexibilität."

Dennoch muss jedes Unternehmen mit wechselwilligen Mitarbeitern rechnen. Die Frage ist dann, wie und womit sich diese Arbeitnehmer umstimmen lassen? Geld allein ist jedenfalls nicht der Schlüssel, sagt Personaler Hennige. Wichtiger seien Modelle zur Work-Life-Balance, ein gutes Image der Firma und Mitgestaltungsmöglichkeiten.

"Wichtig gerade für viele jüngere Mitarbeiter ist es, dass die Arbeit ihnen einen Nutzen stiftet", ergänzt EY-Mann Barth. Das heiße zum Beispiel, dass die Arbeit zur Verbesserung gesellschaftlicher Probleme beitragen sollte oder eine bestimmte Technologie weiterbringe. "Auch das Klima untereinander muss stimmen, die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass sie eine Gemeinschaft bilden." Das schaffe man zum Beispiel durch gemeinsame Veranstaltungen, die nicht unbedingt ein großes Event sein müssten. Das Teamkochen bei Bora ist ein gutes Beispiel dafür.

Wichtig ist für High Potentials außerdem, ein hohes Maß an Verantwortung zu übernehmen, in kurzer Zeit auf der Karriereleiter nach oben zu steigen und sich persönlich weiterbilden zu können. "Dank seiner flachen Hierarchien kann gerade der Mittelstand hier vielversprechende Angebote machen", sagt der Managementberater Gunther Wolf. Um Mitarbeiter zudem emotional an sich zu binden, müssten beide Seiten die gleichen Werte und Zielvorstellungen vertreten. "Klar formulierte Statements, die zusammen mit den Mitarbeitern erarbeitet werden, sind dafür die richtige Grundlage."

Grundsätzlich sind Unternehmen keine Grenzen gesetzt, welche Benefits sie sich für ihre Angestellten einfallen lassen. Ob Dienstwagen und - handy, Personal Trainer oder Wellnesspakete - was gut ankommt, sollte auch ins Programm aufgenommen werden, sind sich die Berater einig. Interne Umfragen helfen dabei.

Schwieriger ist es, externe Topkandidaten für die eigene Firma zu gewinnen, weiß Experte Hennige. "Auch dabei ist ein höheres Gehalt nicht unbedingt ausschlaggebend." Wichtig sei herauszufinden, was dem Idealkandidaten wichtig ist. Dazu gebe es drei grobe Richtungen: Erstens der "Gehalt ist nicht alles"-Typ. "Gerade in höheren Positionen ist Geld oftmals nicht das entscheidende Kriterium, sondern Verantwortung und Perspektive", weiß Hennige. Zweitens der "Ich will mehr Zeit für meine Familie"-Typ. "Bei ihm lohnt es sich, über die Lebensumstände Bescheid zu wissen. Für Eltern sind Home-Office und flexible Arbeitszeiten überzeugende Argumente", weiß der Personaler. Schließlich noch der "Was ist noch drin"-Typ. Für ihn besteht ein überzeugendes Angebot aus vielen Komponenten - Firmenwagen, mehr Gehalt und Karriereperspektive sind besonders beliebt.

Nach oben


© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Neue Quellen erschließen

    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement

    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“

    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe

    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster

    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt

    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Raus aus der Komfortzone

    Raus aus der Komfortzone

    Vertriebsexperte Dirk Kreuter sagt, wie Verkäufer in der digitalen Welt überleben.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Niederlagen nutzen

    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten

    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas

    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten

    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)

    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler

    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

  • Last minute für Feinschmecker

    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • asant verändert die digitale Transformation Wirtschaft und Gesellschaft. Die CeBIT 2016 zeigt, was die Zukunft bringt.

    Humanismus auf der CeBIT

    Auf der CeBIT 2016 stehen der Mensch und sein Einfluss auf eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Ein Blick auf die wichtigsten Trends.

  • Fördern und vorleben

    Der Transformation vorangehen

    Beim DUB-Talk beschrieben drei Entscheider, wie sie die Digitalisierung in ihrer Firma umsetzen. Dabei entdeckten sie an ihren Firmen ganz neue Seiten.

  • Sei dein eigener Regisseur

    Keine Lust mehr auf die alte Firma? Worauf Führungskräfte bei beruflichen Veränderungen achten müssen, sagt Coach Claudia Michalski.

  • Rotes Tuch Digitalisierung

    Rotes Tuch Digitalisierung

    Zu teuer, zu komplex, zu wenig Personal: Das Thema Industrie 4.0 wird von der Mehrheit der Mittelständler kritisch gesehen.

  • Friedman schlägt Schumpeter

    Kampf der Top-Ökonomen

    Werden in Krisen innovative Unternehmen geboren? Die Theorie von Schumpeter sagt ja, die von Friedman nein. Wer hat Recht?

  • Kopenhagens Must-Sees

    Kopenhagens Must-Sees

    Wie wäre es mit einem Wochenend-Trip nach Kopenhagen? Wir haben die besten Locations für Sie aufgestöbert.

  • Gekommen, um zu bleiben

    Gekommen, um zu bleiben

    Kommt das nächste Apple, Google oder Microsoft aus Deutschland? Diese drei Newcomer haben das Zeug, zu bleiben.

  • Bock auf Gründen

    Bock auf Gründen

    „Ich hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ – der Tweet einer Schülerin sorgte für eine riesige Debatte. Auch über das Gründen wissen Kids zu wenig.

  • Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven: Hybrid ist die Zukunft

    Hybrid ist die Zukunft

    Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven spricht über die Evolution alternativer Antriebe als Antwort auf immer strengere Umweltauflagen.

  • Aus Scheitern wird man klug

    Erfolgreich scheitern

    Mike Mühlberger hat seinen hochdotierten Job als BMW-Manager geschmissen, um die deutsche Start-up-Szene aufzumischen. Ein Porträt.

  • Neues Erb-Gesetz 2016

    Neues Erb-Gesetz

    Brüssel mischt die Karten neu: Ein Gesetz regelt Erbschaften in der Europäischen Union. Ein Experte erklärt, welche Aspekte Unternehmer beachten müssen.

  • Wenn Eltern gründen

    Nicht immer gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Familienphase. Vor allem Frauen müssen oft zurückstecken. Die Flucht nach vorn: eine Unternehmensgründung.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick