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Den Absprung im Visier

Christian Nüchtern (23) steht mit seiner Eistanz-Karriere am Scheideweg. Ein Praktikum hilft, seinen Blick für die Karriere nach der Karriere zu schärfen. Die Praktikantenbörse für Spitzensportler öffnet ihm die erste Tür.

Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob Fußballer mit der Aussicht auf ein Millionengehalt ihren Sport ausüben oder Eisläufer ihrer Leidenschaft mit dem Wissen frönen, dass ihnen bis zur Rente noch ein paar lukrative Ideen einfallen müssen. Spitzensport ist nicht gleich Spitzensport. Beispiel Christian Nüchtern: Der Eistänzer hatte kürzlich die Wahl zwischen Urlaub und Arbeit. Statt in der Sonne zu liegen, sammelte der 23-Jährige im Frühjahr lieber sechs Wochen lang Praxiserfahrung bei Paychex in Berlin, einem Dienstleister für Lohnabrechnungen. Der Kontakt kam über die Praktikantenbörse für Unternehmen und Spitzensportler zustande.

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die Deutsche Bank und die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de erleichtern Sportlern mit diesem Angebot den Start in die zweite Karriere. Darüber hinaus hilft die Börse Unternehmen bei ihrer Suche nach Praktikanten. Der Kontakt zwischen Paychex und Eistänzer Nüchtern kam kurz nach der Eröffnung der Praktikantenbörse durch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2014 zustande.

Auf dem Boden der Tatsachen 

Im Moment steckt Christian Nüchtern in einer Findungsphase. In der Uni sind Semesterferien, und im Sport hat er eine Pause eingelegt. Während er üblicherweise wöchentlich 20 Stunden mit dem BWL-Studium verbringt und 35 Stunden trainiert, hat er im Praktikum bei Paychex eine normale 40-Stunden-Arbeitswoche. Hier lernt er alle Aufgaben eines Lohnbuchhalters kennen. „Ich habe den Entschluss noch nicht ganz gefasst, ob ich mit dem Eistanzen aufhöre“, sagt Nüchtern. Wehmut schwingt in seiner Stimme mit. Seine Partnerin musste die Schlittschuhe nach einer Verletzung an den Nagel hängen. Allein kann er nicht weitermachen. Eistanz ist Paarsport. „Ich dachte, ich bin ganz weit oben, und dann wurde ich wieder auf die Erde geholt, auf den Boden der Tatsachen. Momentan sehe ich noch keine Alternative.“ Die Eistänzer träumten von Olympia 2014. Dieser Traum war mit der Fußverletzung geplatzt. Ob Nüchtern die Kufen für Olympia 2018 schleift, weiß er noch nicht. Momentan orientiert er sich in Karriere Nummer zwei.

Top-Athleten sind bereit, für ihren Sport alles zu tun. Sie kämpfen, haben Biss, sind fleißig, teamfähig und mit viel Herzblut bei der Sache. Multitasking, sagt Nüchtern, sei gerade für Eistänzer eine weitere wichtige Eigenschaft. „Wir müssen auf so vieles gleichzeitig achten: Arme, Beine, Kopf, Schultern, Bauch, Rücken, zusätzlich auf die Musik, die Partnerin und Ansagen des Trainers. Wir sind sehr flexibel.“

„Er ist einfach geschmeidiger“

Im Job kann Christian Nüchtern von seinen ausgeprägten Softskills profitieren. Zu Beginn seines Praktikums war er in der Versandzentrale eingesetzt. „Ich kann ohne Probleme zwei Kuvertiermaschinen und eine Frankiermaschine parallel laufen lassen und mit meinen Gedanken bei allen drei Maschinen gleichzeitig sein.“

Bei den Kollegen und seinem Chef ist der 23-Jährige beliebt. „Wenn ein Außenstehender in eine bestehende soziale Gruppe kommt und sich nicht zu bewegen weiß, wird er Schwierigkeiten haben, anzukommen. Herr Nüchtern ist einfach geschmeidiger als manche andere Praktikanten. Das liegt sicherlich an seiner Erfahrung, in der Öffentlichkeit zu stehen“, meint Paychex-Geschäftsführer Dirk Stefan Haase. Nüchtern stimmt zu. „Von klein auf mussten wir mit vielen Funktionären und Trainern kommunizieren.“ Daher habe er keine Probleme, sich zu integrieren.

Der Eistänzer und seine Sportlerkollegen profitieren zudem von der intensiven Begleitung durch die Deutsche Sporthilfe. „In erster Linie fördern wir die Sportler natürlich finanziell mit Blick auf die sportliche Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus unterstützen wir sie aber auch bei Ausbildung, Studium und Beruf. Zusammen mit den Laufbahnberatern der Olympiastützpunkte und unseren Wirtschaftspartnern suchen wir nach kreativen Lösungen, damit die Spitzensportkarriere nicht zum Nachteil für die ‚Karriere danach‘ wird“, verdeutlicht Florian Dubbel, Leiter Förderung der Deutschen Sporthilfe. Er hat seinen Schützling im Praktikum besucht. „Uns ist es wichtig zu wissen, wo unsere Sportler landen und wie es ihnen geht.“

Grossartige Persönlichkeiten

Die Deutsche Bank hat ebenfalls Erfahrung im Umgang mit Sportlern als Praktikanten. Seit Jahren unterstützt sie Top-Athleten finanziell, bietet ihnen ihrerseits Praktikumsplätze an und stellt ihnen Mentoren an die Seite. „Dadurch haben wir oft mit Spitzensportlern zu tun und wissen, dass es sich um großartige Persönlichkeiten handelt. Sie können sich sehr gut organisieren und kommen in der Regel in den vorgegebenen Rahmenbedingungen zum Ziel. Was wünscht man sich als Arbeitgeber mehr?“, sagt Deutsche Bank Manager Christian Rummel.

Darüber hinaus profitieren auch die Mitarbeiter eines Unternehmens von dem populären Praktikanten. Der Austausch gebe eine Relation zu den Geschichten, die die Mitarbeiter sonst nur hören, und erde sie auch wieder, erläutert Paychex-Chef Haase. Das Interesse an Christian Nüchtern ist groß. Seine Geschichte musste er oft erzählen und konnte den Kollegen die Augen öffnen: Spitzensport ist eben nicht immer so glamourös wie die Kostüme beim Eistanz. Viele Sportler plagen finanzielle Sorgen. „Der Bundesverband im Eislaufen hat kein Geld. Daher sind wir auf die Unterstützung der Sporthilfe angewiesen. Zuletzt wurde ich mit 100 Euro gefördert.“ Vor dem Hintergrund, dass allein der Trainer im Monat rund 1.000 Euro koste, könne die Rechnung nur mithilfe der Eltern bezahlt werden. Christian Nüchtern hat das Glück. Es sei aber abzusehen, dass es im kommenden Jahr kein Eistanzpaar auf Meisterklassenebene mehr geben wird, vermutlich wegen der schwierigen Finanzierbarkeit.

Millionengehälter für Fussballer

Haase bringt den Vergleich mit dem Fußball an: Es sei bekannt, dass ein Profi wie Philipp Lahm (FC Bayern München) im vergangenen Jahr rund 13 Millionen Euro verdient hat. „Es weiß aber kaum jemand, dass Herr Nüchtern mit nur 100 Euro gefördert wird. Worin liegt der Unterschied? Es sind beides begabte Sportler. Der Unterschied liegt in der öffentlichen Aufmerksamkeit der verschiedenen Sportarten.“ Vor allem deshalb hält Rummel es für nötig, dass mehr Unternehmen unsere Top-Athleten unterstützen. Es müsse nicht immer finanzielle Hilfe sein, sondern eine Perspektive für die Zeit danach: „Wer Sportler auf dem Weg in die zweite Karriere unterstützt, leistet einen Beitrag für die Gesellschaft. Athleten schaffen Enormes: hohen Trainingsaufwand gegen geringe finanzielle Kompensation. Nebenbei müssen sie sich ein zweites Standbein aufbauen, um nach der Sportlerkarriere nicht ohne etwas dazustehen.“

Ein wichtiges Signal sendet die Praktikantenbörse. „Top-Athleten laden ihre Profile hoch, Unternehmen können passende Kandidaten für ein Praktikum finden“, erläutert Jens de Buhr, Herausgeber des DUB UNTERNEHMER-Magazins. Seit dem Frühjahr ist die Börse auch für nicht von der Sporthilfe geförderte Sportler geöffnet. Sämtliche deutsche Bundeskaderathleten können nun das Angebot nutzen.

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