Gemeinsam stark sein

Einer für alle, alle für einen – Das ist die Idee der Genossenschaften. Wurden sie zeitweise belächelt und für altmodisch gehalten, gewannen sie vor allem mit der Finanzkrise wieder an Bedeutung. Denn sie verkörpern Werte, die auch in einer modernen Wirtschaft gefragt sind.

Es waren schwere Zeiten. Mehrere Missernten im Winter 1846/1847 trieben die Preise für Getreide in die Höhe und verursachten eine Hungersnot. In dieser kritischen Lage gründete Friedrich Wilhelm Raiffeisen den „Brodverein”: Mit Hilfe wohlhabender Bürger kaufte er große Mengen Korn und handelte einen günstigeren Preis aus. Bedürftige bekamen Lebensmittel, später auch Saatgut, gegen Schuldscheine mit geringem Zins und waren nicht von Wucherern abhängig. Daraus entstanden die Vorschuss- und Darlehenskassen.

So hat auch die Hamburger Volksbank ihren Ursprung im Harburger Vorschussverein von 1861. Getreu der Devise „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“ setzte Raiffeisen den Grundstein für die Genossenschaften. Ursprünglich aus der Not geboren, ist die 160 Jahre alte Rechtsform aktueller denn je. Damals wie heute sind Genossenschaften freiwillige Zusammenschlüsse von Mitgliedern zu einem gemeinschaftlichen Unternehmen, organisiert nach den Prinzipien der Selbsthilfe, -verwaltung und -verantwortung. Ziel der Gemeinschaft ist dabei die Förderung der Mitglieder.

Zu dritt geht es los

Für die Gründung einer Genossenschaft sind drei Mitglieder notwendig. Das können natürliche oder juristische Personen wie Unternehmen sein. Sie legen eine Satzung fest, erstellen einen Geschäftsplan und lassen das neue Unternehmen in ein Genossenschaftsregister eintragen. Pflicht ist die Mitgliedschaft in einem Genossenschaftsverband, der in rechtlichen, steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen unterstützt und die Pflichtprüfungen durchführt. Im Gegensatz zur GmbH ist kein Mindestkapital für die Gründung erforderlich. Jedes Mitglied erwirbt einen Geschäftsanteil. Die Haftung besteht nur in Höhe dieser Einlage. Bei Entscheidungen hat jedes Mitglied ungeachtet seiner Geschäftsanteile jeweils eine Stimme.

„Ein Vorteil von Genossenschaften ist die starke Einbindung der Mitglieder durch Mitwirkungsrechte“, sagt Professor Dr. Theresia Theurl vom Institut für Genossenschaftswesen der Universität Münster. Strategische Entscheidungen orientieren sich so hauptsächlich am Bedarf der Teilnehmer. „Der Erfolg der Mitglieder steht im Vordergrund statt das Wohl anonymer Aktionäre oder eine kurzfristige Gewinnmaximierung. Also Member Value statt Shareholder Value“, so die Professorin. „Genossenschaften entsprechen einer nachhaltigen Marktwirtschaft.“ Von dem nachhaltigen Geschäftsmodell profitieren Kunden. „Bei der Beratung stehen nicht Provisionen oder Kampagnen im Vordergrund“, so Theurl. Die Kunden sind schließlich meist auch Eigentümer. Außerdem tendiert die Insolvenzwahrscheinlichkeit von Genossenschaften gegen null. Der Grundsatz der Subsidiarität bedeutet für diese Unternehmensform, dass Aufgaben dort erledigt werden, wo sie am effektivsten sind. So auch in der Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken. Die 1 200 selbstständigen Volksbanken haben insgesamt 14 000 Geschäftsstellen für die Kundenbetreuung vor Ort und nutzen dabei das Expertenwissen überregionaler Spezialinstitute aus dem genossenschaftlichen Finanzverbund. Auch die Kunden und Mitglieder der Hamburger Volksbank profitieren von dem Zusammenspiel zwischen der Bankfiliale vor Ort, dem genossenschaftlichen Zentralinstitut DZ Bank und den überregionalen Verbundpartnern wie zum Beispiel der Union Investment oder der Schwäbisch Hall.

Sicherheit geht vor

Die Stärken der Genossenschaften haben sich in der Finanzkrise gezeigt: Im Gegensatz zu anderen privaten Geldinstituten kamen die Genossenschaftsbanken ohne staatliche Rettungsmaßnahmen aus. Ein Grund ist das Sicherungssystem der Gruppe. Bereits 1934, als Folge der Weltwirtschaftskrise, haben die genossenschaftlichen Banken einen auf Solidarität und Institutsschutz basierenden Schutzmechanismus eingeführt. Bei privaten Banken steht der Anlegerschutz im Vordergrund: Der Einlagensicherungsfonds zahlt im Pleitefall nur die Spareinlagen zurück. Dagegen geht es Genossenschaftsbanken darum, die Pleite einer Institution von Anfang an zu verhindern. Kunden können sich dabei nicht nur auf die Sicherheit ihrer Einlagen, sondern auch auf die langfristige Funktionsfähigkeit ihres Geschäftspartners Volksbank verlassen – besonders im Kreditgeschäft ein Vorteil. Die angeschlossenen Institute werden neben der staatlichen Aufsicht auch vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) überwacht. Gerät eine der Banken aus dem Verbund in Schwierigkeiten, werden Unterstützungs- oder Sanierungsmaßnahmen getroffen.

In den vergangenen 75 Jahren gab es keine Insolvenz innerhalb des Verbunds. „Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) ist das weltweit älteste vollständig privat finanzierte Sicherungssystem für Banken“, sagt Uwe Fröhlich, Präsident des BVR. „Es gewährleistet seit Jahrzehnten, dass kein Kunde einer Genossenschaftsbank auch nur einen Cent seiner Einlagen verloren hat.“ Das Modell besticht jedoch nicht nur im Bankwesen. Seit einigen Jahren erlebt diese Rechtsform eine Renaissance. Zu den bestehenden 7505 Genossenschaften kamen 2009 rund 240 neue hinzu, und auch 2010 hielt der Trend an. Und zwar längst nicht mehr nur in den traditionellen Branchen wie Landwirtschaft, Handwerk, Wohnungsbau, Bankwesen oder Einkaufs- und Absatzgenossenschaften. Auch unter Steuerberatern, Internet-Providern, Krankenkassen, medizinischen Labors oder in Form von Energiegenossenschaften hat die Idee Anhänger gefunden. Inzwischen organisieren sich oft Bürger erfolgreich in Genossenschaften, um gemeinschaftliche Interessen wie die Versorgung durch Dorfläden, den Erhalt des örtlichen Schwimmbads oder eine schnellere Internetverbindung durchzusetzen. „Genossenschaften verkörpern Werte, die für eine moderne Wirtschaft maßgebend und unverzichtbar sind“, so Theurl vom Institut für Genossenschaftswesen. „Das sind Selbsthilfe, Verantwortungsbewusstsein, Nachhaltigkeit und Effizienz.“

Für weitere Informationen zu Genossenschaften klicken Sie bitte hier.

© Hamburger Volksbank. Alle Rechte vorbehalten.

Das interessiert andere Leser

  • Hört die Signale
    Das zweite Maschinenzeitalter

    Roboter und künstliche Intelligenz werden Arbeit und Gesellschaft nachhaltig verändern. Unternehmer müssen sich anpassen – zehn Tipps für die Transformation.

  • Führt Digitalisierung zum Generationenkonflikt in der Nachfolge?
    Selbstbewusste Nachfolger

    Eine neue Studie zeigt, wie die Chefs von morgen ticken: Die Nachfolger sind selbstbewusst und scheuen keinen Konflikt.

  • Schlagartig kreativ - Drums als Energiequelle für Mitarbeiter
    Trommeln für’s Gehirn

    Früher jubelten Rainer Schumann und seiner Band „Fury In The Slaughterhouse“ die Massen zu. Heute weckt der Schlagzeuger die Kreativität von Unternehmern.

  • Digitale Fitness - Möglichkeiten und Stolpersteine der Krankenkasse 4.0
    Krankenkassen in der Zwickmühle

    Kunden fordern digitale Angebote. Zugleich müssen ihre Daten geschützt werden. Wie die Techniker Krankenkasse die Herausforderung annimmt.

  • Aus zwei Welten
    Fintechs versus Banken

    In der Welt der Finanzdienstleister ist der Wettbewerb durch die Digitalisierung härter geworden. Was die Geldhäuser von den Startups lernen können.

  • Comeback versus Ruhestand - Fondsmanager: Schmecken die Rezepte der Altstars noch?
    Die (Ex-)Stars der Finanzbranche

    Sie bewegten Milliarden, waren jahrelang die Stars der Branche. Doch dann stürzten einige Fondsmanager. Gelingt ihnen nun ein Comeback?

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH
    Der Faktor Mensch

    Bei der Unternehmensnachfolge spielen nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern auch der Faktor Mensch. Drei Beispiele zeigen, worauf es ankommt.

  • Finanzierung ohne Bank
    Roadshow im Rückspiegel

    Die Roadshow „Innovative Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen“ war ein voller Erfolg. Ein Rückblick.

  • Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen
    Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen

    Im Flugsimulator einer Boeing 737 erfahren Führungskräfte, warum Selbstwahrnehmung ebenso wichtig ist, wie klare Aussagen zu treffen und Fehler zugeben zu können.

  • Den Unternehmensverkauf gut planen
    Den Unternehmensverkauf gut planen und richtig umsetzen

    Es ist unter Unternehmern allgemein bekannt, dass zwischen 2014 und 2018 in Deutschland ca. 80.000 – 120.000 Unternehmen zum Verkauf stehen, meist aufgrund einer nicht vorhandenen Unternehmensnachfolge.

  • Den Erfolg atmen -  Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik
    Den Erfolg atmen - Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Meditation entspannt und stärkt das Selbsbewusstsein. Wer sie konsequent praktiziert, kann Berge versetzen – sagt Meditationslehrer Sri Sri Ravi Shankar. Seine Erfolge sprechen für sich.

  • Pickawood Crowdinvesting
    Was wurde eigentlich aus ...

    ... Pickawood? Vor einem Jahr sammelte der Online-Möbelshop 250.000 Euro über die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ein. Heute zählt es zu den wachstumsstärksten Startups Europas.

  • Endlich Spaß - So hilft Outfittery Männern beim Shoppen
    Hier shoppt Mann gern

    Klamotten zu kaufen macht Männern so viel Spaß wie die Toilette zu putzen. Im Schnitt tun sie es nur zwei Mal pro Jahr. Doch es gibt Abhilfe: Curated Shopping.

  • Neue Quellen erschließen
    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement
    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“
    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe
    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster
    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt
    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau
    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.
    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten
    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Niederlagen nutzen
    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten
    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas
    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten
    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)
    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Last minute für Feinschmecker
    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler
    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.