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Mission Schaltzentrale

In Oliver Franke reifte schon sehr früh der Wunsch, Unternehmer zu sein. Der Weg zu seiner heutigen Tätigkeit als Chef des vom Vater mitbegründeten technischen Industriedienstleisters Franke + Pahl war dennoch alles andere als vorgezeichnet.

Am Abendbrottisch war das Geschäft ständig Thema.“ Was viele andere 13-Jährige in Ablehnung oder gar Konfrontation getrieben hätte, ließ den jungen Oliver Franke aufhorchen. Sein Vater Archibald war 1966 Mitbegründer und seit 1999 Alleineigner von Franke + Pahl, einem Dienstleister für Industrie und Logistik, seine Mutter Jutta dort kaufmännische Leiterin. Kaum verwunderlich also, dass die eigene Firma Tischgespräch war – und das nicht nur beim gemeinsamen Abendbrot. Allerdings waren dies keine Monologe eines Unternehmers. Im Gegenteil: „Auch meine Schwester Jessica und ich wurden früh eingebunden und auch gehört“, berichtet Franke. Die Erfahrungsberichte aus erster Hand über Reiz und Tücken des unternehmerischen Alltags waren ihm Impuls und Motivation zugleich: Rasch war Franke junior zu der Überzeugung gelangt, sich selbst berufl ich nur als Unternehmer verwirklichen zu können. 

Berufswunsch Unternehmer

Erste Konsequenz war die Gründung eines „Flugblattservice“ im heimischen Geesthacht durch den damals 14-Jährigen. Geschäftsleute konnten ihre Prospekte über Franke und seine ersten „Mitarbeiter“ verteilen – vitale Konkurrenz für die Beilagen der Anzeigenblätter. Im Anschluss verlief Frankes Werdegang zunächst in klassischen Bahnen. Der Lehre als Industriekaufmann folgte die Bundeswehrzeit und anschließend ein Betriebswirtschaftsstudium an der Fachhochschule Bremen. Mit 26 kehrte er voller Selbstvertrauen in das Familienunternehmen zurück, um dort zunächst als Assistent der Geschäftsführung die ISO-Zertifizierung voranzubringen. „Fachlich lief es zwar gut, aber ich habe schnell gemerkt, dass ich mich im Schatten meines Vaters, der damals in seinen Fünfzigern voll im Saft stand, dort nicht selbst verwirklich konnte.“ Trotz der Tatsache, dass sein Vater ihm in vielen Dingen ein Vorbild war, habe er sich doch über ebenso vieles geärgert, das er anders gehandhabt hätte. „Sicher habe ich mich zu dieser Zeit aber auch ein wenig überschätzt“, gibt Franke in der Retrospektive schmunzelnd zu.

Die offenkundige Unzufriedenheit gipfelte in dem Vorschlag des Vaters, dem Junior mit Rat, Tat und etwas Kapital den Start in eine eigene unternehmerische Existenz zu ermöglichen – allerdings mit der Konsequenz, dass sich die Nachfolge bei Franke + Pahl damit erledigt habe. „Nach einer schlaflosen Nacht entschied ich mich für die Loslösung“, berichtet Oliver Franke. Mit lediglich einem halben Jahr Berufserfahrung gründete er 1996 Franke Kaufmännische Personal-Dienstleistungen. Die „Kaltakquisition“ von Kunden für den Personaldienstleister beschreibt Franke noch heute als eine seiner prägendsten unternehmerischen Ersterfahrungen. „Ich habe unmittelbar erlebt, wie wichtig es ist, Kunden zu gewinnen und diese dann auch zu halten.“ Und der Junior hatte Erfolg. Nach nur wenigen Jahren zählte sein Unternehmen 60 Mitarbeiter, die Zahlen waren tiefschwarz. Eine unternehmerische Leistung, die ihm auch den Respekt des Seniors einbrachte. Für Franke war dies eine gute Zeit, in der er auch seine heutige Frau, mit der er drei Kinder hat, kennenlernte.

Nachfolger per Schicksalsschlag  

Dann folgte der Schicksalsschlag, der vieles verändern sollte. 2000 wurde bei seinem Vater eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert. Die verbleibende Lebenszeit bezifferten die Ärzte auf lediglich ein Dreivierteljahr. Zusätzlich zu der Dramatik auf persönlicher Ebene stellte sich urplötzlich die Nachfolgefrage bei Franke + Pahl. Die Familie rückte in dieser Situation zusammen und zog an einem Strang. Der Junior erhielt zunächst Generalvollmacht, gleichzeitig wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass er die Firma als Alleingesellschafter weiterführen konnte – eine Nachfolge, die so nie geplant war. Franke Senior starb 2001. Im Alter von nur 31 Jahren hatte Oliver Franke nun 600 Mitarbeiter in Branchen und Märkten, die ihm kaum bekannt waren. „Ein Scheitern hatte ich als Option allerdings nicht einkalkuliert“, denkt er heute zurück. So gelang es dem BWLer nach und nach, sich das Verständnis für die technischen Dienstleistungen des väterlichen Unternehmens und über Führungsstärke das Vertrauen der Mitarbeiter zu erarbeiten. In den vergangenen 13 Jahren hat Franke sein Haus zukunftsgerichtet auf- und 100 neue Mitarbeiter eingestellt. Er baute zusätzliche Dienstleistungsbereiche auf, gründete 2006 die Niederlassung in Bremen sowie 2007 die hauseigene Fort- und Weiterbildungsakademie. Franke hat eine Mission: Das Familienunternehmen soll weiter organisch mit den Kundenbedürfnissen wachsen und unabhängig bleiben. „Unternehmer zu sein ist mein Lebensentwurf“, sagt er. „Mit meiner Einschätzung vom Abendbrottisch lag ich goldrichtig.“

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