Vordenker Versicherung: Lebensversicherung für Versicherer

Innovation Labs im Versicherungssektor

­Innovation Labs leisten Pionierarbeit für etablierte Konzerne. Birger Venn-Hein, Leiter des Labs von ERGO Digital Ventures, sowie Projektleiter Victor Thoma erklären, worauf es ankommt.

Dr. Birger Venn-Hein (l.) und Victor Thoma (r.) verantworten das Innovation Lab bei ERGO Digital Ventures

Dr. Birger Venn-Hein (l.) und Victor Thoma (r.) verantworten das Innovation Lab bei ERGO Digital Ventures (Illustration: Philipp Möller/JDB MEDIA)

An der Schnittstelle zwischen der neuen digitalen und der alten analogen Welt leisten Innovation Labs Pionierarbeit für etablierte Konzerne. 2013 eröffnete die ERGO Group in Berlin ein solches Lab; seit 2016 ist es Teil von ERGO Digital Ventures, der Digital-Einheit des Versicherungskonzerns. Das Ziel: mit kleinem Budget schnell Zukunftsthemen abzuklopfen. ERGO Digital Ventures setzt dabei erfolgreich auf ein integriertes Konzept, um die Akzeptanz der Ideen aus dem Innovation Lab im operativen Geschäft zu sichern. Wie das gelingt, erklären Birger Venn-Hein, Leiter des Labs, sowie Projektleiter Victor Thoma.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Das ERGO Innovation Lab wurde von dem Magazin „Capital“ zu den zehn besten Digital-Laboren Deutschlands gekürt. Wie grenzen Sie sich ab vom Heer der digitalen Werkbänke anderer Konzerne?

Birger Venn-Hein: Wir sind das einzige Lab im Bereich InsureTechs auf dieser Liste. Unser Anspruch ist, Innovation nutzbar auf die Straße zu bringen. Deshalb verstehen wir uns als schaffende Einheit und verbinden uns mit den Fachabteilungen, damit unsere Proto­typen im Kerngeschäft eingeführt werden, wenn sie vom Kunden akzeptiert werden.

„Schaffende Einheit“ klingt nach Werkstatt, in der gebaut wird.

Victor Thoma: Wir verstehen uns als Denk-Werkstatt mit Toolbox, um Produkte und Services bis zum Schluss durchdenken zu können. Dafür entwickeln und transferieren wir Ideen in anfassbare Prototypen. Der Endkunde oder die Fachabteilung sollen nicht nur theoretische Konstrukte ausprobieren, sondern reale Lösungen.

Innovation Labs wird gern vorgeworfen, dass sie das hart verdiente Geld aus dem Kerngeschäft für wilde Ideen verbrennen. Welchen Mehrwert bringt Ihre Einheit für den Konzern?

Venn-Hein: Klar kann man fragen, warum sich der Konzern ein Lab leisten sollte. Da stellt sich schnell die tiefer lie­gende Frage: Wozu Innovation? Technologien wie Blockchain entwickeln sich heute in so hoher Geschwindigkeit, dass Konzerne ebenfalls in der Lage sein müssen, schnell tief einzudringen. Unser Wertbeitrag ist, mit kleinem Budget schnell Zukunftsthemen auf Chancen für unser Business zu durchleuchten – egal ob Künstliche Intelligenz, IoT oder Voice-Assistance. Mit Experimenten für wenig Geld initial zu starten ist schon deshalb sinnvoll, weil es die Verschwendung von Zeit und Ressourcen zunächst einmal vermeiden hilft.

Thoma: Experimentierfeld sind wir nicht nur, wenn es um neue Technologien geht, sondern auch in der Frage, wie wir künftig in der ERGO Arbeit organisieren und in Teams zusammenarbeiten. Da wollen wir Vorbild sein und andere inspirieren. So hat zum Beispiel der Kundenservice Elemente von Selbstorganisation für seine Servicemit­arbei­ter übernommen. Wir bekommen inzwischen regelmäßig Besuch von Konzernkollegen, die sich mit unseren Experten austauschen.

Oft sterben Innovations-Ideen, wenn die Operative sie nicht umsetzt. Warum sind Sie scheinbar dagegen immun?

Venn-Hein: Nicht jedes unserer Projekte wird zum Erfolg. Wir haben aber schnell gelernt, wie wichtig es ist, die Fachabteilung früh einzubeziehen und damit schon zu Beginn den Verantwortlichen im Boot zu haben, der es später operativ übernehmen soll.

Thoma: So ist zum Beispiel ein Chatbot hier gemeinsam mit den Kollegen vom Kundenservice in Nürnberg entstanden. Das Team dort ist begeistert und arbeitet ständig an Erweiterungen, um ihn auf der Website stärker einzusetzen oder neue Use-Cases zu testen. Wichtig ist nicht nur, die Kollegen in der Entwicklung am Tisch zu haben, sondern auch deren Anforderungen und Limi­tierungen mitzudenken, wenn zum Beispiel operative Einheiten kein Cloud-Tool verwenden dürfen.

Teil 1: Innovation Labs im Versicherungssektor

Teil 2: Sprachsteuerung in der Versicherung

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