Vernetzt unterwegs

Automated, Connected, Electrified und Shared Mobility

Ursula Wingfield, CEO von Alphabet Deutschland, will mit neuen Angeboten die Brücke zwischen traditionellem Flottenmanagement und digitaler Mobilität schlagen.

Ursula Wingfield, CEO Alphabet Deutschland (Foto: PR)
Ursula Wingfield,
CEO Alphabet Deutschland (Foto: PR)

Als Business-Mobility-Anbieter will Alphabet Deutschland den Blick nach vorn auf künftige Anforderungen richten. Diesen Anspruch formuliert CEO Ursula Wingfield und fordert von der Industriepolitik Flankenschutz.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Alphabet Deutschland versteht sich als Innovationstreiber. Wie wollen Sie diese Rolle konkret ausfüllen?

Ursula Wingfield: Wir sind Teil der BMW Group, welche die Führungsrolle in der digitalen Transformation der Automobilindustrie einnehmen will. Dafür arbeiten wir auch intensiv mit Partnern zusammen, die nicht aus dem traditionellen Automotive-Umfeld kommen. Für Unternehmens-
mobilität von morgen sind vier Kernthemen prägend, die sogenannten ACES: Automated, Connected, Electrified und Shared. Mit unserer E-Moblity-Lösung AlphaElectric, der Mobilitäts-App AlphaGuide und der Corporate-Carsharing-Lösung AlphaCity sind wir bereits erfolgreich.

Was ist auf politischer Ebene nötig, um die Potenziale der Digitalisierung voll ausschöpfen zu können?

Wingfield: Dazu benötigen wir eine Industriepolitik, welche die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Industrien insbesondere im Verhältnis zu globalen Quasi-Monopolisten ermöglicht. Die EU muss ihre Fähigkeit bewahren, etwa den Markt für Produkte und Dienstleistungen rund um das Automobil selbst aktiv gestalten zu können. Im Kern geht es darum, in welchem Umfang digitale Wertschöpfungspotenziale durch Europas Automobilhersteller, -zulieferer und Dienstleistungsanbieter generiert werden können.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?

Wingfield: Die Themen Digitalisierung und Vernetzung werden zunehmend wichtiger. Wir arbeiten daher an Mobilitätsangeboten, die deutlich über die Nutzung von Dienstwagen hinausgehen. Hier geht es darum, den Fuhrparkmanager ebenso wie den Fahrer zu unterstützen. Dieser möchte unterwegs und rund um die Uhr Zugriff auf Services haben. Mit unserer Mobilitäts-App AlphaGuide schlagen wir die Brücke zwischen traditionellem Flottenmanagement und vernetzter Mobilität.

Werkstatt-, Reifenservice, Schadenmanagement

MEIN TIPP: „What you see is what you get“: Mir ist bewusst, dass ich Einfluss auf andere habe. Ich versuche daher, mein Umfeld immer fair und respektvoll zu behandel

Welches sind die größten Widerstände gegen die digitale Transformation in Ihrer Branche?

Wingfield: Der Blick nach vorne ist wichtig, aber zugleich dürfen wir die Realität nicht aus den Augen verlieren. Wir haben viele Mittelständler als Kunden. Viele von ihnen beschäftigen sich noch nicht mit Elektromobilität, autonomem Fahren oder vernetzter Mobilität. Sie wollen einen Partner, der sie beim klassischen Fahrzeugleasing und damit verbundenen Serviceleistungen unterstützt – wie Werkstatt-, Reifenservice oder Schadenmanagement. Oftmals gibt es auch Berührungsängste gegenüber neuen Technologien. Wir haben das beim Thema E-Mobility gesehen, wo wir viel Überzeugungsarbeit leisten mussten und manchmal noch müssen, um die gängigen Vorurteile – zu geringe Reichweite, zu wenige Ladestationen und zu hohe Kosten – abzubauen. Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der Geduld erfordert, sowohl bei uns als auch bei unseren Kunden.

Für Alphabet Deutschland als Fuhrparkdienstleister ist die Mobilität der Zukunft ein Kernthema. Wo liegen für Sie hierbei die größten Herausforderungen?

Wingfield: Die moderne Arbeitswelt erfordert ein hohes Maß an Mobilität und Flexibilität. Viele Beschäftigte pendeln oder arbeiten im Homeoffice, auch unterschiedliche Firmenstandorte gehören längst zum Arbeitsalltag. Unternehmen verlangen von ihren Beschäftigten ein ebenso hohes Maß an Flexibilität und Mobilität wie umgekehrt. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Unternehmensmobilität. Die Kunden benötigen individuelle und genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen. Das muss nicht immer der klassische Dienstwagen sein, sondern kann beispielsweise auch die Nutzung von Carsharing-Fahrzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln oder eine Kombination aus beidem sein.

E-Mobility-Komplettlösung

Welche Weichen stellen Sie etwa in den Bereichen Flotten- und Elektromobilität, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein?

Wingfield: Wir setzen auch in Zukunft auf eine Produkt- und Servicepalette über den gesamten Fuhrparkmanagementprozess hinweg. Dabei ist die kompetente Beratung ein wichtiger Teil unseres Leistungsportfolios. Unseren Kunden bieten wir ganzheitliche innovative Business Mobility-Lösungen, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Damit Unternehmen heute eine Flotte effizient und nachhaltig betreiben können, kommen sie an der Integration von E-Mobility nicht vorbei. Mit AlphaElectric haben wir eine umfassende Komplettlösung zur unkomplizierten Integration von Elektrofahrzeugen in den Fuhrpark entwickelt – von der Auswahl des richtigen E-Fahrzeugs oder Plug-in-Hybrids über die passende Ladeinfrastruktur bis hin zu flexibel hinzubuchbaren Services. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Digital Energy Solutions beraten wir zudem in allen Fragen des ganzheitlichen Energiemanagements im Fuhrpark. Unser Angebotsportfolio umfasst intelligente Lade- und Abrechnungslösungen für das Laden von E-Fahrzeugen am Unternehmensstandort, an öffentlichen Ladestationen sowie beim Dienstwagennutzer zu Hause. Seit kurzem haben wir unser E-Mobility-Angebot um einen weiteren Baustein ergänzt: Alphabet bietet jetzt auch das Leasing von Ladesäulen an. Flottenbetreiber erhalten so E-Fahrzeug, Plug-in-Hybrid und die passende Ladelösung aus einer Hand und begleichen die Kosten dafür bequem über monatliche Raten. Die Ladesäulen können sowohl am Firmensitz als auch beim Fahrzeugnutzer zu Hause installiert werden. Dabei unterstützen wir durch unkomplizierte Abrechnungslösungen und intelligente Energieoptimierung. Auch die Installationskosten können in die Leasingrate integriert werden. So erleichtern wir Unternehmen den Aufbau und Unterhalt einer effizienten Flotte mit alternativen Antriebskonzepten.

Welches digitale Start-up hat Sie zuletzt am stärksten beeindruckt und warum?

Wingfield: Mich fasziniert die enorme Entwicklung, die im Bereich Künstliche Intelligenz zu beobachten ist. Als Beispiel fällt mir aus dem Bereich Healthcare das Start-Up freenome ein, das mit Hilfe eines Bluttests die Krebsfrüherkennung revolutionieren möchte. Hier gibt es meines Erachtens enormes Potential, das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern! Aber natürlich verfolge ich auch Innovationen im Bereich Mobilität und Financial Services. Spannend finde ich hier zum Beispiel Urbi, eine App, die den Trend zur Integration verschiedener Mobilitätsservices aufgreift, oder Nauto, ein autonomes Technologiesystem für Fahrzeuge, das seinen Kunden ein durch künstliche Intelligenz betriebenes Kamerasystem und intelligentes Cloud System zur Verfügung stellt.

Automotive Safety, Security und Privacy

Datenschutz ist ein zentrales Thema. Was tun Sie hier?

Wingfield: Bei der Automatisierung und Vernetzung von Fahrzeugen werden Unmengen an Daten generiert, die bei Dritten Begehrlichkeiten zu deren Nutzung wecken. Hier wird wettbewerbspolitisch die Gatekeeper-Rolle der Fahrzeughersteller infrage gestellt. Bei uns steht die Datensicherheit stets über den wirtschaftlichen Interessen. Die BMW Group hat zum Schutz von Kunden und Fahrzeugen ein umfassendes Automotive-Security-Konzept implementiert, um jederzeit die Gewährleistung für Safety, Security und Privacy übernehmen zu können. Wir sind für die Anforderungen der neuen Datenschutz-Grundverordnung bestens gerüstet.

Wer ist Ihr Vorbild als Digitalisierer?

Wingfield: Ein großartiger Visionär und Disruptor traditioneller Geschäftsmodell ist für mich Jeff Bezos. Er begeistert mit seinen Visionen Kunden, Mitarbeiter und Investoren und fordert unaufhörlich bestehende Strukturen und Geschäftsmodelle heraus. Ich denke aber gleichermaßen an Susan Wojcicki. Eine starke Frau, die Google als erste Marketingmanagerin maßgeblich geformt hat und inzwischen CEO der Videoplattform Youtube ist. Sie ist eine der wenigen Female-Tech-Leader im Silicon Valley und setzt sich besonders für die Förderung von Frauen in der IT-Branche ein.

Gibt es Momente, in denen Sie sich die Abwesenheit digitaler Geräte und Services wünschen?

Wingfield: Für mich ist digitalfreie Zeit immens wichtig, um Abstand von der täglichen Hektik zu bekommen und mich voll auf meine Familie und mich selbst zu konzentrieren. Grundsätzlich sind digitale Geräte heutzutage natürlich nicht mehr wegzudenken. Das ist auch gut so. Mobiles Arbeiten gehört für mich zum Alltag. So nutze ich auch Reisezeiten, um mir Neues – etwa eine Sprache – per App anzueignen.

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