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Teil 2: "Größe allein schützt nicht"

Dr. Rüdiger Grube leitet seit 2009 die Deutsche Bahn AG (Foto: dpa/Eventpress Radke)

Die Politik setzt den Rahmen für die Zukunft. Glauben Sie, die Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt?

Grube: Bundesminister Dobrindt setzt in Sachen Digitalisierung die richtigen Akzente und treibt zahlreiche Projekte voran. Nehmen Sie das neue Verfahren für digitales Bauen und Planen, das „Building Information Modeling“ (BIM). Eines von vier Pilotprojekten ist der gerade begonnene Bau des Tunnels Rastatt. BIM bedeutet einen großen Entwicklungssprung bei Kosten- und Planungseffizienz. Kein infrastrukturelles Großprojekt wird in Zukunft daran vorbeikommen.

Welche Innovation gilt als größte in Ihrem Unternehmen?

Grube: Eine besondere Erfolgsgeschichte ist der DB Navigator: Mit vier Millionen Reiseauskünften pro Tag ist er zur beliebtesten Reise-App Europas geworden. Neben den praktischen Vorteilen ist das psychologische Moment nicht zu unterschätzen: Der Reisende fühlt sich – gerade bei Unregelmäßigkeiten – nicht mehr fremdbestimmt, sondern holt sich aktiv alle Informationen rund um die Reise. Wenn er umsteigen muss, weiß er meist schon vor der Durchsage im Zug, wann und wo der Anschlusszug fährt und welche Services er bietet. Der DB Navigator und viele weitere DB-Apps bilden eine hervorragende Basis für den nächsten Schritt: die verkehrsträgerübergreifende Mobilitätsplattform für alle erdenklichen Wege von A nach B. Suchen, finden, nutzen, bezahlen – alles in wenigen Klicks, schlicht und einfach.

Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um das Innovationsklima zu fördern?

Grube: Wir setzen auf die Kreativität von Startups und schaffen ihnen einen Nährboden. Im DB-Accelerator werden sie für drei Monate gefördert: mit 25.000 Euro, Büroarbeitsplätzen und Mentoring. Sie erhalten exklusiven Zugang zu unserer Infrastruktur und können so ihre Prototypen live erproben. Ein Beispiel: Das Startup senvisys entwickelt eine kabellose Technik, mit der geprüft wird, ob Gleise frei von Objekten sind, vergleichbar mit einem Ohr an der Schiene. Senvisys hat uns bei einem Pitch überzeugt und kann nun in einem DB-Lab seine Ideen entwickeln. Und wir helfen mit unserem Know-how, zum Beispiel bei rechtlichen Fragen der Zulassung.

Uber hat unlängst die gesamte Taxibranche auf den Kopf gestellt. Denken Sie, dem Schienenverkehr könnte es ähnlich ergehen?

Grube: Diese Gefahr ist real. Wir als Bahn dürfen zum Beispiel die Schnittstelle zum Kunden nicht verlieren. Aber größer als die Risiken sind die Chancen der Digitalisierung. Ein Beispiel: Während wir früher unsere internen Daten sorgsam gehütet haben, geben wir jetzt ausgewählte Informationen in unserem Open-Data-Portal für Start-ups preis, zum Beispiel Fahrplandaten und Diagnosemeldungen. Jede Steuerung, jede Weiche erzeugt Daten, aus denen sich etwas ableiten lässt. Unsere Infrastruktur ist da eine echte Schatztruhe.

MEIN TIPP: Es ist ganz wichtig, dass man „kluge Fehler“ macht. Als großer Konzern kann man die Denke nicht von heute auf morgen ändern, aber uns allen muss klar sein: Die Größe allein schützt uns nicht – denken Sie nur mal an die Dinosaurier.

Teil 1: Wir müssen uns mehr trauen
Teil 2: "Größe allein schützt nicht"
Teil 3: "Unter 1.000 Kilometer Entfernung sitzt man am besten im Zug"

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