Teil 2: „Wachstum durch Wandel“

Wie beurteilen Sie steigende IT-Risiken in einer digitalisierten Welt, etwa durch Betriebsspionage, Hacker-Attacken oder Negativkampagnen?
Rollinger:
Das sind neue Risiken, mit denen wir es zu tun haben. Aber wir wären nicht die Versicherungsbranche, wenn wir daraus nicht ein Geschäftsmodell machen könnten: Wir versichern Privatleute gegen Datenverlust oder gegen die missbräuchliche Nutzung von Daten im Internet. Unternehmen können sich gegen Datenverlust oder Schadensersatzansprüche von Dritten absichern.

Beschreiten wir mit den strengen europäischen und deutschen Datenschutznormen in digitalen Zeiten eher den Holz- oder den Königsweg?
Rollinger:
Im Gegensatz zu anderen Ländern dieser Welt spielt bei uns der Datenschutz eine ungleich größere Rolle. So spannend es auch sein mag, was technisch alles möglich ist – es ist doch auch gut, durch Datenschutzregeln und den Schutz von Persönlichkeitsrechten sowie der Menschwürde ein wichtiges Korrektiv zu haben. Nicht alles, was möglich ist, muss man auch zulassen.

MEIN TIPP: Ans Ziel kommt nur, wer eins hat.

Verfügt Deutschland über ausreichend Top-Nachwuchs, um die Digitalisierung voranzutreiben?
Rollinger:
Um die vielen talentierten und gut ausgebildeten Leute hierzulande ist ein „War of Talents“ entbrannt. Das ist gerade für die Versicherungsbranche eine besondere Herausforderung. Als eines der führenden deutschen Versicherungsunternehmen bietet R+V jungen qualifizierten Leuten in einem soliden Unternehmen mit langfristigen Perspektiven hervorragende Karrieremöglichkeiten und attraktive Arbeitsbedingungen. Gerade mit Blick auf die Transformation unseres Unternehmens haben wir natürlich auch Bedarf an motivierten und engagierten Nachwuchskräften – besonders solche mit Skills in den Bereichen Digitalisierung und Kundenmanagement, auf die wir künftig einen besonderen Fokus richten.

Welche Wege und Strategien sind erforderlich, um die gesamte oder zumindest das Gros der Gesellschaft an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren zu lassen und niemanden auszuschließen?
Rollinger:
Ich glaube nicht, dass wir uns in Deutschland allzu große Gedanken machen müssen, dass ein Teil unserer Gesellschaft nicht mitkommt. Selbst viele ältere Menschen sind heutzutage sehr pfiffig im Umgang mit den neuen Medien. Im Übrigen handelt es sich ja um eine evolutionäre Entwicklung und nichts, was revolutionsartig über uns hereinbricht.

Welche digitale Innovation verändert Ihr Unternehmen am stärksten?
Rollinger:
Unsere Strategie „Wachstum durch Wandel“ hat das Ziel, die Beitragseinnahmen bis 2022 von heute 15 auf 20 Milliarden Euro zu steigern. Dafür werden wir die digitale Vernetzung mit Vertriebspartnern ebenso ausbauen wie die digitalen Schnittstellen zu unseren Kunden. Das wird keine Disruption, sondern eher eine forcierte Evolution. Aber die Entwicklung geht weiter. Die Versicherungsbranche hat jahrzehntelange Erfahrung in der Verarbeitung großer Datenmengen. Und doch stehen wir – was die Nutzungsmöglichkeiten von Big Data und Künstlicher Intelligenz angeht – erst am Anfang. Erste Ansätze gibt es bereits, etwa für die Schadenbearbeitung oder in der Kundenberatung.

Teil 1: „Forcierte Evolution”

Teil 2: „Wachstum durch Wandel”

Teil 3: „Aufbruchstimmung”

 

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