Teil 2: Einstellungen überdenken

MEIN TIPP: Etablierte Unternehmen sollten sich aktiv auf Start-ups zubewegen, um neue Geschäftspotenziale in Kooperation zu erschließen.

Inwieweit bringen deutsche Hochschulen in ausreichendem Maß Top-Nachwuchskräfte hervor, die eine Transformation in Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups digitale Impulse setzen können?
Busemann: Eines ist sicher: Veränderungen erfolgen heute deutlich schneller als in der Vergangenheit. Die Veränderungsgeschwindigkeit nimmt konstant weiter zu, Innovationszyklen werden immer kürzer. Vor diesem Hintergrund müssen deutsche Hochschulen mehr und tiefergehende digitale Kompetenzen als bisher vermitteln, beispielsweise in der Auswertung von Statistiken oder in der digitalen Analyse und Beurteilung großer Datenmengen, da gibt es keinen Zweifel. Wir benötigen eine solche Entwicklung dringend, denn der infolge der Digitalisierung herbeigeführte Wandel verändert auch die Berufsbilder erheblich. Die Bildung ist somit eine wesentliche Grundlage, um Veränderungen erfolgreich zu gestalten. Aber mindestens genauso wichtig wie die Ausbildung ist die richtige Haltung, wie wir mit Veränderungen umgehen. Die Etablierung eines Unternehmergeistes, der auch ein Scheitern zulässt, ist dabei eine der größten Herausforderungen. An der Westküste der USA sind Start-ups häufig bessergestellt als in Europa: Der Zugang zu Personalressourcen und Netzwerken, die Qualität der Infrastruktur oder die Finanzierungsmöglichkeiten sind wesentlich besser. Dies möchte ich gerne an einem Beispiel verdeutlichen. Ich habe in den USA im Silicon Valley einen Vortrag eines Start-up-Unternehmers über die Entwicklung seines Unternehmens gehört. Dieser berichtete, dass er in seinem ersten Projekt eine Million US-Dollar eingesetzt hat. Im Ergebnis brachte das Projekt fünf Millionen Dollar. Im zweiten Projekt reinvestierte er die fünf Millionen Dollar und erzielte 25 Millionen Dollar. Dagegen konnte er im dritten Projekt mit einer Investitionssumme von 20 Millionen Dollar gar keinen Ertrag generieren. Das Geld war schlicht und einfach weg. Und was passierte dann? Was meinen Sie, war die Reaktion der Bank? Sie bot dem Unternehmer ihre Unterstützung bei dem vierten Projekt an, um von der Erfahrung des Scheiterns des Unternehmers zu profitieren. Ein derartig unternehmerisch geprägtes Geschehen ist in Deutschland eher unüblich. Hierzulande wird Scheitern noch immer als großer Makel angesehen. Ein risikoaffines Vorgehen ist, genau wie die stärkere Start-Up-Szene, kulturell stärker in den USA ausgeprägt als hier in Deutschland. Aber: Deutschland ist das Land der exzellenten Grundlagenforschung, der im internationalen Vergleich immer noch herausragenden, im eigentlichen Sinn wirkenden universitären Ausbildung. Festzuhalten bleibt: In Deutschland tut sich nicht nur viel, sondern wir haben auch eine ganz ausgezeichnete Basis, um Digitalisierung und damit Innovation erfolgreich und auch dynamisiert voranzutreiben. Es gibt Aufholbedarf, aber wir haben sehr gute Chancen und Möglichkeiten, die Nase ganz vorne zu halten.

Teil 1: Vorausschauen

Teil 2: Einstellungen überdenken

Teil 3: „Vielleicht auch selbst kannibalisieren”

 

 

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