Teil 3: „Wenn sich die Menschen nicht verändern, wird es die Welt für sie tun”

MEIN TIPP: Unternehmen dürfen sich nicht nur auf ihr Produkt fokussieren, sie brauchen eine Mission.

Wie steht es mit Deutschland? Glauben Sie an ein Silicon Valley in Berlin, München oder Hamburg?
Vieux:
Daran glaube ich erst, wenn die Deutschen akzeptieren, dass sie ihre Grenzen öffnen müssen. Wie sich gezeigt hat, ist das in Deutschland nicht leicht. Angela Merkel wurde für ihre Flüchtlingspolitik in den Umfragen abgestraft. Deutschland hat ein riesiges Potenzial, steht aber auch vor riesigen Herausforderungen. Das Potenzial speist sich aus zwei Faktoren: Das eine ist das große geistige Eigentum der Deutschen, die Jugend ist sehr gebildet. Es gibt sowohl großartige geisteswissenschaftliche als auch naturwissenschaftliche Schulen. Technologie verbindet all diese Disziplinen. Wenn sie heute im Technologiebereich arbeiten, reicht es nicht aus, wenn sie sehr gut programmieren können. Sie müssen gut in Sprachwissenschaft und im Programmieren sein. Deutschland hat das notwendige Know-how, genug Studierende, genug intellektuelles Kapital. Die zehn Millionen Studenten, die in Deutschland pro Jahr anfangen, werden diese Welt verändern. Der zweite Faktor für Deutschlands Potenzial – es hat sehr viele Unternehmen. Der Mittelstand ist groß und das ist wichtig. Es ist nicht wie in Ländern, wo es nur zehn große Technologiefirmen gibt. In Deutschland existiert daher mehr Wettbewerb. Mittelständler sind groß genug, um global zu agieren, aber klein genug, um flexibel zu bleiben. Die Herausforderung ist die Folgende: Probleme fangen immer im Kopf an. Deutschland hat die Idee noch nicht akzeptiert, dass jeder mit jedem Kontakt haben kann. Der freie Kontaktzugang zu allen Menschen setzt sich in Deutschland nur schwer durch. Deutsche wollen tendenziell auf Nummer Sicher gehen und alles im Voraus planen. Man muss außerdem einen Titel haben oder berühmt sein, damit die Leute mit einem sprechen. Sobald man aber bekannt wird, spricht man nicht mehr mit den Anderen. Digitale Technologie zielt genau auf das Gegenteil ab. Es gibt also beinahe eine unterschiedliche DNA zwischen der deutschen Mentalität und der digitalen Technologie. Technologie revolutioniert und verändert. Man muss akzeptieren, dass die Welt von heute nicht die Welt von morgen sein wird. Der Gewinner von heute kann der Verlieren von morgen sein. Also muss man dem Veränderungsgedanken extrem aufgeschlossen gegenüberstehen. Deutschland mag Stabilität und keine Veränderung. Amerikaner sind an Veränderungen gewöhnt. Sie leben davon. Wie Keith Krach, CEO von DocuSign, sagt, ist Veränderung ein mächtiges Wort. Wenn sich die Menschen nicht verändern, wird es die Welt für sie tun. Will man Herr über den Wandel sein oder Opfer? Man muss sich entscheiden. Das ist übrigen ein paneuropäisches Problem.

In Amerika haben sie derzeit aber auch keine offenen Grenzen ...
Vieux:
Richtig, aber geschichtlich betrachtet ist Trump doch ein kleines Phänomen. Im letzten Jahrhundert hat Amerika Millionen von Einwanderern ins Land gelassen. Ich sitze etwa im Board von DocuSign, einem kalifornischen Softwareunternehmen für das papierlose Büro. Sieben oder acht Boardmitglieder sprechen Englisch mit Akzent, aber haben einen amerikanischen Pass. Sie kommen aus Indien, Pakistan, dem Iran. Das gibt es in Frankreich oder Deutschland in diesem Ausmaß nicht.

Teil 1: Auf großer Mission

Teil 2: „Die Welt da draußen ist eine andere”

Teil 3: „Wenn sich die Menschen nicht verändern, wird es die Welt für sie tun”

 

 

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