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Teil 2: „Die Welt da draußen ist eine andere”

Sie haben also keine Angst vor der technologischen Entwicklung?
Vieux: Erstens: Was du nicht aufhalten kannst, akzeptiere. Zweitens und viel wichtiger: Wenn ich auf die Entwicklung der letzten 20 Jahre zurückschaue, sehe ich mehr Fortschritt als Probleme. Es kommt natürlich auf die Betrachtungsweise an. Ich sehe die Welt aus der Perspektive der Menschen, die nicht privilegiert sind, die keinen Zugang haben. Technologie gibt den Menschen Zugang zu Information. Ich spreche von Menschen, die zwei Rupien zahlen und dafür ein Mobiltelefon bekommen. Dank Internet und Fingerdruckscan können sie heute Mikropayments tätigen. All diese Dinge verändern die Welt und machen Sie zu einem besseren Ort.

Was ist mit Künstlicher Intelligenz (KI)? Es gibt ja gerade einen Hype darum im Silicon Valley.
Vieux: Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Valley an KI versucht. Bereits 1985 schrieb ich über Unternehmen wie Neuron Data, damals sehr bekannt in der KI-Branche. Doch sie sind verschwunden, da ihre Technologie regelbasiert war und es zu viele Inferenzen gab. Damals gab es sogar ein Unternehmen namens Inference. 1992 war diese erste KI-Welle zu Ende. Nun, 25 Jahre später, haben wir KI wiederentdeckt. Denn die Dinge stehen nun anders. Die Datenmenge, die wir heute zur Verfügung haben, ist wesentlich größer. Die Art, wie man Daten nutzen kann und wie Maschinen daraus lernen können, ist anders. Die Geschwindigkeit, die Schlussfolgerungen, die Entscheidungsmechanismen der Maschinen sind anders. Wir haben das an der Wall Street gesehen. Automatischer Börsenhandel hatte Auswirkungen, die wir nicht vorausgesehen haben. 95 Prozent aller Trader bei Goldman Sachs wurden gefeuert, fünf Prozent davon sind noch übrig. Trotzdem handelt die Investmentbank heute zehnmal so viel wie vor fünfzehn Jahren. Die Welt da draußen ist also eine andere. Ein solcher Umbruch steht nun auch wieder mit KI bevor. Vieles davon passiert aber nicht an der Oberfläche.

Sie pflegen viel Kontakt mit Politikern. Welche Rolle muss die Politik bei der digitalen Transformation spielen?
Vieux:
Nehmen Sie das Beispiel USA: Eines der großen Geheimnisse ist, wie intensiv dort Technologie staatlich gefördert wird. Viele denken, die amerikanische Tech-Branche sei wirtschaftsliberal und gegen staatliche Intervention. Das stimmt so nicht. Über DARPA, der Behörde des US-Verteidigungsministeriums für Forschungs-Projekte, wurden in den vergangenen 50 Jahren Milliarden in Technologie investiert. Die USA wissen, dass kleine Unternehmen nicht die Möglichkeit haben, groß in Forschung und Entwicklung zu investieren. Das ist der Grund, warum die Regierung interveniert.

Teil 1: Auf großer Mission

Teil 2: „Die Welt da draußen ist eine andere”

Teil 3: „Wenn sich die Menschen nicht verändern, wird es die Welt für sie tun”

 

 

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