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Teil 2: „Digitale Transformation ist eine enorme Chance“

Der 57-jährige Ulrich Leitermann trat 1997 als Finanzvorstand bei der Signal Versicherung in Dortmund an. Seit 2013 ist er Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe (Foto: PR)

Digitalisierung und Transformation: Erwarten Sie, dass auf uns soziale und politische Herausforderungen zukommen, etwa frappierend steigende Arbeitslosigkeit oder radikale gesellschaftliche Umbrüche?

Leitermann: Ich persönlich halte den Umgang und die Nutzung von Daten für eine der großen gesellschaftlichen Aufgaben, die wir lösen müssen. Künftig wird alles vernetzt sein – Autos, Sportschuhe, Fabriken – und überall werden Daten anfallen. Jeder einzelne von uns und wir als Gesellschaft werden uns die Frage stellen müssen, wie wir mit diesen Datenmengen umgehen wollen. Sollen diese Daten ausgewertet werden, um unser Leben einfacher und besser zu machen? Wer darf dann auf diese Daten zugreifen? Und wer nicht? Wo beginnt der Datenschutz? Das sind die Fragen, die wir uns als Gesellschaft stellen müssen.

Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen und beispielsweise die richtigen Reformen auf den Weg bringen?

Leitermann: Im Moment wird viel geredet und gefühlt findet in Berlin jeden Monat ein Zukunftskongress statt. Bei einigen wichtigen Themen fehlt mir in der Politik jedoch eindeutig die Weitsicht und Handlungsbereitschaft. Nehmen Sie das Beispiel Altersarmut. Es ist unstrittig, dass hier ein riesiges Problem auf uns zukommt. Wenn wir nicht massiv gegensteuern, wird ein großer Teil der heute jungen Generation im Alter arm sein. Deshalb wäre es dringend notwendig, die Menschen zur Vorsorge zu ermuntern und das Sparen zu erleichtern. Was haben wir stattdessen: Durch eine politisch gewollte Niedrigzinspolitik wird die über Jahre mühsam aufgebaute Überzeugung, dass individuelle Altersvorsorge notwendig ist, zunichte gemacht. Ich sehe nicht, dass die Politik diese Herausforderung richtig angeht. Dafür aber mit Fragen beschäftigt, ob 2030 noch Diesel- und Benzinfahrzeuge zugelassen werden. Die Politik muss sich fragen, ob sie sich mit den wirklich wichtigen Themen beschäftigt.

2014 haben Sie den ersten Telematik-Tarif in Deutschland auf den Markt gebracht. Würden Sie das als die größte Innovation Ihres Unternehmens bezeichnen?

Leitermann: Das Angebot ist ohne Frage eine wichtige Innovation – auch, weil sie nach außen hin gut sichtbar ist. Anders als etwa bei einem Autohersteller sind bei uns nur die wenigsten Neuerungen für den Kunden oder die Öffentlichkeit sichtbar. Viele Erfindungen betreffen unsere internen Abläufe, unsere IT und Prozesse. Wir haben zum Beispiel eine App für unsere Außendienstmitarbeiter gebaut, mit der sie schnell und unkompliziert die Verträge von Kunden aufrufen und Schäden aufnehmen können. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber eine große Hilfe, die am Ende zu einer besseren Beratung führt.

Ist diese Form der Versicherungs-Apps die Zukunft der Assekuranz?

Leitermann: Ja, da geht die Reise hin. Wir erreichen damit nicht nur neue, jüngere Zielgruppen. Wir können unsere Angebote auch viel passgenauer auf die Bedürfnisse unserer Kunden ausrichten. Wenn wir uns als Versicherungsbranche auf unsere Stärken besinnen und uns zugleich für die digitalen Chancen öffnen, dann können wir sehr optimistisch in die Zukunft schauen.

Nicht alle Branchenkenner teilen Ihren Optimismus.

Leitermann: Keine Frage: Die Digitalisierung ist heute ein Stresstest für jedes Geschäftsmodell – und davon ist keine Branche ausgenommen, auch nicht die Versicherungswirtschaft. Aber die digitale Transformation ist zugleich eine enorme Chance, weil sie uns neue Geschäftsmodelle ermöglicht und Bestehendes sehr viel einfacher machen kann.

Teil 1: Stresstest Digitalisierung

Teil 2: „Digitale Transformation ist eine enorme Chance“

Teil 3: „Kurskorrekturen sind wichtig“

 

 

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