Hamburg, 19.05.2017

Teil 4: „In einigen Jahren werden nicht mehr so viele der heutigen Fintechs existieren.“

Wie verändert die Digitalisierung das Geschäft einer Direktbank, die ja schon online agiert? Walter: Wir werden in der Beratung noch einmal einen Schritt nach vorn machen, gerade was mobile Anwendungen betrifft. Ich habe mich in der Baufinanzierungsberatung kürzlich einmal zu einer ­Videoberatung gesetzt. Ich muss sagen: Das ist ­vergleichbar gut wie eine Filialberatung. Das wird übrigens auch von Kunden so gesehen. In Sachen Artificial Intelligence und Chat-Bots fahren wir derzeit ebenfalls eigene Pilotprojekte. Meine Prognose ist, dass wir in Deutschland am Ende deutlich weniger echte Filial-Beratungsstellen und deutlich mehr Servicestellen haben werden – und die dann vielleicht auch irgendwann nicht mehr nur für eine Bank. Mein großer Traum war es schon vor 15 Jahren, Geldversorgung und Service zu bündeln und sie der ganzen Bankenlandschaft zur Verfügung zu stellen.

Inwieweit bedrohen Fintechs das klassische Bankensystem, und wie ordnen Sie die Direktbank in dieser Gemengelage ein?
Walter:
Wenn Sie so wollen, ist comdirect mit das älteste Fintech Deutschlands. Im Kern waren wir stets ein Technologieunternehmen mit besonderem Fokus auf das Wertpapiergeschäft. Aus dieser Kombination stammen viele unserer Innovationen. Ich finde die heutigen Fintechs grundsätzlich gut, denn sie bringen viele neue Ideen, sind uns Inspiration und veranlassen uns, anders über Dinge nachzudenken. Der Vorteil mit unserem Hintergrund als Bank ist unsere Power. Wir können relativ viel und relativ schnell die guten Lösungen im Markt nachbauen. Und was das Gefahrenpotenzial angeht: Die Fintechs merken gerade, dass auch sie Kunden gewinnen müssen. Das kostet Geld. Geld wiederum muss mit Kunden verdient werden – aber viele der Dienste, die Fintechs anbieten, sind erst einmal kostenlos. Momentan zahlen vielfach noch die Investoren. Bis zum Break-even ist es oft noch ein weiter Weg. Meine These: In einigen Jahren werden nicht mehr so viele der heutigen Fintechs existieren.

Braucht es auch im Hause comdirect Anpassungen, um die digitale Transformation zu bewältigen?
Walter:
Auch wir müssen da ganz viel tun. Die Digitalisierung funktioniert über agile Projektmethoden. Wir sind alle in einer anderen Welt groß geworden. Wenn Sie zwanzig Jahre Erfahrung als Projektmanager haben und jetzt plötzlich agil arbeiten sollen, ist das nicht einfach. Und wir müssen uns auch immer wieder darauf einstellen, anders zu programmieren und anders an Dinge heranzugehen. Vieles machen wir auch schon richtig. Wir leisten uns beispielsweise eine eigene Abteilung für Innovationen nebst Business-Development. Deren teils ungewöhnliche Ideen muss man auch zulassen. Grundsätzlich gilt: Wir müssen uns ständig weiterentwickeln, selbst auf dem neusten Stand halten und das Ganze intern auch immer wieder vorleben. Das ist eine dauerhafte Herausforderung.

Teil 1: Ende der Dummheit

Teil 2: Deutschland – König der Optimierer

Teil 3: „Wir haben den Bankkunden emanzipiert“

Teil 4: „In einigen Jahren werden nicht mehr so viele der heutigen Fintechs existieren.“

Teil 5: „Banker aus Leidenschaft“

 

 

Das interessiert andere Leser

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser