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Hamburg, 19.05.2017

Teil 3: „Wir haben den Bankkunden emanzipiert“

Die Angaben beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2016

Schafft die Politik die richtigen Rahmenbedingungen für die digitale Transformation?
Walter: Man war lange auf dem falschen Dampfer unterwegs, agiert auch jetzt noch viel zu reaktiv und hinkt der Entwicklung viel zu weit hinterher. Wenn es um unsere Zukunft geht, treibt mich seit Jahren die Bildungspolitik um: Wir sind in einer extrem schwierigen Situation. Deutschlands Rohstoff sind die Köpfe der Menschen. Nicht umsonst stammen so viele Patente von hier. Wir kommen mit der Digitalisierung in Schulen aber nicht wirklich voran. Im Gegenteil: Manche Entwicklung erscheint sogar rückwärtsgewandt. Viele Lehrer und Schulleiter mit maßgeblichem Einfluss sind zwischen 50 und 60 Jahren alt, eine häufig von den 68ern geprägte Generation. Deren Offenheit gegenüber Themen wie Wirtschaft und Digitalisierung ist überschaubar.

Welches war oder ist die größte Innovation Ihres Hauses?
Walter:
Die eigentliche Revolution und gleichzeitig größte Innovation war, dass wir mit comdirect damals die Idee hatten, dass Banking generell auch komplett online und direkt funktionieren könnte und nicht mehr nur persönlich in einer Filiale. Damals vor 22 Jahren hieß es noch: „Die sind ja wahnsinnig, wie soll denn das gehen per Telefon und Fax?“ Das Innovative an dem Ansatz aber war, dass wir es dem Kunden zugetraut haben, Bankgeschäfte selbstbestimmt außerhalb der Filiale abzuwickeln und sich auf ihn einzurichten. Diese Idee haben wir in den folgenden Jahren immer wieder weiterentwickelt und neu erfunden. Auf diesem Weg sind wir mehrfach mit Innovationspreisen ausgezeichnet worden – auch weil wir stets versucht haben, voraus und neu zu denken. In der Rückbetrachtung, war es mutig von den Vorständen der Commerzbank, sich diesen Schritt damals zuzutrauen.

War diese Innovation der Anfang vom Ende der klassischen Bank?
Walter:
Ja und Nein. Es hat eine Veränderung gebracht. Die Menschen haben die Wahl. Angesichts der mangelnden finanziellen Allgemeinbildung brauchen viele nach wie vor den Berater. So wie sie heute entscheiden, ob sie ein Auto kaufen oder Carsharing betreiben, entscheiden Menschen auch, ob sie bei großen, wichtigen Entscheidungen in einer Filiale betreut werden wollen. Genauso gibt es aber Menschen, die alles digital erledigen wollen. Die Direktbanken werden künftig aber viele Vorteile auf sich vereinen und viele attraktive Kunden gewinnen, denn keine Filiale wird dem Menschen je so nah sein, wie das Smartphone in der Tasche. Wir haben den Bankkunden emanzipiert. Er gibt den Takt vor und nicht wir.

MEIN MOTTO: Habe die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst, den Mut, Dinge zu ändern, die du ändern kannst, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Teil 1: Ende der Dummheit Digitalisierung: Interview mit Arno Walter, comdirect bank AG, Teil 1

Teil 2: Deutschland – König der Optimierer

Teil 3: „Wir haben den Bankkunden emanzipiert“

Teil 4: „In einigen Jahren werden nicht mehr so viele der heutigen Fintechs existieren.“

Teil 5: „Banker aus Leidenschaft“

 

 

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