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"Struktur braucht Zeit" – Teil 3 des Exklusivinterviews mit Dietmar Beiersdorfer

Wie ist Ihre Meinung zu den exponentiell steigenden Gehältern und Ablösesummen im Profifußball? Sind sie schädlich oder lediglich Ausdruck der Attraktivität dieser Sportart? Sollten Ablösesummen und Gehälter gedeckelt oder den Dingen ihren freien Lauf gelassen werden?
Beiersdorfer: Ablösesummen oder Gehälter zu deckeln oder zu regulieren halte ich für nicht richtig. Wir haben im Gegensatz zu den US-Ligen ein offenes System, und das ist auch gut so.

Die Diskussion um den Videobeweis in der Bundesliga hält an. Wie ist Ihre Position dazu?
Beiersdorfer: Den Videobeweis, angemessen eingesetzt, halte ich für eine nachvollziehbare und sinnvolle Verbesserung in der Entwicklung des Profifußballs in der Bundesliga.

Die HSV Fußball AG hat viel Fußballverstand bei den Handelnden gebündelt – vielen gilt eine solche Aufstellung als wünschenswert. Wie aber lassen sich die Kompetenzbereiche angesichts der sicher überall vorhandenen Expertise richtig abgrenzen? Oder ist der fortwährende Austausch Teil des Systems?
Beiersdorfer: Wir haben bewusst eine Matrixform der Organisation gewählt – das ergibt naturgemäß Austausch und Diskussionen. Man hat eben immer die Aktualität des Tages, die mittelfristige Betrachtung und die langfristige Perspektive an einem Tisch sitzen. Aber die Zusammenarbeit der Führungskräfte soll sich auch zu einer unserer Stärken entwickeln. Auf der anderen Seite hat jeder seine Kompetenzbereiche. Auch, wenn sich alle Bereiche immer miteinander abstimmen: In letzter Instanz werden die Entscheidungen vom jeweiligen Verantwortlichen getroffen.

Welche beruflichen Stationen haben Sie geprägt?
Beiersdorfer: Als Wirtschaftsprüfungsassistent und Prüfungsleiter bei KPMG habe ich erstmals das disziplinierte, strukturierte und präzise Arbeiten gelernt. Schließlich war ich vorher Fußballprofi (lacht). Grundsätzlich habe ich aber aus allen meinen beruflichen Etappen sehr viel mitgenommen. Natürlich auch aus meiner Zeit als Sportdirektor des HSV. In dieser Phase haben wir viel entwickelt, insgesamt sieben Jahre nacheinander international gespielt. Die Zeit bei Red Bull Global Soccer war sehr vielschichtig. Neben dem Fußball waren die Marke, die Wahrnehmung und die Vermarktung extrem wichtig – das Spielfeld auf vier Kontinenten größer, die Perspektiven unterschiedlicher. Bei Zenit St. Petersburg wiederum waren die Strukturen ganz anders, klar und undurchsichtig zugleich. Dort habe ich viel inhaltlich und konzeptionell gearbeitet, das Spielfeld war nur in eine Richtung, aber noch nicht vollständig bespielt.

 

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