Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 03.04.2017

Unternehmensnachfolge: Wie verhalten sich die alten und neuen Eigentümer?

Unternehmensverkäufe führen zu mehr Beschäftigung, nicht weniger, wie sonst häufig behauptet. Diese und andere Ergebnisse fördert eine Studie des IfM Bonn zu Tage.

Wirtschaften Familienunternehmer anders vor einem anstehenden Verkauf oder der Übergabe an einen Nachfolger? Wie verändern sich Unternehmen nach einem Verkauf? Und wie soll die Nachfolge aussehen? Diesen und anderen Fragen ist das IfM Bonn in einer großen Untersuchung nachgegangen.

Grundlage für die Studie war die Befragung von jährlich rund 16.000 Unternehmen im Rahmen des Betriebspanels des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im Jahr 2012 wurden in diesem Zusammenhang auch Informationen zur Unternehmensnachfolge erhoben.

So erwarteten im Befragungsjahr 7,9 Prozent der rund 129.000 Firmen mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten eine in „absehbarer Zeit“ anstehende Unternehmensnachfolge.

Rund zwei Drittel dieser geplanten Nachfolgen stehen in Kleinstbetrieben mit bis zu neun sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten an. Die weiteren geplanten Unternehmensnachfolgen entfallen zu knapp einem Drittel auf Kleinbetriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten und zu 3,3 Prozent auf mittlere und Großbetriebe. Auffällig: Kleinbetriebe planen mehr als doppelt so häufig eine Nachfolge, als es gemäß ihres Vorkommens in der deutschen Wirtschaft zu erwarten wäre. Die Forscher vom IfM erklären dies mit einer geringeren Übernahmewürdigkeit.

Längst nicht jeder Eigentümer eines übergabereifen Unternehmens hat schon die Art der Nachfolge geklärt. Rund ein Sechstel war zum Zeitpunkt der Befragung noch am Überlegen. Diejenigen, die Klarheit haben, streben mehrheitlich eine familieninterne Nachfolge an. Mehr als ein Viertel plant den Verkauf des Unternehmens. Nur jeder zehnte Altinhaber plant, entweder einen Fremdmanager einzustellen oder das Unternehmen zu verpachten. Das bedeutet, dass die Leitung des Betriebs, nicht aber das Eigentum übertragen wird. Am kleinsten ist der Anteil derjenigen, die keine Weiterführung des Unternehmens im Nachfolgefall anstreben (4 Prozent.)

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Vor der Übergabe geht der Umsatz zurück, der Personalbestand bleibt hingegen konstant. Ein Eigentümerwechsel wirkt sich dagegen nicht auf den Umsatz aus, allerdings steigt im Durchschnitt die Zahl der Beschäftigten. Gerade in den ersten drei Jahren nach dem Inhaberwechsel klettert die Zahl der Mitarbeiter kontinuierlich an. Laut der Studie übersteigt In den gesamten fünf untersuchten Jahren der Anteil der Unternehmen, die Beschäftigte einstellen, den Anteil der Unternehmen mit Personalaustritten.



Entwicklung der durchschnittlichen Anzahl Beschäftigter sowie des Anteils von Betrieben mit Personalein- bzw. -austritten nach erfolgtem Eigentümerwechsel (Quelle: IfM-Materialien Nr. 254)

Indexierte Werte. Basisjahr ist das Jahr des Eigentümerwechsels (t = 0).
Quelle: IAB-Betriebspanel, Wellen 2000-2014; hochgerechnete Werte; eigene Berechnungen.



Wie verhalten sich Alteigentümer im Fall einer familieninternen Nachfolge? Sie reduzieren überraschenderweise zunehmend die Investitionsausgaben - je näher der Übergabezeitpunkt heranrückt. Die Forscher erklären dieses Ergebnis mit gewöhnlich länger andauernden Investitionsvorhaben. Außerdem würden unmittelbar nach der Übergabe die neuen Eigentümer unterlassene Investitionen zeitnah nachholen. So sind im Durchschnitt die Investitionen in den ersten fünf Jahren nach dem Eigentümerwechsel genau im Übergabejahr am höchsten und sinken dann im weiteren Zeitverlauf deutlich. Das betrifft insbesondere die Modernisierung der technischen Anlagen. Ein weiteres Ergebnis bei der Übergabe an einem familieninternen Nachfolger: Die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter wird zurückgefahren. Dagegen bleiben die Bereiche Ausbildung, Innovationen und betriebliche Reorganisation im Status Quo.

Anders ist dies, wenn die Altinhaber ihre Firma verkaufen wollen. Die Ausgaben in Forschung & Entwicklung sinken, betriebliche Reorganisationsmaßnahmen werden seltener. Die Studienautoren erklären dies damit, dass die Verkäufer nicht sicher sein können, ob ihre Maßnahmen auch vom Käufer finanziell honoriert werden. Es ist also eine schlicht ökonomisch-rationale Verhaltensweise der Verkäufer.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Forschungsprojekt zur Unternehmensnachfolge

    Bei der Übergabe stehen meist die aktuellen Probleme im Mittelpunkt, Pläne für die Zukunft kommen zu kurz. Ein Forschungsprojekt der Universität Bremen will das mit einer neuartigen Methode ändern.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick