Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 13.03.2017

Bilanzbombe Pensionsverpflichtungen: Die Hürde bei Firmenkäufen

Viele Pensionsrückstellungen sind nicht mit ausreichend Kapital gedeckt. Bei jedem fünften Unternehmen summieren sich die Pensionslasten auf mehr als eine Million Euro.

Wenn eine Firma die andere übernimmt, dann sind Pensionsverpflichtungen des gekauften Unternehmens eine ernstzunehmende Hürde. Das ist nicht nur bei den großen M&A-Transaktionen der Fall, wie etwa gerade im Fall von GM und PSA.

Gerade beim Kauf und Verkauf von mittelständischen Unternehmen kommt laut Experten der Begutachtung von Pensionsrückstellungen eine große Bedeutung zu. Das liegt zum einen daran, dass die Versorgungsregelungen häufig kompliziert oder fehlerhaft gestrickt sind. Nicht jeder weiß zum Beispiel, dass die Höhe der zu bilanzierenden Pensionsrückstellung zu jedem Bilanzstichtag neu berechnet werden muss.

Zum anderen sind die Niedrigzinsen ein heikles Thema. Eine Studie der Commerzbank hatte dazu zu Tage gefördert, dass vor allem mittelständischen Unternehmen wegen der Niedrigzinsen enorme Lücken bei ihren Pensionsrückstellungen drohen. Dies gilt besonders, wenn für die Versorgungszusagen nicht ausreichend Deckungsvermögen angespart wurde.

Nach der Studie sind die Hälfte der Mittelständler mit einem Jahresumsatz bis zu mehr als 50 Millionen Euro Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern eingegangen – davon sind aber mehr als die Hälfte schon heute nicht ausreichend mit Kapital abgedeckt. Laut der Studie haben nur 45 Prozent der befragten Firmen mindestens 75 Prozent der nötigen Summe zurückgestellt. Zum Vergleich: Bei 18 Prozent der Unternehmen sind weniger als ein Fünftel der Zusagen durch Rückstellungen gesichert. Bei weiteren 16 Prozent der Firmen gilt das für weniger als 50 Prozent der Zusagen.

Welche Dimension die konkreten Summen annehmen zeigt die Studie ebenfalls: Bei jedem fünften Unternehmen summieren sich die Pensionslasten auf mehr als eine Million Euro.

Welche Bedrohung das Thema für die Bilanzen ist, zeigen weitere Zahlen. Heute wird eine Rentenzusage für einen 35-Jährigen über 100 Euro mit einer Rückstellung von 2600 Euro bewertet – in fünf Jahren wären es schon 8100 Euro, Tendenz weiter steigend. Kein Wunder also, dass wegen steigender Pensionslücken schon Zusicherungen in Kreditverträgen („Covenants“) gebrochen worden sind.

Das Problem sind dabei die extrem gesunkenen Renditen. Die Logik: Je höher der Zins liegt, desto weniger Geld muss beiseitegelegt werden für Zusagen, die erst in Jahrzehnten fällig werden. Dieser Abzinsungssatz liegt derzeit bei rund 4,3 Prozent. Die tatsächlichen Renditen liegen dagegen nahe oder sogar unter null. Bis 2021 wird dieser Rechnungszins jedoch auf 2,06 Prozent sinken. Allein dadurch geht der Deckungsgrad rechnerisch im Schnitt um 35 Prozent zurück.

Die Form der Übernahme weist den Weg auch beim Thema Pensionslasten. Am häufigsten kommt es vor, dass der Käufer die rechtliche Einheit als solche übernimmt und damit sämtliche Pensionsverpflichtungen (Anteilskauf/Share Deal). Eigentlich ist diese Art der Übernahme auch Sicht der betrieblichen Altersversorgung am einfachsten. Allerdings gilt dies nicht unbedingt bei Konzernstrukturen. Denn Konzerne nutzen gerne externe Versorgungsträger oder haben ein sogenanntes Contractual Trust Agreement aufgesetzt. Konkret: Beim CTA wird eine eigene Treuhandgesellschaft installiert, in der die Pensionen verwaltet werden. Will der Firmenkäufer das CTA weiter nutzen, ist eine Erlaubnis des Finanzdienstleisters notwendig.

Im Gegensatz zu einem Share Deal verbleiben bei einem Asset Deal Betriebspensionäre und die Pensionsverpflichtungen von Ehemaligen beim Verkäufer. Übertragen werden zum Kaufzeitpunkt damit nur die Pensionsverpflichtungen für die aktiven Mitarbeiter, also die Mitarbeiter, die auch für die neue Firma arbeiten. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz dürfen sämtliche Arbeitgeberleistungen, also auch die betriebliche Altersvorsorge, für die Dauer von mindestens einem Jahr nicht verschlechtert werden.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Wladimir Klitschko gewährt einen Einblick in seine Pläne für die Karriere nach dem Sport.

    Wladimir Klitschko im Interview

    Der erfolgreichste Box-Schwergewichtler aller Zeiten über die Karriere nach der Karriere.

  • Nicolas Rädecke und Susanne Schnur von DUB.de auf dem Franchise Matching Day 2016.

    Franchise Matching Day mit großem Erfolg

    Rund 400 Besucher kamen zur größten deutschen Franchisemesse in Köln. Als Medienpartner stellte die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de die neue DUB Franchisebörse vor.

  • Das neue DUB UNTERNEHMER-Magazin ist da

    Exklusiv am Kiosk, in Handelsblatt und in WirtschaftsWoche: Weltmeister Wladimir Klitschko verrät sein Erfolgsgeheimnis. Dazu: fünf Megatrends, die Sie kennen müssen.

  • Wer ein Unternehmen gründen oder kaufen will, braucht Geld – zu möglichst niedrigen Zinsen.

    Wenn die Hausbank Nein sagt

    Ihre Bank will Ihnen keinen Gründerkredit geben? Kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen! So kommen Sie trotzdem an günstiges Startkapital.

  • Wie fit sind die Krankenkassen?

    Der Chef der größten deutschen Krankenkasse spricht über Zukunftsszenarien – nicht alle sind rosig.

  • Colin Berr

    Gefragte Mentoren

    „Jedes Team braucht einen guten Mentor“, weiß der Milliardär und Entrepreneur Richard Branson. Warum das auch für kleine Unternehmen zutrifft.

  • Am Ziel vorbei

    Teamarbeit ist ein Erfolgsfaktor. Doch was tun, wenn das Zusammenwirken hakt? Das gängige Rezept: ein gemeinsamer Ausflug. Aber hilft das?

  • Unternehmerischer Erfolg mit System

    Wer sich selbstständig machen will, ohne auf eine strategische Unterstützung zu verzichten, sollte über Franchising nachdenken.

  • Ideen innen und aussen

    Beim Innovationsforum 2015 in Frankfurt am Main sprachen vier Konzernlenker darüber, welche Quellen sie anzapfen, um neue Ideen zu generieren.

  • Aufs große Spielfeld

    Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, sagt, was passieren muss, damit Europa nicht den Anschluss verliert.

  • Was bleibt, was kommt

    Ob Digitalisierung, Mobilität, Demografiewandel – Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Wer erfolgreich sein will, muss sich dem globalen Wandel stellen.

  • Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen.

    Weg mit dem Server

    Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen – wenn sie richtig eingesetzt wird. Zwei Experten sagen, wie sie am besten eingeführt wird.

  • Über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und das Ende des klassischen Beratungsgeschäfts.

    Roboter statt Banker

    Prof. Dr. Martin Hellmich über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und wie Mittelständler von den neuen Angeboten profitieren.

  • 7 Tipps für eine gelungene Franchise-Vertragsunterzeichnung.

    Erst Verträge schließen, dann Geld verdienen

    Vertragslaufzeit, Einkaufsbedingungen Gebührenhöhe – Franchisenehmer müssen sich mit dem Kleingedruckten befassen. 7 Tipps für eine gelungene Vertragsunterzeichnung.

  • Die Entdeckung Europas

    Aus AG wird SE - Immer mehr deutsche Firmen werden ihrer Rechtsform nach europäisch. Die Vorteile: mehr Flexibilität beim Management, aber auch bei Mitbestimmung und Verlagerungen.

  • Mischung mit System

    Geldanlegen wie die Profis - das war lange Zeit nur vermögenden Investoren vorbehalten. Doch jetzt mischen Multi-Asset-Fonds den Markt auf.

  • Werben Sie jetzt auf der DUB-Franchisebörse

    Seit Jahren suchen Unternehmer in spe bei DUB.de Ihr eigenes Unternehmen. Bieten Sie finanzstarken Interessenten ein neues Zuhause unter Ihrem Dach.

  • Alles im Fluss

    Istanbul steht auf der Liste der beliebtesten Spots für Städtetrips ganz oben. Mit einem privaten Guide kann man die Stadt abseits der Touristenströme entdecken.

  • Welches Preisschild trägt ein Lebenswerk?

    Über Jahre hat Kirsten Schubert im Unternehmen ihres Vaters mitgearbeitet. Bis er unerwartet starb. Statt trauern zu können, musste sie die Firma verkaufen. Ein Erfahrungsbericht.

  • Anstand zahlt sich aus

    Anstand zahlt sich aus

    Der Gründer des Club of Hamburg, Frank Breckwoldt, erklärt, warum sich Wertschätzung und Verbindlichkeit gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Kunden lohnen.

  • Unternehmer per System

    Mit Franchising kann der Traum von der unternehmerischen Selbstständigkeit schnell wahr werden. Richtig angepackt, können beide Seiten profitieren.

  • Deckung oben halten

    Abischerung ist oft nicht das Erste, an das Entrepreneure denken. Doch die Altersvorsorge, die Deckung betrieblicher Risiken zählen.

  • Bester Agrarunternehmer zum „Landwirt des Jahres“ gekürt

    Bei der „Nacht der Landwirtschaft“ wurden zum zweiten Mal die begehrten „CeresAwards“ für innovative Ideen und verantwortungsvolles Wirtschaften verliehen.

  • Mach dein Ding!

    So manch erfahrener Konzernmanager liebäugelt mit einem Chefsessel im Mittelstand. Und viele Unternehmer suchen dringend einen Nachfolger. So kommen beide zusammen.

  • Digital-Know-how für alle

    Wie externe Beiräte dabei helfen, Unternehmen einen Weg durch die digitale Revolution zu weisen.

  • Print ist nicht tot

    Mindshare-Chef Christof Baron erklärt, warum gedruckte Medien im Zeitalter der Digitalisierung unterschätzt werden und Inhalte so wichtig sind wie der Kanal.

  • Erfolgreiches Franchising in fünf Schritten

    Franchise erleichtert den Weg in die Selbstständigkeit. Die Systeme sind allerdings bei weitem kein Selbstläufer. Diese fünf Tipps sollten angehende Franchise-Nehmer beachten.

  • Werbe lieber ungewöhnlich

    Für einen wirksamen Mix aus klassischen und digitalen Instrumenten gehört vor allem Mut zum Wagnis. Experten und Unternehmer verraten, wie Sie ihrer Firma Gehör verschaffen.

  • Glamour + Camping = Clamping

    Komfort-Camping führt längst kein Nischendasein mehr. Das liegt nicht zuletzt an den weltweit entstehenden Glamping-Angeboten, die Natur, Abenteuer und Fünf-Sterne-Niveau miteinander kombinieren.

  • Sophia Saller

    Sport-Stipendiatin des Jahres 2015

    Und die Gewinnerin ist ... Sophia Saller! Die U23-Weltmeisterin im Triathlon und Mathematikstudentin in Oxford wurde zur „Sport-Stipendiatin des Jahres“ 2015 gekürt.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick