Krise im Handwerk – 200.000 Firmen stehen zum Verkauf

Immer mehr Betriebe aus dem Handwerk finden keinen Nachfolger. Dabei drängt die Zeit. Plattformen für den Firmenverkauf helfen, das Problem zu lösen – wie die von DUB.de.

Die Nachfolgeproblematik zieht sich in Deutschland durch alle Branchen. Auch das Handwerk bleibt davon nicht unberührt. Wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks unlängst bekanntgab, werden in den nächsten fünf bis sechs Jahren geschätzt 200.000 Firmen deutschlandweit zur Übergabe anstehen – die Zahl steht für ein Fünftel aller Handwerksbetriebe hierzulande. „Das ist ein Riesenthema für die Handwerkskammern“, sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH.

Kompliziert ist die Übergabe dieser Betriebe an mögliche Nachfolger vor allem in ländlichen Regionen, in denen die Bevölkerung schrumpft und es gleichzeitig kaum Zuzügler gibt. „Wir haben eine ganze Reihe von Unternehmen, die in ländlichen Räumen sitzen, und die Inhaber sagen: Wer will denn hierher?“, sagt Schwannecke.

Beispiel Flächenland Bayern: Im Freistaat stehen nach Angaben der dortigen Handwerkskammern 23.000 Betriebe in den nächsten Jahren vor dem Generationswechsel. „Bei 5000 drängt dieses sehr“, sagt ein Sprecher. Er verweist diesbezüglich auf das fortgeschrittene Alter der Inhaber in mehreren Gewerken: Bei Installateuren oder Heizungsbauern sind die Chefs im Schnitt 50 Jahre alt, bei den Metallbauern sogar 53. „Macht man sich zu spät oder überhaupt keine Gedanken über den Fortbestand eines Betriebs, kann das im schlimmsten Fall sogar die Existenz gefährden“, heißt es von den Handwerkskammern.

Aber auch Großstädte sind betroffen. Beispiel Düsseldorf: Die dortige Handwerkskammer geht davon aus, dass allein im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW bei etwa 30.000 Betrieben der Stabwechsel in der Führungsetage aus Altersgründen ansteht. Das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Die einzelnen Handwerksbereiche sind in den nächsten Jahren unterschiedlich stark von Betriebsnachfolgen oder -schließungen betroffen. Weit über dem Durchschnitt liegen mit 34,4 Prozent vor allem die Bäcker, Konditoren und Fleischer. Deren Geschäfte leiden oft unter den Billigangeboten der Discounter und Supermärkte.

In mittelgroßen Städte wie Kassel ist die Lage ähnlich. Sabine Aue von der dortigen Handwerkskammer will zwar von einer akuten Krise im hessischen Handwerk nicht sprechen, aber bis 2026 würden 2300, also 30 Prozent der Betriebe zur Übergabe anstehen, weil ihre Inhaber das 65. Lebensjahr vollendet haben. Besonders stark sei die Nachfrage im Bereich Metall, so Aue. Aber auch im Friseur-Handwerk sei die Nachfrage nach Firmen nach wie vor hoch. „Schlusslichter sind die Nahrungsmittelhandwerke, hier vor allem die Fleischer und Bäcker“, so Aue.

Das generelle Problem dabei: Es mangelt an nachrückenden Existenzgründern. Deren Zahl sank laut KfW Research seit Jahren – von mehr als 1,5 Millionen im Jahr 2001 auf nur noch 672.000 im Jahr 2016. „Aktuell wagen so wenige Menschen in Deutschland wie nie den Gründungsschritt“, schreibt Michael Schwartz, Autor der Studie von KfW Research. Er verweist in dem Zusammenhang auf die seit Jahren glänzend laufende Konjunktur. Der Arbeitsmarkt bietet für Fachkräfte, die eine Festanstellung ohne Risiko der Selbstständigkeit vorziehen, glänzende Möglichkeiten. Hinzu kommt eine Veränderung der Werte: Familie und Freizeit haben an Bedeutung gewonnen, der Beruf steht nicht mehr unangefochten an der Spitze.

Handwerks-Expertin Aue bestätigt diese Ansicht. „Die Bereitschaft, sich selbständig zu machen, ist nicht sehr ausgeprägt“ sagt Aue. Dieses Verhalten beobachtet sie immer wieder, wenn die konjunkturelle Lage gut ist. Grundsätzlich ist sie aber optimistisch, was die Entwicklung des Handwerks angeht. „Auch wenn der Trend zum Studium in den akademischen Berufen nach wie vor anhält, erkennen doch wieder mehr junge Menschen, wie viele Karrieremöglichkeiten das Handwerk bietet. Sie entscheiden sich bewusst für eine Ausbildung im Handwerk, durchaus mit dem Ziel, sich irgendwann selbständig zu machen“, sagt sie.

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